Absagenparade.

Achtung, heiß und fettig. Absagen, Absagen, Absagen.

Just in time erreichte uns folgende Zuschrift, über die Kommentarfunktion. Da dies aber mal wieder ein herrliches Beispiel für Unfreundlichkeit und Inkompetenz am Arbeitsplatz und im Umgang mit Menschen ist, spot on:

Ich habe mich mal bei einer Firma um eine feste Stelle beworben, bei der ich vorher bereits vier Jahre während meines Studiums gearbeitet habe. Das stand natürlich im ersten Satz des Anschreibens, das (sehr gute) Arbeitszeugnis meines direkten Chefs lag bei. Ich habe die Bewerbung persönlich in der Personalabteilung abgegeben.Die Antwort aus der Personalabteiltung laute:
„Sehr geehrte Frau XX,
selbstverständlich können Sie sich um die Stelle als XX bewerben. Voraussetzung ist eine vorherige intensive Mitarbeit bei XX (dem Unternehmen). So wäre es sicherlich sinnvoll, wenn Sie einmal Kontakt zu Herren XX (MEINEM DIREKTEN CHEF, DESSEN ARBEITSZEUGNIS BEILAG!) aufnehmen. Mit ihm können Sie dann über eine intensive und nachhaltige Mitarbeit sprechen.
Sie sehen, allein mit der Bewerbung ist es noch nicht getan.“

Dieses Schreiben fand ich mehr als unverschämt. Die Bewerbung so offensichtlich nicht anzusehen bzw. nichtmal das Anschreiben zu lesen und dann so eine Antwort zu versenden…tsss…
Abgesehen davon hätte ich den Satz „Sie sehen, allein mit einer Bewerbung ist es noch nicht getan“ auch für einen Externen Bewerber unmöglich gefunden. Nach dem Motto „Boa, sind Sie blöd, dass Sie auf die Idee kommen, sich bei uns einfach mal so zu bewerben. „

Any questions, girls und boys? Natürlisch haben wir die nischt, weil wir so oder so inzwischen wissen: Die Irren sind die anderen.

Waidmannsheil aus der Absagenabteilung,

Rose

Mitmach Aufforderung.

Zack zack, hier kommt sie. Unsere Aufforderung zum mitmachen.

Wie man an unseren Gastautor Freddy Krüger sehen kann, ist hier Platz für alle. Wir sind nach wie vor immer auf der Suche nach verrückten Geschichten aus dem Bewerbungsalltag. Geschichten über Arbeit und das Leben davor, dazwischen. Denn das Leben ist doch eigentlich weit mehr als Arbeit.

Bescheuertes Erlebnis gehabt? Seltsame Dinge erlebt? Schreckliche mitgemacht? Her mit Euren Geschichten. Wir verpassen Euch einen schicken Decknamen und ihr könnt Eure Geschichte mit aller Wut, aber 100% Sicherheit loswerden. Wir haben diesen Blog ja als Plattform für alle gedacht. Für alle, die Stress haben mit dem Weg der Arbeitssuche. Für von der ARGE gebeutelte.

Aber, aber, aber: Wir würden uns auch gerne einmal über Zuschriften von Personalern und Arbeitgebern freuen. Nicht mit Jobangeboten für alle, sondern vielleicht mal eine andere Sichtweise auf die ganze Maschinierie. Alles her damit, denn wir wollen eine Plattform für jeden Moment sein. Mit Geschichten zu Lachen und Weinen. Interessanten Informationen. Immer garniert mit etwas Wahsinn.

Schickt Eure Geschichten über Erfahrungen, schickt Eure schrägste Absage. Einfach her damit!

gesellschaftistkeintrost@web.de

Fiehlen Danke führ tie schöner Beverbunk!

Absagenparade

Mal wieder Post von „draußen“, diesmal von Rex Guildo, der sich in einer Agentur um einen Posten bewarb:

„Es gibt Absagen, die sind nett formuliert, machen Mut, nicht aufzugeben, drücken Bedauern aus und können mit Worten viel umschreiben. Und dann gibt es Absagen, wie in meinem Fall. Da bin ich 40 km gefahren, um meine Bewerbung persönlich zu überreichen, nachdem ich mich versichert hatte, das die auf der eigenen Internetseite ausgeschriebene Stelle auch wirklich zu besetzen ist. Und dann erhält man nach 3 Wochen einen etwas lieblos wirkenden Brief, der aus 3 Sätzen besteht. Ich möchte an dieser Stelle den Brief für sich sprechen lassen“

Ihre_Absage_anonym

Yeah! Das ist einen Tusch wert.

Wer ähnlich nette Absagen heimlich zu Hause lagert, oder eine andere Geschichte auf Lager hat, immer her damit.

Rose & Simone

In Bewerbungs-Absurdistan regiert schon mal die laute Stimme – Post von den Lesern

Jessica, eine ambitionierte Designerin a.D. hat ein bizarres Vorstellungsgespräch mit einem echten Egomanen hinter sich gebracht. Als „Therapie“ hat sie es aufgeschrieben und uns zukommen lassen. Vielen Dank dafür. Das Ergebnis einer Initiativbewerbung:

Ich bin freiberufliche Designerin im Bereich Messe und Event. Ich wurde von der Personalerin einer Berliner Agentur aus eben diesem Bereich angerufen, die sich auf meine Initiativbewerbung hin meldete. Das Telefonat verlief freundlich-friedlich, der Frage nach dem Gehaltswunsch bzw. Tagessatz wich ich aus, der kurzfristige Kennenlern-Termin wurde gemacht.

Ankunft in der Agentur. Eine sehr, sehr junge unsichere Sekretärin weist mich an zu warten. Der Wartebereich liegt direkt vor den teilverglasten Besprechungsräumen.

Aus eben diesen ertönt cholerisches Geschrei, das eigentlich nur einem Chef zusteht. Es werden Schuldzuweisungen und sehr unreflektierte Kommentare über ein wohl soeben abgeschlossenes Projekt verteilt von diesem „Chef“, es ist alles sehr deutlich zu verstehen an meinem Platz. Ich ahne, dass ich in diesem Moment eigentlich wieder gehen sollte, denn gleich nach einem solchen emotionalen Ausbruch eben diesen“Chef“ zu einem lockeren Kennenlernen zu treffen ist…sagen wir…suboptimal. Ich bleibe.

Das Getöse endet, zwei Damen kommen zerknirscht aus dem Raum, gefolgt von einem stark erröteten „Chef“. Die Personalerin bittet mich in genau jenen Raum hinein. Sehr netter Smalltalk über das Umziehen von Köln nach Berlin, das sie wie ich auch gerade hinter sich hatte. Soweit also alles safe, wir verstehen uns. Dann kommt „Chef“ wieder rein, immer noch sehr errötet, um Freundlichkeit und nötige Geduld offensichtlich bemüht. Ich stelle mich vor,“Chef“ fällt mir ins Wort:

„Waaas, das kann man studieren!?“

Ja nun, ich habe ja ein Diplomzeugnis dieser Universität bekommen. Ich beginne mein Portfolio zu zeigen. „Chef“ unterbricht wieder, er kenne die Branche, er kenne die Agentur, in der ich vorher gearbeitet habe.

„Wissen Sie eigentlich, dass Sie von unserem großen Konkurrenten kommen?“

Was soll ich sagen, die Szene ist nicht groß, natürlich weiß ich es, ich ahne bereits Schlimmes…

„Wissen Sie, was man über Ihre Agentur sagt?“

Ich möchte es gar nicht wissen, es ist ja auch gar nicht mehr „meine“ Agentur. Er erzählt es mir trotzdem, es ist nicht besonders freundlich, ich hatte schon davon gehört, mir ist es aber egal. Er wartet mit verschmitztem Lächeln auf meine Reaktion. Ich zucke mit den Schultern, was soll ich dazu sagen, ich weiß ja, was die Agentur kann und v.a. was ich kann.

„Ist der Spruch denn bis zu Ihnen in alle Abteilungen durchgedrungen, haben Sie davon gehört?“

„Ja, ich habe davon gehört.“

„Und, wie haben DIE reagiert?“

Er wartet wieder auf meine Reaktion, ich sage etwas Neutrales und beobachte die Personalerin, die etwas verunsichert neben „Chef“ sitzt.

Ich fahre einfach fort, mein Portfolio vorzustellen.“Chef“ greift wieder ein:

„Das Projekt, das Sie da zeigen ist ja nur ein Pitch (Wettbewerb), denn den haben wir gewonnen, zeigen Sie mal, das entspricht ja überhaupt nicht der Marke (des Kunden), was Sie da gemacht haben!“

Aha, das ist nur Ihre Meinung…als Beweis genügt Ihm aber, dass wir ja offensichtlich das Projekt nicht gewonnen haben. Weiter. Nächstes Projekt.

„Schau mal (die Personalerin ist gemeint), wie DIE das machen!“

Dann lästert er wieder.

„Ha, das ist auch ein Pitch, das sehe ich gleich, solche absurden Renderings macht man nur für Wettbewerbe! Den haben sie aber sicherlich auch nicht gewonnen!“

Über allen Projekten in meinem Portfolio steht exakt vermerkt, welches Projekt in welchem Rahmen visualisiert wurde und wie weit es umgesetzt wurde. Ich erwähne das auch immer nochmals mündlich und erkläre auch sehr deutlich, was ich genau bearbeitet habe bei jedem Projekt. Es wird deutlich, dass er mein Portfolio gar nicht gelesen hat (was ich aber schon als normal empfinde) und auch nicht zuhören kann oder möchte. Er beginnt wieder, auf „meiner“ Agentur herumzureiten, bei der ich zu dem Zeitpunkt schon einige Monate nicht mehr gearbeitet hatte. Ich zeige inzwischen weitere Projekte, die in einem ganz anderen Rahmen entstanden sind, das bekommt er aber gar nicht mehr mit. Er redet sich in Rage und fängt an von sich und seinen Leistungen zu erzählen und wie er seinen Laden aufgebaut hat „aus dem Nichts“.

Kurz wird nun geklärt, was ich der Agentur alles anbieten kann als Designer. Ich bin dabei sehr deutlich, was ich mache und was ich nicht mache, um spätere Missverständnisse zu vermeiden (speziell bei cholerischen Typen…).“Chef“:

„Ich brauche Leute, die für mich arbeiten und mir zuarbeiten, ich mache die kreativen Konzepte und ich mache die Ansagen,… etc.“

Ich verstehe Ihn schon sehr deutlich, er erzählt aber weiter von sich. Ich fange sehr betont an, meine Mappe wieder einzusammeln und zusammenzupacken, stelle meine Tasche neben mich auf den Stuhl und balle unter dem Tisch die Hände. Es wird die deutliche Geste nicht bemerkt von ihm. Es kristallisiert sich endgültig heraus, dass er kein Teamplayer ist und mehr an meiner alten Agentur und deren Arbeitsweise und Diffamierung interessiert ist, als an mir. Er muss kurz hinaus, um zu telefonieren.

Die Personalerin, die die ganze Zeit keinen Ton gesagt hat, zu mir:

“ Warum sind sie so ehrlich, mit dem was sie machen und was sie nicht machen?“

Ich: „Damit es keine Missverständnisse gibt und sie mich nicht mit etwas beauftragen, das ich ihnen nicht liefern kann.“

Sie schaut mich an wie ein Auto. „Chef“ kommt wieder. Die Personalerin zeigt ihm einige Illustrationen und Zeichnungen von mir, nachdem ich daraufhin gewiesen habe, dass ich auch illustriere. Es kommt keine Reaktion, dann aber „Chef“ plötzlich:

„Was verstehen Sie unter einer guten Bühnen-Architektur?“

Ich erkläre es ihm, es nimmt ihm aber dummerweise den Wind aus den Segeln, denn offensichtlich habe ich ausnahmsweise dieselbe Auffassung wie er. Er ist nun offensichtlich verwirrt und guckt mir gar nicht mehr in die Augen, nachdem er auch vorher im Gespräch meinem Blick immer auswich. Nun geht es um den Tagessatz – ein ganz heikles Thema in Berlin. Ich erläutere meine Vorstellung, das Geschrei geht los:

„Chef“: „Ja, wenn sie ihre Villa in Dahlem abbezahlen wollen, dann müssen sie natürlich solche Tagessätze verlangen…! Und überhaupt, seien sie froh in Berlin zu sein, das ist ja die Stadt momentan, hier ist alles und jeder…was wollen sie denn noch in Köln…(usw.usw.usw.)“

Blablabla.

Die Personalerin: „Eben! Was ich an Berlin so toll finde als Personalerin, ist, dass man hier so tolle Gestalter für die Hälfte von dem bekommt, das man im Westen bezahlen müsste!“

„Chef“: „Also, da habe ich schon bessere Illustratoren gesehen, die machen das für die Hälfte! Oder die machen dann sogar gleich alles!“

Ich denke mir: Wie schön für sie, dann brauchen Sie mich ja gar nicht und ich kann endlich gehen. Wir einigen uns darauf, dass man ja über Preise reden kann.

„Chef“: „Normalerweise lassen wir eh die Leute erstmal bei einem Projekt Probe arbeiten!“

Das bedeutet in Berlin für den Preis eines U-Bahn-Tickets am Tag zu arbeiten. Mir reicht es, ich stehe auf und ziehe meine Jacke an, „Chef“ krakelt einfach weiter, die Personalerin sieht unglücklich aus.

Auf Wiedersehen, ich muss los, das Personal in meiner Dahlemer Villa wartet auf weitere Anweisungen, wir lassen gerade renovieren. Das Paradoxe ist, dass die Agentur so ähnlich wie „Ins Paradies“heisst – tja, wohl adequater wäre „Ins Pech“.

Ich studiere jetzt übrigens wieder – u.a. Management und Teambuilding…

It’s Tea-Time oder: Absage mal anders

Bevor es Neues von der hauseigenen Arbeitsfront gibt (Stichwort: Totwarterei) erneut mal etwas zum Thema „Absagen“ aus der Welt da daußen. Von Leserin S. Vielen Dank dafür und ab die Luzie:

[…] Naja, ich bekam ja dann leider eine Absage. Auf den AB. Aber immerhin genau an dem Tag, wo mir zugesagt wurde, dass ich die Entscheidung erfahren würde. Das fand ich großartig, dass man nicht wie so oft noch länger „hingehalten“ wurde. Als ich dann nochmals wegen eines Feedback in der Agentur anrief, meinte die Chefin es sei eine sehr knappe Entscheidung gewesen, ich hätte dort einen sehr positiven Eindruck hinterlassen.

Heute kamen dann meine Bewerbungsunterlagen zurück, und – was soll ich sagen? – ich war irgendwie gerührt, ja gerührt, von dem Begleitschreiben! Aber lest selbst:

„Liebe Frau….,

schade, dass wir zum Schluss nicht drei Kandidaten einstellen konnten, gehörten Sie doch mit zu unserer engsten Wahl!

Herzlichen Dank auf alle Fälle für die Mühe, die Sie sich mit Ihrer Bewerbung offensichtlich gemacht haben und Ihr Interesse, das Sie damit an (Firmenname) gezeigt haben.

Ich bin mir sicher, dass Sie bei Ihrer Qualifikation und Ihrem sympathischen Wesen schon bald eine Arbeit finden, die gut zu Ihnen passt und Ihnen Freude bringt.

Ich wünsche Ihnen ganz viel Glück und vielleicht arbeiten wir ja zu einem anderen Zeitpunkt einmal zusammen.

Alles Liebe für Ihre Zukunft!

Und der besondere Clou: An das Schreiben war ein Teebeutel von Alnatura geheftet, auf dem steht „Glücks Tee“!!!! Das finde ich mal richtig lieb und auch originell.

Das finde ich auch. Schon klar, dass das nicht immer so aussehen kann und muss, aber das ist doch mal was Schönes zwischendurch. Baut auch wieder auf und gibt Kraft zum Weitermachen.