Heute: „Ich arbeite nur für viel Geld oder gar nicht“. Aus der Reihe „Aus dem Zusammenhang gerissene Zitate“. Oder: Baut die Mauer wieder auf.

Neulich trug es sich zu, dass ich in so einen kleinen Shitstorm reinratterte. Das geht bekanntlich schnell und moi besitzt bekanntermaßen ein Talent dafür. Polarisieren. Das klappte schon immer wahnsinnig gut. Es geht noch schneller, wenn man dummen Leuten ein Zitat präsentiert und sie dann vollends die Kontrolle verlieren. Aber…..von vorne. Gaaaanz von vorne.

Nun, das Social Web bringt alles näher, auch Gedanken und Meinungen von Menschen, mit denen man sich aber noch nicht mal auf der Kirmes beim Autoscooter prügeln würde. Um kein Geld der Welt.

Der Ausgang war recht simpel. Eine Debatte über die richtige Bezahlung für Texter. Höchstwahrscheinlich habe ich aber eine verquere Vorstellung vom kreativen Texter und dessen geistiger Arbeit. Bei mir ist sie nämlich gefühlt um einiges mehr Wert als bei anderen. Ja, die Billigtexter. Wir reden hier nicht über Indien, China und Bangladesh, nein, wir reden über (überwiegend) Frauen Billigheimer für 1 Cent das Wort damit wirklich das benötigte Income schaffen um angenehm zu leben. Aber, ich Arschloch, was rede ich da? Mindestlohn für Texter? 60 Euro die Stunde Minimum? Auf welch fernen Planeten lebe ich denn da wohl?

Der Planet heißt Deutschland und die Sternenzeit ist gerade bei Jahr 2014 angekommen. Wie war das noch, wie schallte es noch immer noch Zeit und Raum? Arbeit soll sich wieder lohnen?

 

„Ich arbeite nur noch für viel Geld oder gar nicht – Das Zitat der Zitate“

 

Womit wir an dem Punkt sind, wo es kippte. Ich, größenwahnsinnig und arrogant zitierte Sascha Lobo aus dem aktuellen t3N Interview. Das, wo er sagt, er habe Geld eine ganze Weile unterschätzt. Er arbeite nun nur noch für viel Geld, sonst gar nicht. Yeah! Ab da war Polen offen!

Die Geschichte geht so weiter: Die Meute der 1 Centtexterinnen, die sonst lasziv in Blümchenkleidern auf Facebookseiten rumliegen oder „Hauptberuflich“ einen E-Book Verlag für Sado Maso „Literatur“ betreiben (Nachtigall ick hör Dir trapsen), reißt mir die Kleider vom Leib.

Sie sind nämlich unheimlich gewiefte Mitfünfzigerinnen, mit Internet, die da mit Ihren fancy Breitbandanschlüssen sitzen. Unter anderem da wo die braune Suppe in der Provinz größte Erfolge feiert. Strukturschwächste Gegenden der Republik. Die gewieften Ossis (ich muss mich natürlich an diesem Punkt direkt bei allen anderen Ossis entschuldigen, den Menschen, die nicht mit Ihren 1 Cent Texten einen Markt kaputt machen und auch bei denen, die nicht so dumm sind). Klar, würde ich da wohnen wo 120qm keine 500 Euro kosten, ey, dann könnte ich mir von 1 Cent das Wort richtig was gönnen. Zum Beispiel eine Fototapete mit Karibikstrand. Der Beginn der Horizonterweiterung.

Ich schrieb also besagtes Lobo Zitat in diese Gruppe hinein und seitdem gucke in Zeitlupe den wirren Gedanken der funky schreibenden Zunft zu. Also, es ist jetzt so, fassen wir mal kurz zusammen: Moi ist ein elender Sozialschmarotzer, der immer die Hand aufhält.

Wer lesen kann ist bekanntlich schwer im Vorteil

Sehr gut! Genau das bin ich! Alles richtig verstanden. Was für ein Blödsinn. Man muss es mal so sehen, ich wollte letztendlich nur klar machen, dass dieser billig getextete Content einen Markt zersiebt. Den Markt des geschriebenen Wortes. Und nicht erst seit dem Niedergang der Verlagsszene (hej, danke Internet, aber ich habe Dich trotzdem noch lieb) hat die schreibende Zunft zu schlucken. Die Preise verfallen. Stellen fallen weg. Siehe Dumont, der jetzt bei der Mopo zehn bis 12 Leute rauswirft. So läuft das. Und dann, während das klassische Gebilde des Marktes für Schreibende zusammenbricht kommen dann diese Ostdeutschen Matronen mit ihren Billigtexten daher. Das ist wie das Prinzip Uber.

Uber macht aggressiv einen bestehenden Markt kaputt. Disruption. Das hat der liebe Herr Lobo dann auch noch vor ein paar Tagen schön beschrieben. Aber, machen wir uns nichts vor, diese und andere wertvolle Infos werden von den 1-Cent-Matronen ausgeblendet. Sie leisten Deutsche Wertarbeit und ich stehe da und halt die Hand auf. Moment mal, irgendwo ist da doch der Haken an der Geschichte?

Ach ja, das Hand aufhalten. Ist ein bisschen lustig. Die 1-Cent Matronen können nicht so wirklich lesen. Auch wenn sie sich für die geblümten Sado Maso Text Göttinnen halten. Lesen in chronologischer Reihenfolge ist nicht so deren Ding. Sowieso haben sie nicht viel zu tun, denn sie geilen sich schon den dritten Tag in Folge an meiner Arbeitslosigkeit aus dem Jahre 2009 (bald sechs Jahre in der Vergangenheit) auf und auch am Intermezzo meiner letzten Position. Menschlich ganz schön arm. Aber auch dumm.

Sie finden das ganz unerhört. Das ich mal arbeitslos war. So eine Schweinerei! Da ist die einfach arbeitslos gewesen. Ja und? Wie soll ich es sagen: Und ich hatte Spaß dabei? Nein, sicherlich nicht. Die Zeiten um 2009 waren verdammt hart, nicht umsonst waren meine Mitbegründerin Simone und ich so genervt von der Sache, dass wir diesen Blog ins Leben riefen. Wenn man ein gut funktionierendes Gehirn hat, und diesen Blog chronologisch liest, wird man feststellen, dass am Ende alles gut wurde. Simone fand einen Job, ja und den hat sie auch bis heute. Und ich fand auch einen Job und den hatte ich bis letztes Jahr. Und dann verlor ich ihn wieder. Das ist dieses Hire and Fire, sehr amerikanisch, kommt auch auch hier so langsam mal an.

Freie Marktwirtschaft ist das Gegenteil von ABM-Maßnahmen, traurig aber wahr

Ich bin nicht im Osten aufgewachsen und hatte eine funky Datenklöpplerinnenanstellung und wurde dann von der Treuhand abgewickelt und mit ABM-Maßnahmen an die Realität gewöhnt. Ich bin damit aufgewachsen. In dieser Realität. Freie Marktwirtschaft. Ist eine ganz töfte fiese Angelegenheit. Und ich durfte daran seit meinem sechzehnten Lebensjahr teilnehmen. Also schon eine ganze Weile.

Das Arbeitslosigkeit anscheinend was ist, worüber sich manche immer noch lustig machen, während sie Texte für 1 Cent das Wort über holländische Blumenzwiebel schreiben, ist eine Schande.

Arbeitslosigkeit ist kein Spaß. Und ich glaube, diese Arbeitslosen, die machen das auch nicht mit Absicht. Ach, jetzt gleich kommt irgendeiner mit dem Bodensatz der HartzIV Bezieher, die angeblichen Verweigerer. Die alle nur faul auf der Haut liegen. Das geht wahllos weiter. Frauen sind dann gleich Gebärmaschinen und so weiter. Liest man sich die Kommentare der 1-Cent-Billigtexter durch, kommt man sich vor wie in einem wirren Mash up der Wahlprogramme von AfD und NPD. Es ist gruselig. Man will schreien: Baut die Mauer wieder auf!  Wo ist die Antifa wenn man sie mal braucht? Wieso komme ich darauf, dass es alles überwiegend Össitüssis sind? Recherche! Die Splittergruppe der Crossover 1-Cent-Matronenfrauen-Rentner in Nachbarländern, so called Schluchtenscheißerland oder die im Paradies der hohen Löhne lebenden, der Schweiz nämlich.  Da frage ich mich nur: Wie dämlich ist jemand, der in Schweiz lebt und nur für Cent Beträge textet? War die Schweiz nicht das super Lohnland der Europäischen Hemisphäre? Alles sehr seltsam. Aber, ich hier im goldenen Westen habe die Google benutzt. So wie die Damen der 1-Cent Zunft, kann ich auch googeln. Deren Namen kann ich auch eingeben. Sehr interessant was man da so raus findet. Und ziemlich langweilig. Sterbens langweilig. Blümchenkleider auf Sadomaso halt und das für 1 Cent. Was will man erwarten?

Letztendlich muss man sich das mal auf der Zunge zergehen lassen, ich möchte ein paar Damen motivieren doch mal bei realistischen 60 Euro einzusteigen, so wie der klassische Handwerker. Aber das nehmen sie schon gar nicht wahr und werden raderdoll weil sie auf diesem Blog das Signalwort HartzIV gelesen haben. In ihren geblümten Kleidchen hüpfen sie in bester „die Hexe von Oz Manier“ auf und ab und geilen sich daran auf, dass ich einmal arbeitslos war.
Sich über Arbeitslose und Bezieher von Sozialleistungen lustig zu machen, ist ein Armutszeugnis. Mehr nicht. Und zu unterstellen, es mache Spaß und man ruhe sich in dem Falle aus, ebenfalls.
Und eigentlich, wenn man am Ende dieser Geschichte angekommen ist, ist das eine ganz schön traurige Geschichte. Eine Geschichte von Frauen, die nicht richtig lesen können, aber behaupten sie sind die geilsten Texterinnen der Welt für 1Cent das Wort. Und das sie schön das Stigmata der Arbeitslosigkeit pflegen. Da wo die Heuballen durch die Straßen fegen und die AfD mit der NPD zum Kaffeekränzchen einlädt. Traurig, aber wohl doch leider wahr.

Dabei ging es am Anfang um Preise. Was man nimmt. Was das Leben kostet. Aber sie sind standepede der Meinung, von ein paar Cent pro Wort kann man töfte leben und das ist absolut korrekt. Und was auch ganz wichtig ist: manch einer darf auf 6 Cent pro Wort kassieren. Der Cent-Millionär in der Disruptionswüste. König der Fischer. Fall nicht zu tief.

Letztendlich betreiben sie aber eine Verwässerung des Marktes und spinnen sich irre falsche Wahrheiten zusammen und bewegen sich am Rande dessen, was üble Nachrede ist. Das ist putzig. Schön, ist es zu lesen, wie man angeblich die Hand aufhält und andere für sich arbeiten lässt.

Das freut mich doch sehr. Gut das ich weiß, dass es nicht wahr ist. Und gut, dass ich weiß, wie beschissen es ist, wenn man Sozialleistungen beziehen muss. Und gut, dass ich weiß, dass zum Beispiel das schöne ALGI eine gaaaanz tolle Versicherungsleistung unseres Sozialstaates ist. Für die man ja als Arbeitnehmer gaaaanz toll eingezahlt hat. Zum Ende halte ich es weiterhin wie Sascha Lobo: Ich arbeite nur für viel Geld, sonst gar nicht. Denn Arbeit soll sich lohnen. Für jeden. Ich halte auch „Mindestlöhne“ von 9,40 die Stunde für zu wenig. Das ist nach wie vor Ausbeutung an der Menschheit. Und wenn ich dann übrigens gerade nicht arbeite (immer dran denken: vieeeeel Geld 😉 ), halte ich nicht die Hand auf, nein, ich mache gar nix. Ich beziehe auch nirgends Leistungen. Nee, brauche ich ja (zum Glück!) nicht mehr.

Weil ich nicht so bescheuert bin und verkaufe meine Leistung so billig, das ich 12 Stunden am Tag rödeln muss. Ich halte es damit wie es die Kollegen in der Brand Eins beschrieben haben. Da wird ganz einfach erklärt, warum eine Stunde als Freiberufler nicht unter 60 bis 80 Euro zu haben ist. Das Leben ist eines der teuersten. Und ich erkaufe mir durch meinen höheren Stundensatz am Ende nur eines: Mehr Zeit. Freizeit. Meine Zeit. Mehr Leben.

 

In einer schöneren Zukunft zerdeppern Inder und Co. den Matronenmarkt. Hopefully.

Es wird sicher ein aufregender Tag, bin gespannt wie lange die 1-Cent-Matronen noch brauchen, um zu raffen, dass mancher Inhalt dieses Blogs in der Vergangenheit liegt. Auch freue ich mich sehr über die guten Ratschläge, die mir indirekt gegeben werden. Man sollte diesen Blog hier mal bekannter machen (ey, den kennen schon total viele ihr Blümchenmuttis), denn dann klappe es ja vielleicht auch endlich mit Arbeit für mich. Jetzt aber mal eine Durchsage: HALLO IHR 1-CENT MATRONEN, ISCH HABE ARBEIT DANKÖ, JETZT SCHNAUZE HALTEN.

Schlimm, diese Menschen, die sich nur über Arbeit, Arbeit, Arbeit definieren. Rabotti, Rabotti. Hoffentlich lernen die ganzen Inder und Chinesen schnell ordentlich Deutsch. Und zerdeppern dann den 1-Cent Matronen den Markt. Drei Wörter für 0,25 Cent. Yeah!
Bis dahin beschäftige ich mich heute mit den wirklich fancy Dingen. Ab auf die Messe nach Köln und mit dem Heer der Digital Natives durch die Messehallen strampeln. Und ach ja, das mit baut die Mauer wieder auf, nun ja, macht von mir aus auch einen Freizeitpark aus Ostdeutschland. Ist mir gerade echt gesagt, ziemlich egal. Ist zwar landschaftlich dahinten alles sehr hübsch, aber die Mentalität ist grauenhaft. Das will man nicht mal geschenkt.
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Ich muss was in diesen Blog schreiben. Ich muss was in diesen Blog schreiben.

Los, schreib endlich was in diesen Blog rein, Rose!

 

Ich bin total die faule Tante. Ja, ich gebe es zu. Ich habe nix geschrieben seit dem Desaster mit der Love Parade. Ja, der Ofen war aus. Das Gehirn leer und ich so auf Null Bock Schiene. Muss ja wohl auch mal sein. Manchmal geht eben gar nix mehr. Gar, gar, gar nix mehr.

Schnell eine Geschichte über blöde Bürokratie und so:

Was habe ich zu berichten? Seltsames passiert. Zum Beispiel ist neulich ein Bekannter von mir aus seiner Krankenkasse gefolgen. Weil er studiert und dann plötzlich zu viel verdiente. Da dachte sich die Kasse: Ja, aber sie haben irgendwie zu wenig bezahlt, finden wir. Wir schmeißen sie mal raus. Also stand er plötzlich ohne Versicherung da, dabei hätte doch die Versicherung den Jungen Mann einfach auf  „zahlt seine Versicherung jetzt selber, weil er verdient“ umstellen können. Er ist ja schließlich Student und das ist ja ganz oft total normal, wenn die Studenten zum Beispiel aus der Familienversicherung rausfliegen, weil sie sich auf jenseits der 25 zubewegen. Aber nein, die Geschichte geht noch wirr weiter. Weil die KV den jungen Mann rauswarf dachte sich dann auch die Universität: Ein nicht krankenversicherter Student ist kein Student mehr, hinfort mit ihm. Ist doch total egal, dass er sich gerade mittem im Vordiplom befindet. Wir exmatrikulieren den aus dem Stand heraus. Nun kämpft er seit Wochen um die Wiederaufnahme an der Uni und die Krankenkasse gebärdet sich wie Irre. Vordiplom hin oder her, er stellt nun fest: Exmatrikulieren geht total easy. Wie Briefmarken kaufen. Aber jetzt wieder immatrikuliert werden stellt die Universität vor schwere Probleme. Hoch wie eine Wand ist die Bürokratie und die Zeit galoppiert dahin wie ein besoffenes Pony im Zirkus.

Bisher gibt es in dem Fall keine Einigung. Mich macht ja so Behördenschwachsinn immer latent sauer. Da will ich was werfen.

Schnell ein Blick über den Blogzaun:

Am Ende habe ich noch hier so was total lustiges gefunden. Endlich pöbelt mal noch jemand anderes mit Bravur im Internet rum.  Ich bin entzückt und denke mir: Hach, der Sascha Lobo ist doch eigentlich ganz putzig lustig. Let the Shitstorm roll. Es ist irgendwie eine Antwort auf eine Antwort die auf eine Frage bezüglich des Buches gestellt wurde. Und wie es so hübsch eskaliert. Yeah, ich bin wirklich verliebt in die eine oder andere Formulierung von Lobo. Zack, bumm, auf die Fresse. Am besten finde ich u.a. „willst du mich verarschen, du erlebnisschrottblogger?“. Total geiles Tennis.

Ich werde das Buch von Lobo übrigens nicht lesen, nee, will ich nicht. Nur so am Rande. Was mir aber am Ende als Frage im Gesicht hängen bleibt: Was zum Teufel hat Lobo für Hobbies, dass er 10.000 Euro netto im Monat braucht? Ich will auch ein Reitpony oder Cricket lernen. Ich sollte schnell ein Buch schreiben. Über den Wahnsinn der Neuzeit oder so.

Boah, Internet I love you!

Lest mal rein, ist very funny, da kann man auf den Spielfilm um 20.15 verzichten.

 

©Rose

Randnotiz. Was manch einer meint hier zu lesen, ist nicht das, was wir meinen. Verständnisprobleme gratis. Was ihr wollt

Radetzkymarsch für alle Beteiligten und Möchtegernleser und größten Kritiker-Babys: Lest doch mal Zeile für Zeile. Wenn jemand unsere Texte scheiße findet: Egal. Wenn jemand unser Thema nicht mag: Egal. Dann klickt weg. Wenn aber jemand, in einem anderen Forum dann auf einer persönlichen Schiene angefahren kommt, wenn sich das in weitere Bereiche unseres  privaten Lebens einschleicht, dann ist Schluß. Es gibt Grenzen.

Im Übrigen wollten wir noch einmal klarstellen, wir sind nicht:

– Jammerlappen

– faul

– desillusioniert

– alt

– unerfahren

– unmoralisch

– Zensurspießer

– unerzogen

Wir  sind:

– kreativ

– fair

– kritisch

– engagiert

– weltoffen

– auf Arbeitssuche

So wie Millionen andere Menschen in diesem Land und auf dieser Welt auch. Das ist das Hauptthema dieses, unseres Blogs: Arbeit. Suchen. Finden. Hürden nehmen.

Alles in allem wollten wir hier eigentlich ein Intermezzo starten und darüber berichten, wie es ist Arbeit zu finden, nachdem man eine Ausbildung zur PR-Referentin abgeschlossen hat. Und schon einige Jahre gearbeitet hat. Wie es ist, wenn man zwischen den Stühlen hängt und als Bonus eine Wirtschaftskrise das Land erschüttert. Es ging uns eigentlich nie darum, den Kampf der Unterdrückten zu führen. Aber wir werden ja von einigen unermüdlichen Kommentarfuzzis  dazu gemacht. Okay, dann halt so. Ihr wollt es ja nicht anders. Aber wir wollen es ganz anders. Dies sollte eine Plattform werden, für alle die, die Arbeit suchen und dabei Hürden nehmen müssen. Das ist völlig normal, aber gerade herschen extreme Bedingungen. Nicht  die PR-Branche ist partout scheiße, sondern die ganze Wirtschaft liegt gerade am Boden. Vielleicht trifft es die PR- und Werbebranche gerade besonders hart, weil hier in Krisenzeiten immer zuerst gespart wird.

Die Reaktionen auf unseren Blog sind ja der Indikator dafür, dass es hier zu Lande immer noch eine große Gemeinschaft von Leisetretern gibt. Keiner traut sich seine Meinung zu sagen, wenn nur mit dem Rücken zur Kamera. So gesehen gestern bei RTL Punkt 12. Weiß Gott nicht die tollste journalistische Leistung aber dennoch Information. Dort wurde zum Beispiel  die Situation der Akademiker, die zu Dumpinglöhnen arbeiten, beleuchtet. Anstatt mutig in die Kamera zu sprechen, dass man die Arschkarte gezogen hat, wird hübsch anonym geblieben. Das ist ganz super. Bloß nicht mal die Meinung sagen.  Meinung sagen ist voll scheiße. Leute, die ihre Meinung sagen, müssen sich anscheinend einiges gefallen lassen.

Wer seine Meinung sagt kriegt direkt immer ordentlich eins auf die Zwölf. Das Dumme ist: Sagt man seine Meinung und bleibt dabei nicht anonym, steht man also dazu, dann gibt es gleich richtig Ärger. Da wird man  im Spotlight an die Wand gestellt.

Hallo? Dass selbst Akademiker inzwischen für Hungerlöhne arbeiten müssen, aber sie nicht Manns genug sind direkt in die Kamera zu sprechen, weil sie Angst haben erkannt zu werden – wohin soll das führen?

Dieses Land tanzt gerade den Tanz des Teilzeit-Untergangs. Die Wirtschaft liegt am Boden. Darüber wollten wir uns ursprünglich null auslassen. Aber, wenn man über Arbeit schreibt kommt man, besonders in diesen Tagen, nicht am akutellen Geschehen vorbei. Und wenn man heute morgen in die Zeitung schaut, dann verkündet das Institut für Wirschaftforschung direkt mal 1 Million Arbeitslose mehr bis Ende des Jahres. Das kann man dann auch beim Schreiben dieses Blogs nicht außen vor lassen.

Apropos Blog. Die ursprüngliche Form des Blogs ist ein Online-Tagebuch. Ein Online Weblog. Unsere Wissenübermutter, Wiki, sagt dazu: „Ein Blog […] ist ein auf einer Website geführtes und damit – meist öffentlich – einsehbares Tagebuch oder Journal.“ Daher ist es völlig normal, dass es in diesem Blog subjektive Erfahrungen, Meinungen und Gedanken zu lesen gibt. Es wäre total ad absudum geführt, wenn es ab jetzt nicht mehr okay ist, in einem Blog über sich und seine Erfahrungen zu schreiben. Denn dafür sind sie da. Wir kennen keinen Blog, in dem der Verfasser es schafft, nie über sich selbst zu schreiben. Selbst die Bild-Blog-Leute stehen mit ihren aufbereiteten Artikeln indirekt für ihre persönliche Einstellung gegenüber der Gesellschaft und der Bild Zeitung.  Wäre es total scheiße, wenn man in Blogs nur über sich selber schreibt, dürfte Sascha Lobo längstens eingepackt haben. Mit ihm viele, viele andere Blogger.

Im Übrigen gibt es auch im Internet Grenzen. Wenn Meinungen nicht gefallen: Okay. Aber man muss sie und ihre Verfasser akzeptieren oder zumindest tolerieren. Amen.

©Rose