Die Zukunft liegt in der Teigtasche. Tak Tak – Polish Deli. Piroggen to go.

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Ein guter alter Freund, Karol, hatte die wunderbare Idee, die Teigtasche zu revolutionieren. Teigtasche? Piroggen. Genau. Leckere, kleine Teigtaschen. Mit allem gefüllt was das Herz begehrt. In der heutigen Landschaft der schnellen Küche eine Bereicherung. Karol hat polnische Wurzeln und somit Piroggen im Herzen und unter der Leber. Außerdem ist die Gastronomie für ihn kein Neuland.

Wichtiges zu erst: Damit der Traum der Piroggen auch was wird, muss gevoted werden. Und zwar direkt schnell hier.

photo.php

Die Grundidee hinter „tak tak – polish deli“ (tak = ja auf Polnisch) ist es, die Gastronomielandschaft um einen kulinarischen Schatz zu bereichern und das veraltete System der Schnellrestaurantketten zeitgerecht umzugestalten. Die polnische Küche birgt hierfür ein preiswertes Angebot für hungrige, urbane Außer-Haus-Esser, nämlich Piroggen in Bio-Qualität. Piroggen sind Dumplings, also Teigtaschen mit unterschiedlichen Füllungen. Von herzhafter Fleischfüllung, über vegetarisch / vegan mit Käse und Kartoffeln oder Kraut und Pilzen, oder als Nachtisch gefüllt mit süßem Frischkäse, Johannisbeeren oder Erdbeeren, es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Und das waren nur die traditionellen Varianten, viele weitere Variantionsmöglichkeiten sind denkbar.

So ein Traum sollte unterstützt werden. Finde ich. Also ab dafür und den Karol fleißig zum Gewinner klicken.  Er wird sicher der fancyste Arbeitgeber, den die Hauptstadt je gesehen hat. Trust me. Piroggen for President!

 

Copyright für gare Pirogge: © Birgit Kutzera -Fotolia.com

Und dann sagte ich ab. Wenn die Großmeister der Kommunikation wie Nulpen auftreten.

Nun — in meiner neuen Welt als beratende Kommunikatöse kommt man auch nicht um die Absage herum. Diesmal musste ich auch gar nicht lange auf eine schlecht geschriebene eben solche warten. Nein, im Gegenteil. Ich war diesmal am Zug…

Es trug sich wie folgt zu…

Es war einmal eine der größten Werbeagenturen der Welt und sie suchten jemanden für so called Community Management. Nach einigen Mails mit den Verantwortlichen für den Bereich Social Media lud man mich zu einem Gespräch ein. Beachtet man das Level, auf welchem das Gespräch stattfand, war es das blödeste, was ich jemals geführt habe. 

Eine Katastrophe der ganz besonderen Art. Wie soll ich es sagen, die Werber residierten im langweiligsten Gebäude, das ich jemals in meinem Leben betreten habe. Lieblos und weiß. Ja,ja,ja, kommt mir jetzt nicht alle mit Understatement und das muss so sein, damit man kreativ sein kann. Es sah aus wie eine Legebatterie. Das ist schon für Hühner nicht gut und die Eier schmecken scheiße, wie soll man da also als Mensch kreativ sein? Hach, aber das war eigentlich auch nur ein Nebenkriegsschauplatz, dieser nicht kreative Raum. 

Es ging also um dieses Internet. Naja und da kommt halt die Frage auf, seit wann man denn so drin ist. Also sagte ich brav mein Sätzlein: Ja, seit 1998. Irritierende Blicke bei den Herrschaften aus dem Land der Above The Line Kommunikation. „Aha, Du warst also im Internet drin bevor es das Internet gab“. Stille. Mein Gehirn sagt: Ey, will der mich verkackeiern? 

Daten aufzählend, wann. Seit Frühjahr 1997 ab und zu, seit 1998 mindestens 12 Stunden am Tag. Warum? Compuserve CD im Stern, große Hysterie und zwei zerlegte väterliche Büros bis zu der Erkenntnis: geht nur mit so einem Modem. Und ab 1998 mit Wissenschaftsstandleitung vom Fraunhofer.
Irgendwie fragt man mich leicht dümmlich, was ich denn da so gemacht habe. 1998. Im Internet. Ja, was soll ich da sagen? Das Internet war damals wirklich optisch eine ganz andere Herausforderung. Man brauchte eine Menge Phantasie. Da ich aber das Glück hatte, mit ein paar Sun Microsystems, Renderingfarmen und Wissenschaftlern in einem Gebäude für ein Praktikum eingesperrt zu sein, war das alles nicht so das Ding. Es war wunderbar. Eine Welt aus 3-D Animationen von Fischen, die wegschwammen, wollte man sie berühren und 3-D Ultraschall. Hach, was man so alles schallen kann, wenn man Langweile hat…Oder Achterbahn fahren in der 3-D Cave zur Mittagspause. Damals der heiße Shit, heute schon Standard.

Was machte wir 1998 im Internet? Also, unter uns Kolleginnen aus der Marketingabteilung war es ein Riesengaudi mit seltsamen Namen im Pralinechat latent anzügliche Chats zu führen. Fanden wir damals super komisch. Und Filesharing war damals ganz groß. Wir schleppten die Daten dann immer auf einem ZIP nach Hause. Denn dort war noch das flötende Modem angesagt. Wir trieben uns in Foren rum und surften so durch die Gegend. Was man halt so macht. Im Internet. Aber das habe ich den Herren natürlich nicht erzählt. 

Die Tatsache, dass ich einen Blog hatte, der aber noch Tagebuch hieß, brachte das Gespräch irgendwie noch weiter in seltsame Sphären. Auch dass ich den einen gut zehn Jahre befüllte und den anderen seit nun gut sechs. Wollte man irgendwie nicht so glauben.  Oder man fand es doof. Oder dachte, es ist nicht das richtige Internet. Oder ein anderes. Ich weiß es einfach nicht. Am liebsten hätte ich gesagt: Googelt es doch nach. 

Ach, es wurde aber einfach alles nicht besser. Nach diesem blah blah blah, ich und das Internet, das Internet und ich, kamen wir dann zum Punkt. Der Aufgabe. Also, die Aufgabe war dann: Bitte bis in 10 Tagen einen funktionierenden Social Media Kanal bauen. Und die Inhalte: Ach ja, da nehmen wir halt das, was wir so schon haben. Haha.

Super Plan. Wir nehmen die Sachen aus der klassischen Werbung und kleben sie ins Internet rein. Genau. Das ist Social Media. So funktioniert das Internet. Absolut.

Das Entsetzen ist mir wohl ins Gesicht gemeißelt. Ja, man wisse, so mache man das nicht. Aber der Kunde wolle es so. Oh cool, Werberklischee #9, direkt gemeinsam über den Kunden meckern. Klischee #5, Hornbrille, liegt seit 24 Minuten achtlos aus dem Tisch. Also ich, ich trage eine Brille, weil ich nix sehe. Und die muss ich immer tragen. Sonst könnte man mir auch einen Wombat mit einer Karnevalsperücke als Gegenüber auftischen und ich würde es nicht merken.

Hach, was fühle ich mich inzwischen unwohl, wie ich da sitze, bei den Königen der Werbung und das alles wirkt so fürchterlich planlos, unkreativ und … nulpig. Ja, ich bin maßlos enttäuscht von deren Auftritt. Dann wird mir noch eine Menge Geld geboten für eine Menge Arbeitsstunden und ich sage höflich, ich muss das noch überdenken und gebe den Herren die Klinke in die Hand. 

Dann schreibe ich den Herren noch eine Mail, da wäre noch die ein oder andere Sache zu klären. Ob denn bitte ein Telefonat am folgenden Tag am Mittag möglich sei. Irgendwann nähern wir uns in Echtzeit der Stunde Null, also dem Tag danach am Mittag. Auf meine E-Mail, ob man telefonieren könne, wurde natürlich nicht geantwortet. 

Wasser auf meine Mühlen! Hatte ich bei dem Termin nicht noch einen Vortrag über die wichtigsten Aspekte der Arbeit „mit Internet“ gesprochen? Schnelligkeit, antworten, immer antworten, immer sofort antworten. Der kleine Vortrag über den Grundrespekt der Kommunikation. Und das nicht zu lange Warten lassen. Blahblahblah. 

Natürlich habe ich auf meine sorgsam formulierte Antwort, in der ich begründe warum ich absage (Kurzum: So funktioniert das nicht, ohne Plan in 10 Tagen), keine Antwort erhalten.  

Aber insgesamt denke ich mir, also, wenn das mein Laden wäre und ich würde so einen großen Namen tragen und meine Mitarbeiter würden einen so nulpigen Auftritt in meinem Laden hinlegen…Bootcamp. Sofort. Alle.

Höchstwahrscheinlich ist das unter anderem das Problem: Social Media ist in good old Germany eine ziemlich puuuuups langweilige Sache, weil da irgendwelche Herren aus den klassischen Bereichen ihr Unwesen treiben. Und sowieso. Dieses Internet. Ist ja Neuland. Nach sechzehn Jahren.

Zwei Klassen. Gesellschaft. Auch in der Bildungsindustrie.

Aktuell stelle ich mir die Frage, ob es ein Skandal ist, oder ob es nur so eines von diesen traurigen, aber nicht Lebensgefährlichen Middle Class Dramen ist. Was? Also, ja, was eigentlich. Fangen wir ganz vorne an. Das Institut, welches der Träger der Weiterbildung „Online Redakteur Social Media New Media“ ist, verbietet (das klingt so bescheuert, ich weiß) den Teilnehmern das parken des eigenen PKW’s auf den Parkplätzen des Institutes. Was ziemlich bescheuert ist, denn das Institut steht in einer der krassesten „Parkschein only Zonen“ der Domstadt. Grundsätzlich ist es logisch, dass nicht alle Teilnehmer mit dem eigenen PKW anreisen können und würden, keine Frage. Es ist ja auch nur ein Bruchteil. In unserem Kurs: Zwei.

Einer dieser Bruchteile ist eine Dame, die jeden Morgen aus Belgien angefahren kommt. Belgien ist ja nun nicht mal eben um die Ecke, nicht wirklich. Es sieht nur so aus. Sie kommt also jeden Morgen diese Ochsentour gefahren und landet dann in der Only Parking Zone. Was also tun? Klar, man zahlt ja für diese Weiterbildung um die 5.500 Euronen, da kann man ja wohl denken, da dürfe man auch mal parken.

Nee, ist nicht. Teilnehmer von Weiterbildungen, die nicht Berufsbegleitend hier rumhängen, dürfen nicht parken. Teilnehmer von „Berufsbegleitenden“ haben einen „Anspruch“ auf einen Parkplatz. Das hat einen seltsamen Umkehrschluss und gleichzeitig ein Geschmäckle. Denn, heißt es im umgekehrten Sinne, dass alle, deren Weiterbildungen vom Staat finanziert werden, ergo, Arbeitslose, nicht parken dürfen. Der Arbeitslose hat genug Zeit für Park and Ride. Das wurde uns nicht so deutlich gesagt, aber es tanzte zwischen den Zeilen. Das Argument, mit Park and Ride dehne sich die Anreisezeit auf bis zu fast 3 Stunden pro Strecke, zählte gar nicht. Es kam dann die Antwort, dass sei doch noch im Bereich des „erträglichen“.

1. Pendlerzeiten von fast 6 Stunden am Tag sind absoluter Schwachsinn, und nicht erträglich. Übertragen wir das jetzt mal auf deren Vorstellung von „Arbeit“, dann heißt das, man soll doch bitte am Tag sechs Stunden durch das Land fahren um am Ende 8,5 Stunden das Bruttosozialprodukt anzukurbeln.

2. Die Weiterbildung wird bezahlt, ergo, könne man auch etwas Service den „Kunden“ der Arbeitsagentur bieten, da es noch nicht mal billigen Filterkaffee auf’s Haus gibt und man den Teilnehmer nur eine krasse 30 Minutenmittagspause in einem neun Stunden Block gönnt, könnte man ja mal darüber nachdenken, ob das parken eines belgischen Autos einer Teilnehmerin wirklich der Weltuntergang ist

Fakt ist: Wer hier eine Weiterbildung macht, die vom Staat bezahlt wird, darf nicht hier parken. Man soll doch bitte den Wagen irgendwo im Umland abstellen und dann auf die ÖPNVs umsteigen. Großartig! Wer soll das bezahlen? Hat jemand das Institut mal daran erinnert, dass Arbeitslose nicht 100% ihres Lohns als Arbeitslosengeld bekommen sondern nur knapp 60%? Und ich denke, es ist auch keine Lösung, dass das Arbeitsamt dann Stellplätze in der Nähe des Institutes zahlt. Für 5.500 Takken kann man doch mal jemanden da parken lassen?

Vor allem, weil die Berufsbegleitenden ja parken dürfen. Die dummen Arbeitslosen, denen man aber krampfhaft hässliche Designs für Lebensläufe in den Kopf kloppt, die sollen bitte noch stundenlang Bahn fahren, nachdem sie stundenlang im Pendlerstau standen. Was solls.

Ein ganz besonderes Geschmäckle hat es, weil die Kurskollegin aus Belgien auch noch „Selbstzahlerin“ ist. Sie muss wegen umständlicher EU Bestimmungen nämlich das Ganze selbst zahlen. Jahrelang in Deutschland gearbeitet, aber in Belgien, da gibt es sowas nicht. Weiterbildungen für Arbeitslose. In Belgien kümmert sich der Staat erst nach 12 Monaten um Arbeitslose, „Maßnahmen“ gibt es dort nicht in der Form. Also zahlt sie diesen Kurs selber. „Europa“ gibbet nämlich nicht mal auf dem Papier, das ist nur eine verquere Idee aus Köpfen, derer, die in Brüssel arbeiten und EU spielen.

Gestern, da hat man sie abgemahnt. Parkt sie noch einmal auf einem Institutsparkplatz, „fliegt sie raus“. Wow! Was für ein großartiges Verhalten! Wie KUNDENORIENTIERT! Zweiklassen Gesellschaft innerhalb des Weiterbildungssektors. Die guten, die Arbeit haben und selber zahlen und die schlechten, die Arbeitslosen, denen der Staat das zahlt. Die kann man ja mit Füßen treten und zwingen, den ganzen Tag mit Bus und Bahn unterwegs zu sein, dass man dann KZ Knast Aufsehermäßig in drei Durchläufen die Anwesenheit prüft.

Apropos Anwesenheit: Entweder Du stirbst selber oder hast eine tödliche Krankheit. Was anderes ist kein „wichtiger persönlicher Grund“ um zu fehlen. Und sowieso, „Bitte legen Sie Arzttermine so, dass sie vor oder nach der Seminarszeit liegen. So wie sie es in Arbeit machen würden, sie möchten ja nicht, dass ihre Arbeitszeit von so etwas belastet wird„. Cool, ich suche jetzt mal Arztpraxen die vor 7 Uhr und nach 20 Uhr offen haben, damit das in die verquere Vorstellung der Realität derer hier, die sich Institutsleitung schimpfen, herein passt.

Und sollte die Welt wirklich so eine werden oder sein, wie man sich das hier zusammen träumt, dann bitte ohne mich. Ich verweigere mich. Absolut. Come as you are. Und nicht einen Millimeter anders.

Der Herr gebe mir Kraft. Und ein paar Ideen für meine, Achtung: „Berufswegsplanung“.

Man weiß gar nicht, also ich weiß gar nicht, wo ich gerade anfangen soll. Die letzte Woche war geprägt von Pendlerstress und dem schön wachsenden Gedanken, ich muss damit Schluss machen, bevor es richtig angefangen hat. Work Life Balance my ass oder so. Der Freitag war allerdings das Highlight der Woche, dass muss ich sagen. DAS war wirklich ein guter Tag. Thema: Marketing. Na klaro, war das super. Super Dozent, super Inhalte, super ähm, hier, Performance vom Dozenten. Thumbs up. Vorweg also auch ein Quäntchen Lob, es gibt auch bei mir lichte Momente der Freude und Zufriedenheit.

Von wegen Work Live Balance: Das sieht der Bildungsträger, uiuiui, aber ganz anders. Höchstwahrscheinlich teilen der Bildungsträger und das Arbeitsamt eine völlig verquere Vorstellung von Arbeit. Oder der Arbeit da draußen. Wie sie funktioniert, wie sie ist, wie lange sie dauert. Wie lange sie zu dauern hat. Wie sehr sie zu stressen hat. Und so weiter.

Heute fing das Seminar so an, also meine Kursfreundin aus Belgien und ich hatten uns schon schön einen Parkplatz mit unseren Wagen geteilt, dass diese weg mussten. Denn: Das war aber gar nicht gut, denn wir haben mit zwei Autos einen Parkplatz (zusammen! wir haben uns extra zugeparkt) beim Bildungsträger belegt. Das geht ja gar nicht!. Diese Gehirnamputierten (zumindest wird man die gaaaaanze Zeit so behandelt, als ob man das wäre, obwohl wir alle in einer Weiterbildung für Akademiker feststecken) sollen doch bitte die Park und Ride Möglichkeiten benutzen. Wir, da wir beide sowieso von echt weit weg angefahren kommen, stecken sowieso schon immer im Stau fest und müssen lange vor Sonnenaufgang losreiten, äh, losfahren, damit wir so in etwa pünktlich da sind. Also wurden wir aufgefordert, unsere Wagen SOFORT da weg zu fahren. Was zur Folge hatte, das wir mit unseren Autos über eine Stunde durch den Kölner Süden cruisten und einen Parkplatz suchten. Am Ende landete mein Wagen in der Peripherie und meine Kursfreundin sagte nach über einer Stunde völlig genervt, sie stelle den jetzt wieder dahin. Egal. Total egal.

Wir kamen wieder ins Seminar rein, als der Satz viel „Und das Deckblatt lassen Sie weg und schreiben da direkt Lebenslauf hin und dann machen Sie da noch ein paar Bulletpoints hin und schreiben ihre Berufswegsplanung hin“. Hä? Meine Berufswegsplanung? Ich plane König der Welt zu werden! Ich bin verwirrt. Hatte ich doch vor noch vier Jahren ein Bewerbungstraining, sowie ein Coaching, wo mir genau das Gegenteil gepredigt worden ist. Kurzer Moment von Wunsch nach Amoklauf. Aber bevor ich damit anfangen kann, horcht mein Gehirn auf.

„Und welche Schrift nehmen Sie? Nehmen Sie doch Calibri oder Segoe!“. Ich so aus der letzten Reihe „HÄÄÄ?“. Ich wollte dann kurz etwas zu Design zu sagen, Lesbarkeit und Co. Aber ich wurde gnadenlos abgewürgt. Das macht man jetzt so. Man schreibt auch nix mehr in Arial, weil das machen ja nur Behörden und ob man denn bitte wie ein Behördenbrief daherkommen wolle.

Ich wage es zu behaupten, dass es nur zwei „Gruppen“ gibt, die bis heute die Könige der DIN Norm und Formatierung sind: Personaler und Menschen in der Immobilienbranche. Es ist auch gar nicht schlecht, alles so ordentlich zu machen. Schön lesbar, hübsch für das Auge. Es gibt ja auch nicht so umsonst hunderte von Designguides und so. Aber nö, scheiß die Wand an, ist nicht so wichtig, sagt der Dozent, der das „Bewerbungstraining“ macht. Auch auf meinen Hinweis, dass es so Designregeln gibt und so, redet er weiter und sagt „Joa, das kann ja schon sein, aber ich mache das nicht so“. Ey , Alter, es geht nicht darum, ob Du das so machst oder nicht, sondern darum, wie die HR Leute das gerne auf dem Tisch hätten. Sowieso hat er immer noch nicht gemerkt, das wir hier im Kurs für Online Redakteure hocken. Er predigt gerade immer noch die Papiervariante. Mal sehen, wann er merkt, wo er ist. Im Jahr 2013, in einem Kurs für angehende Internethelden.

Zum Ende dieses Textes fällt mir einfach nur ein, dass wir hier mit einem Haufen von mega gebildeten Leuten sitzen, alle sehr gut ausgebildet, studiert, alle irgendwie schon mal durch Marketing, Verlag oder Agentur geschrabbt. Warum sind die eigentlich alle hier? Ich weiß es nicht. Und nun steht da jemand und verwirrt gestandene Menschen im drei Minutentakt. Kann das der Sinn einer Weiterbildung sein? Verwirrung stiften?

Ich schreib jetzt auf irgendein Blatt in Punktgröße 18 „Berufswegplanung“, in einer absolut nicht gängigen Schrift, und mal dann darunter irgendwas. Ein Schweizerbergmassiv oder so. Habe ich früher auch gerne in Schularbeiten gemacht, wo mir das Thema nicht gepasst hat.

Zu der Frage, warum sich hier die Fachkräfte stapeln, obwohl sie ja angeblich gebraucht werden, komme ich dann wohl morgen.

Neue Erfahrungen. Heute: Pendlerdasein

Pendeln. Ist ja Alltag für Millionen Deutsche. Habe ich heute auf  der Autobahn erfahren müssen. Zum einen musste ich nie Autobahnpendler sein, weil ich bis vor wenigen Jahren gar keinen Führerschein hatte. Ich schlug mich sehr lange mit Bus und Bahn herum. Zum anderen wohnte ich ja auch zentral. Nun, jetzt, wo man da lebt „wo man Gummistiefel braucht“, Anfang Oktober die Winterreifen aufzieht und sich daran erinnert, was im Ernstfall „Kein Winterdienst“ wirklich bedeutet, also seit da muss ich Auto fahren. Aber bisher im angenehmen, so called, ach, gar nicht Pendelbereich. 20 Minuten mit dem Auto, das ging immer. Easy.

Nun heute dann die Sache mit den anderen Pendlern und mir. Von Bonn bis Köln tuckert man eigentlich so Stoßstange an Stoßstange hintereinander her. Ab kurz vor Köln steht man. Cool, dachte ich, 15 Kilometer nur mit kuppeln gefahren, also Schrittempo. I like it. Landschaftlich sehr trist ist das reinstottern nach Köln über die Schäl Sick so eine Sache. Und egal welche Seite von Köln man versucht, überall stottert man rein. Durch kaputte Tunnel, über kaputte Brücken hinein in die „Nur parken mit Parkscheinzone“, Südstadt. Aber dieser Verkehr! Und diese anderen Autofahrer! Und alle sind super gestresst. Fürchterlich.

Auf der Strecke zurück waren dann alle raderdoll. Morgen Feiertag! Alle durchdrehen, Blechlawine von Köln Chlodwigplatz bis Ausfahrt Königswinter. Fast 1,5 Stunden später krieche ich die Kurven ins Siebengebirge hoch. I hate it. Also wirklich, ich kann das überhaupt nicht verstehen, das ist wirklich irgendwie krank. Millionen von Menschen, die sich jeweils morgens und abends Stundenlang, ausrastend, durch die Peripherie wühlen müssen. Alle kommen irgendwie verstimmt an ihren Arbeitsplätzen an, alle sind genervt bevor die Kaffeemaschine überhaupt durchgelaufen ist. Schrecklich. Das muss doch anders gehen!

Auch die alternative Bahn in Kombination Park und Ride ist nicht die Lösung. Runter vom Berg, da wo man mit Gummistiefeln rumhopst, zur nächsten Bahnstation. Parken. Auch da zahlen. Dann mit der Bummelbahn die Rheinschiene lang. Verspätungen all inclusive. Umsteigen in die KVB. Dann Nervenzusammenbruch und insgesamt dann in der Theorie seit 6.30 unterwegs um irgendwie neune, halbe zehne total gaga irgendwo zur Pflichterfüllung aufzuschlagen. 2,5 Stunden. Einmal hin. Einmal rück. Tag im Arsch. Aber sowas von.

Ja, das waren heute meine Gedanken. Den ganzen Tag habe ich darüber nachgedacht, wenn sich ein Großteil der Menschen diesen Stress irgendwie sparen könnte, wie wäre das wohl? Vielleicht wären dann alle etwas produktiver, weil sie nicht 60% ihrer Kraft damit vergeuden mussten, jeden dritten Autofahrer auf einer Strecke von 52 Kilometern standesgerecht zu massakrieren.

Weiterbildungstechnisch gab es heute eine Portion journalistisches Schreiben. Gott sei Dank ist morgen Feiertag, da kann ich mich kurz vom Pendlerwahnsinn erholen. Over and out.

Your Weiterbildung starts right now.

Herrschaften,

heute war er. Der erste Tag. Meiner neuen Weiterbildung. Und ich bin irgendwie genervt. Bevor es richtig losgeht. Diesmal sitze ich mit lauter total überqualifizierten Menschen, die seit Jahren alle „irgendwas mit Medien“ machen in einem Kurs für Online Redakteure. Juhu! Das Internet. Neuland und so.

Für mich, die seit 1997 irgendwas in dieses Internet schreibt, ist das einfach: Lahm. Web 2.0 ist für mich eigentlich so was von gestern und ich halte es auch für ein Phantom, dieses hier, Social Media. Oder Werbung im Internet. Das sind alles ganz spezielle Sachen und wer das Internet nicht von innen nach außen gelebt hat und von außen wieder hinein, werden bestimmte Mechanismen des Internets unlehrbar bleiben. Ist einfach so. Natürlich gibt es Mittel und Wege Facebook und Co. zu nutzen, aber wenn ich mir so manchen Lehrgang anschaue, finde ich es wirklich fragwürdig, was da so gelehrt wird. Ist so wie mit Schreiben. Entweder man bekommt ein paar gute Sätze zu Papier, ist ein Reimemonster oder halt nicht. Jeder nach seiner Facon. Facebook und Co. sind doch schon irgendwie sozial. Für jeden aber wieder ein bisschen anders. Und es gibt viele die haben entweder einen AdBlocker drauf und bekommen von den ganzen krassen Bemühungen der „Online Marketing Manager“ sowieso nix mit, oder sind so gekonnt in der Hirnfunktion, dass sie es sowieso nicht wahrnehmen. Will damit sagen: Der Berufswunsch des Social Media Managers ist schon arg grotesk in meinen Augen. Apropos: Ich liebe auch diese Stellenanzeigen, wo jemand mit „langjähriger Social Media Erfahrung“ gesucht wird. Eigentlich wird da jemand gesucht, der den  ganzen Tag bei Facebook rumhängt, in Foren andere Leute basht und aus Langeweile einen Shitstorm im Kommentarfeld der Welt-Online auslöst. Aber keiner der Arbeitgeber, der diesen jemand sucht, will diese Leute wirklich, wenn sie eigentlich das machen, was gefordert wird: Internet, immer und überall. Twittern, chatten, shitstormen, Essen instagrammen.
Ich schweife ab….

Heute habe ich aber wieder diesen Hauch der anonymen Arbeitswelt abbekommen. Diese Sache, wo man dann nur der Mitarbeiter ist und bleibt, der, platt gesagt, der wo die Leistung bringt. Und das finde ich ja einfach total doof. Ja, ich will einen Job der mir Spaß macht und Achtung: Ne absolut super Work-Life-Balance. Das ich so was mal fordern würde, hängt mit meiner letzten Beschäftigung zusammen. Ich hatte das Glück, eine gute Mischung aus interessanten Aufgaben und entspannten Arbeitsverhältnissen zu haben. Zum Beispiel funktioniere ich nie vor 10 Uhr. Vor zehn Uhr bin ich ein Monster. Auch sozial gesehen. Was einfach für jedes Team mies ist. Stehe ich vor 8 Uhr also auf um funktionieren zu müssen bin ich ein arschiges Monster, dass gegen 15 Uhr mit Spannungskopfschmerz in Trance verfällt. Lässt man mich hingegen easy den Tag gegen 10 starten, laufe ich ohne Probleme durch bis 18 Uhr und bin produktiv. Absolut ungeeignet für die Wünsche der hiesigen Arbeitgeber. Wo kommen wir da denn hin, auch noch Ansprüche haben….als Arbeitnehmer.

Nun also heute dieses Seminar. Ich bin gespannt. Es gibt auch so hübsche Elemente wie HTML und CSS, Dinge, gegen die ich mich irgendwie … nicht wehre, aber nicht im Detail begeistern kann. Aber ja, ich werde es machen. Ja, ich werde rudimentär rumcodieren und verlinken was das Zeug hält und hier und da den Text 1998er Netscapelike blinken lassen.

Am Ende vielleicht noch die Geschichte, wie es zu dieser Weiterbildung kam. Ich war noch gar nicht so richtig arbeitslos, da wurde mir direkt gesagt, Weiterbildung. Eigentlich wollte ich ja mit „Irgendwas mit Medien“ Schluss machen. Ich hatte ja nach 15 Jahren keinen Bock mehr. Ich wollte mich ernsthaft zwei anderen Dingen widmen: Einem Psychologiestudium und echt richtigem Müßiggang. Die Muse sollte mich endlich wieder küssen. Ich wollte kreativ befruchtet werden. Irgendwie hatte ich dann meinem Betreuer beim Amt präsentiert, was ich mir wünschen würde: Richtungswechsel. Ich wollte nen Heilpraktiker machen. Und gleichzeitig halt das Abi nachholen für das Studium. Dazwischen genug Zeit, um von der Muse geküsst zu werden. Knutsch me muse, now.

Ich also dann so beim Arbeitsamt meinen Wunsch vorgetragen. Die Antwort war: Nein, Heilpraktiker zahlen wir nicht. Ich war enttäuscht, denn laut Internet gehört das eigentlich zu den geförderten Sachen. Aber man kennt sie ja, die Geschichte des eigenen Ermessens des Betreuers. Ich könne ja Altenpflegerin werden. Das würde man übernehmen und „sei ja auch irgendwie was mit Medizin“.

Very erstonished habe ich dann gesagt: Na okay, dann halt doch irgendwas mit Medien. Da sagte der Herr, der wirklich ein sehr netter Mensch ist und ich ja inzwischen gelernt habe, dass manche wirklich nur ihren Job machen, also er sagte, ja dann doch was mit Internet. Das braucht man jetzt. Sagt auch die Kanzlerin. Ist ja alles Neuland. Ich war so perplex, dass ich einfach nur ja und Amen gesagt habe.

Nun gut. Da sind wir also nun. 16 Jahre nachdem ich die erste AOL Online CD-Rom in des Nachbars PC legte, und feststelle, für dieses Internet braucht man auch noch ein Modem, vorher läuft es nicht, lern ich mal Internet. Das braucht man ja jetzt.

Vielleicht würde ich gerne beim Vorstellungstermin doch mal meinen Namen tanzen.

Voilà. Habe ich gestern gefunden. Einen Artikel, wie jemand tanzen soll. Im Vorstellungsgespräch. Ich fand die Sache mit dem Tanzen gar nicht wirklich sooo schlimm. Sondern dass sich der studierte Herr in einem Elektronikmarkt bewirbt und seine Astronomiesachen mitbringt, um sein Hobby vorzustellen. Viel schlimmer!

Habe ich sehr, sehr, sehr lange drüber nachgedacht. Also, das geht mir dann doch etwas zu weit. Und eine Woche Vorbereitung. Das macht mir wirklich, wirklich Angst. Klar ich investiere auch Zeit in die Jobsuche, informiere mich über den Arbeitgeber, aber irgendwie nicht mit dem Ziel der Selbstaufgabe. Höchstwahrscheinlich ist das mein Problem, ich mach zwar manche Sachen für mein Leben gern, gehe darin auf, aber ich habe den Hang zur Selbstaufgabe irgendwie … verloren. Höchstwahrscheinlich ein Manko in der Hochleistungsgesellschaft.

Vielleicht habe ich aber auch eine völlig verquere Vorstellung von Arbeit, das Arbeit also etwas ist, was ich gerne tue, etwas was mich erfüllt, und was nebenbei halt auch, von mir aus, einem Arbeitgeber oder, wow, das wäre ja so Traumhaft, mir soviel Geld bringt, dass ich davon Leben kann. Aber nein, nein, nein. Das darf so nicht sein. Will man manchmal glauben.

Tja, und am Ende, am Ende drehen sie durch, diese Chefs und so, und wollen einen tanzen lassen. Ich weiß ja nicht. In meiner letzten Anstellung habe ich ja auch Vorstellungsgespräche führen dürfen.  Ich hatte ja so a bisserl Personalverantwortung und so eine kleines Team aus freien Kreativen. Was auch alles sehr schön war. Sind ja hübsche Dinge bei rausgekommen. Nun ja, zu den Bewerbungsgesprächen: Ich habe immer versucht, den Leuten ihre Privatsphäre zu lassen. Also musste mir keiner von seiner Leidenschaft für Urzeitkrebse oder anderes, wie zum Beispiel, Schwammkopfgoldfischhaltung beichten. Naaaaaaa. Auf gar keinen Fall.

Neulich sagte aber ein guter Freund, Inhaber einer Medienagentur, mit dem ich Teile meiner Ausbildung durchlief, „Wenn man miteinander gut und derbe lachen kann, kann man auch miteinander arbeiten“. Nach kurzem Nachdenken, stimmt diese These. Glaube ich. Ja. Aber, nun ja, man kann ja auch nicht in der Vorstellungsrunde das Gespräch zum derben Lachen geleiten. Oder kann man? Oh ja, das wird mir eine neue Forschungsaufgabe. Vorstellungsgespräche, macht Euch zahlreich an mich ran. Ich werde mal die Theorie des miteinander Lachens testen. Aber nur derbes! Vielleicht fängt auch einer an blöd zu tanzen. Mach ich dann auch mit. Vielleicht tanze ich zum Finale meinen ganzen Namen.