Heute: „Ich arbeite nur für viel Geld oder gar nicht“. Aus der Reihe „Aus dem Zusammenhang gerissene Zitate“. Oder: Baut die Mauer wieder auf.

Neulich trug es sich zu, dass ich in so einen kleinen Shitstorm reinratterte. Das geht bekanntlich schnell und moi besitzt bekanntermaßen ein Talent dafür. Polarisieren. Das klappte schon immer wahnsinnig gut. Es geht noch schneller, wenn man dummen Leuten ein Zitat präsentiert und sie dann vollends die Kontrolle verlieren. Aber…..von vorne. Gaaaanz von vorne.

Nun, das Social Web bringt alles näher, auch Gedanken und Meinungen von Menschen, mit denen man sich aber noch nicht mal auf der Kirmes beim Autoscooter prügeln würde. Um kein Geld der Welt.

Der Ausgang war recht simpel. Eine Debatte über die richtige Bezahlung für Texter. Höchstwahrscheinlich habe ich aber eine verquere Vorstellung vom kreativen Texter und dessen geistiger Arbeit. Bei mir ist sie nämlich gefühlt um einiges mehr Wert als bei anderen. Ja, die Billigtexter. Wir reden hier nicht über Indien, China und Bangladesh, nein, wir reden über (überwiegend) Frauen Billigheimer für 1 Cent das Wort damit wirklich das benötigte Income schaffen um angenehm zu leben. Aber, ich Arschloch, was rede ich da? Mindestlohn für Texter? 60 Euro die Stunde Minimum? Auf welch fernen Planeten lebe ich denn da wohl?

Der Planet heißt Deutschland und die Sternenzeit ist gerade bei Jahr 2014 angekommen. Wie war das noch, wie schallte es noch immer noch Zeit und Raum? Arbeit soll sich wieder lohnen?

 

„Ich arbeite nur noch für viel Geld oder gar nicht – Das Zitat der Zitate“

 

Womit wir an dem Punkt sind, wo es kippte. Ich, größenwahnsinnig und arrogant zitierte Sascha Lobo aus dem aktuellen t3N Interview. Das, wo er sagt, er habe Geld eine ganze Weile unterschätzt. Er arbeite nun nur noch für viel Geld, sonst gar nicht. Yeah! Ab da war Polen offen!

Die Geschichte geht so weiter: Die Meute der 1 Centtexterinnen, die sonst lasziv in Blümchenkleidern auf Facebookseiten rumliegen oder „Hauptberuflich“ einen E-Book Verlag für Sado Maso „Literatur“ betreiben (Nachtigall ick hör Dir trapsen), reißt mir die Kleider vom Leib.

Sie sind nämlich unheimlich gewiefte Mitfünfzigerinnen, mit Internet, die da mit Ihren fancy Breitbandanschlüssen sitzen. Unter anderem da wo die braune Suppe in der Provinz größte Erfolge feiert. Strukturschwächste Gegenden der Republik. Die gewieften Ossis (ich muss mich natürlich an diesem Punkt direkt bei allen anderen Ossis entschuldigen, den Menschen, die nicht mit Ihren 1 Cent Texten einen Markt kaputt machen und auch bei denen, die nicht so dumm sind). Klar, würde ich da wohnen wo 120qm keine 500 Euro kosten, ey, dann könnte ich mir von 1 Cent das Wort richtig was gönnen. Zum Beispiel eine Fototapete mit Karibikstrand. Der Beginn der Horizonterweiterung.

Ich schrieb also besagtes Lobo Zitat in diese Gruppe hinein und seitdem gucke in Zeitlupe den wirren Gedanken der funky schreibenden Zunft zu. Also, es ist jetzt so, fassen wir mal kurz zusammen: Moi ist ein elender Sozialschmarotzer, der immer die Hand aufhält.

Wer lesen kann ist bekanntlich schwer im Vorteil

Sehr gut! Genau das bin ich! Alles richtig verstanden. Was für ein Blödsinn. Man muss es mal so sehen, ich wollte letztendlich nur klar machen, dass dieser billig getextete Content einen Markt zersiebt. Den Markt des geschriebenen Wortes. Und nicht erst seit dem Niedergang der Verlagsszene (hej, danke Internet, aber ich habe Dich trotzdem noch lieb) hat die schreibende Zunft zu schlucken. Die Preise verfallen. Stellen fallen weg. Siehe Dumont, der jetzt bei der Mopo zehn bis 12 Leute rauswirft. So läuft das. Und dann, während das klassische Gebilde des Marktes für Schreibende zusammenbricht kommen dann diese Ostdeutschen Matronen mit ihren Billigtexten daher. Das ist wie das Prinzip Uber.

Uber macht aggressiv einen bestehenden Markt kaputt. Disruption. Das hat der liebe Herr Lobo dann auch noch vor ein paar Tagen schön beschrieben. Aber, machen wir uns nichts vor, diese und andere wertvolle Infos werden von den 1-Cent-Matronen ausgeblendet. Sie leisten Deutsche Wertarbeit und ich stehe da und halt die Hand auf. Moment mal, irgendwo ist da doch der Haken an der Geschichte?

Ach ja, das Hand aufhalten. Ist ein bisschen lustig. Die 1-Cent Matronen können nicht so wirklich lesen. Auch wenn sie sich für die geblümten Sado Maso Text Göttinnen halten. Lesen in chronologischer Reihenfolge ist nicht so deren Ding. Sowieso haben sie nicht viel zu tun, denn sie geilen sich schon den dritten Tag in Folge an meiner Arbeitslosigkeit aus dem Jahre 2009 (bald sechs Jahre in der Vergangenheit) auf und auch am Intermezzo meiner letzten Position. Menschlich ganz schön arm. Aber auch dumm.

Sie finden das ganz unerhört. Das ich mal arbeitslos war. So eine Schweinerei! Da ist die einfach arbeitslos gewesen. Ja und? Wie soll ich es sagen: Und ich hatte Spaß dabei? Nein, sicherlich nicht. Die Zeiten um 2009 waren verdammt hart, nicht umsonst waren meine Mitbegründerin Simone und ich so genervt von der Sache, dass wir diesen Blog ins Leben riefen. Wenn man ein gut funktionierendes Gehirn hat, und diesen Blog chronologisch liest, wird man feststellen, dass am Ende alles gut wurde. Simone fand einen Job, ja und den hat sie auch bis heute. Und ich fand auch einen Job und den hatte ich bis letztes Jahr. Und dann verlor ich ihn wieder. Das ist dieses Hire and Fire, sehr amerikanisch, kommt auch auch hier so langsam mal an.

Freie Marktwirtschaft ist das Gegenteil von ABM-Maßnahmen, traurig aber wahr

Ich bin nicht im Osten aufgewachsen und hatte eine funky Datenklöpplerinnenanstellung und wurde dann von der Treuhand abgewickelt und mit ABM-Maßnahmen an die Realität gewöhnt. Ich bin damit aufgewachsen. In dieser Realität. Freie Marktwirtschaft. Ist eine ganz töfte fiese Angelegenheit. Und ich durfte daran seit meinem sechzehnten Lebensjahr teilnehmen. Also schon eine ganze Weile.

Das Arbeitslosigkeit anscheinend was ist, worüber sich manche immer noch lustig machen, während sie Texte für 1 Cent das Wort über holländische Blumenzwiebel schreiben, ist eine Schande.

Arbeitslosigkeit ist kein Spaß. Und ich glaube, diese Arbeitslosen, die machen das auch nicht mit Absicht. Ach, jetzt gleich kommt irgendeiner mit dem Bodensatz der HartzIV Bezieher, die angeblichen Verweigerer. Die alle nur faul auf der Haut liegen. Das geht wahllos weiter. Frauen sind dann gleich Gebärmaschinen und so weiter. Liest man sich die Kommentare der 1-Cent-Billigtexter durch, kommt man sich vor wie in einem wirren Mash up der Wahlprogramme von AfD und NPD. Es ist gruselig. Man will schreien: Baut die Mauer wieder auf!  Wo ist die Antifa wenn man sie mal braucht? Wieso komme ich darauf, dass es alles überwiegend Össitüssis sind? Recherche! Die Splittergruppe der Crossover 1-Cent-Matronenfrauen-Rentner in Nachbarländern, so called Schluchtenscheißerland oder die im Paradies der hohen Löhne lebenden, der Schweiz nämlich.  Da frage ich mich nur: Wie dämlich ist jemand, der in Schweiz lebt und nur für Cent Beträge textet? War die Schweiz nicht das super Lohnland der Europäischen Hemisphäre? Alles sehr seltsam. Aber, ich hier im goldenen Westen habe die Google benutzt. So wie die Damen der 1-Cent Zunft, kann ich auch googeln. Deren Namen kann ich auch eingeben. Sehr interessant was man da so raus findet. Und ziemlich langweilig. Sterbens langweilig. Blümchenkleider auf Sadomaso halt und das für 1 Cent. Was will man erwarten?

Letztendlich muss man sich das mal auf der Zunge zergehen lassen, ich möchte ein paar Damen motivieren doch mal bei realistischen 60 Euro einzusteigen, so wie der klassische Handwerker. Aber das nehmen sie schon gar nicht wahr und werden raderdoll weil sie auf diesem Blog das Signalwort HartzIV gelesen haben. In ihren geblümten Kleidchen hüpfen sie in bester „die Hexe von Oz Manier“ auf und ab und geilen sich daran auf, dass ich einmal arbeitslos war.
Sich über Arbeitslose und Bezieher von Sozialleistungen lustig zu machen, ist ein Armutszeugnis. Mehr nicht. Und zu unterstellen, es mache Spaß und man ruhe sich in dem Falle aus, ebenfalls.
Und eigentlich, wenn man am Ende dieser Geschichte angekommen ist, ist das eine ganz schön traurige Geschichte. Eine Geschichte von Frauen, die nicht richtig lesen können, aber behaupten sie sind die geilsten Texterinnen der Welt für 1Cent das Wort. Und das sie schön das Stigmata der Arbeitslosigkeit pflegen. Da wo die Heuballen durch die Straßen fegen und die AfD mit der NPD zum Kaffeekränzchen einlädt. Traurig, aber wohl doch leider wahr.

Dabei ging es am Anfang um Preise. Was man nimmt. Was das Leben kostet. Aber sie sind standepede der Meinung, von ein paar Cent pro Wort kann man töfte leben und das ist absolut korrekt. Und was auch ganz wichtig ist: manch einer darf auf 6 Cent pro Wort kassieren. Der Cent-Millionär in der Disruptionswüste. König der Fischer. Fall nicht zu tief.

Letztendlich betreiben sie aber eine Verwässerung des Marktes und spinnen sich irre falsche Wahrheiten zusammen und bewegen sich am Rande dessen, was üble Nachrede ist. Das ist putzig. Schön, ist es zu lesen, wie man angeblich die Hand aufhält und andere für sich arbeiten lässt.

Das freut mich doch sehr. Gut das ich weiß, dass es nicht wahr ist. Und gut, dass ich weiß, wie beschissen es ist, wenn man Sozialleistungen beziehen muss. Und gut, dass ich weiß, dass zum Beispiel das schöne ALGI eine gaaaanz tolle Versicherungsleistung unseres Sozialstaates ist. Für die man ja als Arbeitnehmer gaaaanz toll eingezahlt hat. Zum Ende halte ich es weiterhin wie Sascha Lobo: Ich arbeite nur für viel Geld, sonst gar nicht. Denn Arbeit soll sich lohnen. Für jeden. Ich halte auch „Mindestlöhne“ von 9,40 die Stunde für zu wenig. Das ist nach wie vor Ausbeutung an der Menschheit. Und wenn ich dann übrigens gerade nicht arbeite (immer dran denken: vieeeeel Geld 😉 ), halte ich nicht die Hand auf, nein, ich mache gar nix. Ich beziehe auch nirgends Leistungen. Nee, brauche ich ja (zum Glück!) nicht mehr.

Weil ich nicht so bescheuert bin und verkaufe meine Leistung so billig, das ich 12 Stunden am Tag rödeln muss. Ich halte es damit wie es die Kollegen in der Brand Eins beschrieben haben. Da wird ganz einfach erklärt, warum eine Stunde als Freiberufler nicht unter 60 bis 80 Euro zu haben ist. Das Leben ist eines der teuersten. Und ich erkaufe mir durch meinen höheren Stundensatz am Ende nur eines: Mehr Zeit. Freizeit. Meine Zeit. Mehr Leben.

 

In einer schöneren Zukunft zerdeppern Inder und Co. den Matronenmarkt. Hopefully.

Es wird sicher ein aufregender Tag, bin gespannt wie lange die 1-Cent-Matronen noch brauchen, um zu raffen, dass mancher Inhalt dieses Blogs in der Vergangenheit liegt. Auch freue ich mich sehr über die guten Ratschläge, die mir indirekt gegeben werden. Man sollte diesen Blog hier mal bekannter machen (ey, den kennen schon total viele ihr Blümchenmuttis), denn dann klappe es ja vielleicht auch endlich mit Arbeit für mich. Jetzt aber mal eine Durchsage: HALLO IHR 1-CENT MATRONEN, ISCH HABE ARBEIT DANKÖ, JETZT SCHNAUZE HALTEN.

Schlimm, diese Menschen, die sich nur über Arbeit, Arbeit, Arbeit definieren. Rabotti, Rabotti. Hoffentlich lernen die ganzen Inder und Chinesen schnell ordentlich Deutsch. Und zerdeppern dann den 1-Cent Matronen den Markt. Drei Wörter für 0,25 Cent. Yeah!
Bis dahin beschäftige ich mich heute mit den wirklich fancy Dingen. Ab auf die Messe nach Köln und mit dem Heer der Digital Natives durch die Messehallen strampeln. Und ach ja, das mit baut die Mauer wieder auf, nun ja, macht von mir aus auch einen Freizeitpark aus Ostdeutschland. Ist mir gerade echt gesagt, ziemlich egal. Ist zwar landschaftlich dahinten alles sehr hübsch, aber die Mentalität ist grauenhaft. Das will man nicht mal geschenkt.
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Vielleicht doch einen tumblr?

Neuerdings entdecke ich meine Leidenschaft für Memes. Das ist ja auch ein so neues Wort, da musste ich erst einmal lange überlegen, wie das wohl in der Mehrzahl richtig ist. So wie es tumblr mit den schäbigsten Mietangeboten world wide gibt, gibt es sicher sowieso schon einen für Memes.

Hier meine aktuellen Highlights. Oder meine ständigen Favoriten.

 

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Und dann sagte ich ab. Wenn die Großmeister der Kommunikation wie Nulpen auftreten.

Nun — in meiner neuen Welt als beratende Kommunikatöse kommt man auch nicht um die Absage herum. Diesmal musste ich auch gar nicht lange auf eine schlecht geschriebene eben solche warten. Nein, im Gegenteil. Ich war diesmal am Zug…

Es trug sich wie folgt zu…

Es war einmal eine der größten Werbeagenturen der Welt und sie suchten jemanden für so called Community Management. Nach einigen Mails mit den Verantwortlichen für den Bereich Social Media lud man mich zu einem Gespräch ein. Beachtet man das Level, auf welchem das Gespräch stattfand, war es das blödeste, was ich jemals geführt habe. 

Eine Katastrophe der ganz besonderen Art. Wie soll ich es sagen, die Werber residierten im langweiligsten Gebäude, das ich jemals in meinem Leben betreten habe. Lieblos und weiß. Ja,ja,ja, kommt mir jetzt nicht alle mit Understatement und das muss so sein, damit man kreativ sein kann. Es sah aus wie eine Legebatterie. Das ist schon für Hühner nicht gut und die Eier schmecken scheiße, wie soll man da also als Mensch kreativ sein? Hach, aber das war eigentlich auch nur ein Nebenkriegsschauplatz, dieser nicht kreative Raum. 

Es ging also um dieses Internet. Naja und da kommt halt die Frage auf, seit wann man denn so drin ist. Also sagte ich brav mein Sätzlein: Ja, seit 1998. Irritierende Blicke bei den Herrschaften aus dem Land der Above The Line Kommunikation. „Aha, Du warst also im Internet drin bevor es das Internet gab“. Stille. Mein Gehirn sagt: Ey, will der mich verkackeiern? 

Daten aufzählend, wann. Seit Frühjahr 1997 ab und zu, seit 1998 mindestens 12 Stunden am Tag. Warum? Compuserve CD im Stern, große Hysterie und zwei zerlegte väterliche Büros bis zu der Erkenntnis: geht nur mit so einem Modem. Und ab 1998 mit Wissenschaftsstandleitung vom Fraunhofer.
Irgendwie fragt man mich leicht dümmlich, was ich denn da so gemacht habe. 1998. Im Internet. Ja, was soll ich da sagen? Das Internet war damals wirklich optisch eine ganz andere Herausforderung. Man brauchte eine Menge Phantasie. Da ich aber das Glück hatte, mit ein paar Sun Microsystems, Renderingfarmen und Wissenschaftlern in einem Gebäude für ein Praktikum eingesperrt zu sein, war das alles nicht so das Ding. Es war wunderbar. Eine Welt aus 3-D Animationen von Fischen, die wegschwammen, wollte man sie berühren und 3-D Ultraschall. Hach, was man so alles schallen kann, wenn man Langweile hat…Oder Achterbahn fahren in der 3-D Cave zur Mittagspause. Damals der heiße Shit, heute schon Standard.

Was machte wir 1998 im Internet? Also, unter uns Kolleginnen aus der Marketingabteilung war es ein Riesengaudi mit seltsamen Namen im Pralinechat latent anzügliche Chats zu führen. Fanden wir damals super komisch. Und Filesharing war damals ganz groß. Wir schleppten die Daten dann immer auf einem ZIP nach Hause. Denn dort war noch das flötende Modem angesagt. Wir trieben uns in Foren rum und surften so durch die Gegend. Was man halt so macht. Im Internet. Aber das habe ich den Herren natürlich nicht erzählt. 

Die Tatsache, dass ich einen Blog hatte, der aber noch Tagebuch hieß, brachte das Gespräch irgendwie noch weiter in seltsame Sphären. Auch dass ich den einen gut zehn Jahre befüllte und den anderen seit nun gut sechs. Wollte man irgendwie nicht so glauben.  Oder man fand es doof. Oder dachte, es ist nicht das richtige Internet. Oder ein anderes. Ich weiß es einfach nicht. Am liebsten hätte ich gesagt: Googelt es doch nach. 

Ach, es wurde aber einfach alles nicht besser. Nach diesem blah blah blah, ich und das Internet, das Internet und ich, kamen wir dann zum Punkt. Der Aufgabe. Also, die Aufgabe war dann: Bitte bis in 10 Tagen einen funktionierenden Social Media Kanal bauen. Und die Inhalte: Ach ja, da nehmen wir halt das, was wir so schon haben. Haha.

Super Plan. Wir nehmen die Sachen aus der klassischen Werbung und kleben sie ins Internet rein. Genau. Das ist Social Media. So funktioniert das Internet. Absolut.

Das Entsetzen ist mir wohl ins Gesicht gemeißelt. Ja, man wisse, so mache man das nicht. Aber der Kunde wolle es so. Oh cool, Werberklischee #9, direkt gemeinsam über den Kunden meckern. Klischee #5, Hornbrille, liegt seit 24 Minuten achtlos aus dem Tisch. Also ich, ich trage eine Brille, weil ich nix sehe. Und die muss ich immer tragen. Sonst könnte man mir auch einen Wombat mit einer Karnevalsperücke als Gegenüber auftischen und ich würde es nicht merken.

Hach, was fühle ich mich inzwischen unwohl, wie ich da sitze, bei den Königen der Werbung und das alles wirkt so fürchterlich planlos, unkreativ und … nulpig. Ja, ich bin maßlos enttäuscht von deren Auftritt. Dann wird mir noch eine Menge Geld geboten für eine Menge Arbeitsstunden und ich sage höflich, ich muss das noch überdenken und gebe den Herren die Klinke in die Hand. 

Dann schreibe ich den Herren noch eine Mail, da wäre noch die ein oder andere Sache zu klären. Ob denn bitte ein Telefonat am folgenden Tag am Mittag möglich sei. Irgendwann nähern wir uns in Echtzeit der Stunde Null, also dem Tag danach am Mittag. Auf meine E-Mail, ob man telefonieren könne, wurde natürlich nicht geantwortet. 

Wasser auf meine Mühlen! Hatte ich bei dem Termin nicht noch einen Vortrag über die wichtigsten Aspekte der Arbeit „mit Internet“ gesprochen? Schnelligkeit, antworten, immer antworten, immer sofort antworten. Der kleine Vortrag über den Grundrespekt der Kommunikation. Und das nicht zu lange Warten lassen. Blahblahblah. 

Natürlich habe ich auf meine sorgsam formulierte Antwort, in der ich begründe warum ich absage (Kurzum: So funktioniert das nicht, ohne Plan in 10 Tagen), keine Antwort erhalten.  

Aber insgesamt denke ich mir, also, wenn das mein Laden wäre und ich würde so einen großen Namen tragen und meine Mitarbeiter würden einen so nulpigen Auftritt in meinem Laden hinlegen…Bootcamp. Sofort. Alle.

Höchstwahrscheinlich ist das unter anderem das Problem: Social Media ist in good old Germany eine ziemlich puuuuups langweilige Sache, weil da irgendwelche Herren aus den klassischen Bereichen ihr Unwesen treiben. Und sowieso. Dieses Internet. Ist ja Neuland. Nach sechzehn Jahren.

Und dann wurde ich Burgenbloggerin. Bedtimeprokastination eines Burgenfräuleins im Geiste.

Gestern, während der Bedtimeprokastination, da flimmerte etwas über meine Twitter-Timeline. Burgenblogger gesucht! Cräzy. Das ist sicherlich nicht so spektakulär wie Eremit in den Schweizer Bergen oder dieser fancy Karibikblogger. Aber hej, ich habe doch eine heimliche Leidenschaft für die deutsche Provinz. Das da zwischen München, Köln, Hamburg und Berlin. Burgenbloggerin Rose. Hallöchen, Hallöchen.

Natürlich wird das auch ein bisschen gruselig werden. Ich, alleine da auf der Burg. Höchstwahrscheinlich müsste ich mit der Rhein-Zeitung einen Deal aushandeln, dass ich zumindest die Hunde Schröder und Hannelore einpacken kann. Die sind praktische, tibetische Alarmanlagen. Genetisch eigentlich perfekt gemacht für Burg. Ob Kloster oder Burg – Hauptsache alte Gemäuer, die Geschichte flüstern.

Hach, das würde großartig. Nach und nach würde ich mir alle Winzer und Hotel in der Region vorknöpfen. Und sie besuchen. Fragen, was ihre Landschaft und Ihre Gegend so einzigartig macht. Tipps für Hobbyweinzüchter einsacken und ins Internet reinschreiben. Und jede touristische Attraktion im Umkreis besuchen und meinen liebevollen Senf dazu geben,

Abends hocke ich dann auf meiner Burg und der Holzofen knistert. Höchstwahrscheinlich habe ich panische Angst, weil es höchstwahrscheinlich so klingen wird, als trieben dort doch einige Gespenster ihr Unwesen. Natürlich könnte ich daraus auch noch eine kleine Ghostbustereinlage für den Blog zaubern. Großes Kino also.

Höchstwahrscheinlich bin ich denen aber zu wild. Ey, aber wild at heart. Eigentlich ist das die richtige Erfrischung, die so eine Burg braucht. Raus aus dem Dornröschenschlaf, rein ins Internet.

Die traurige Wahrheit über das jähe Ende der so called Weiterbildung

Wie es so ist, auf dem Höhenflug Komödie „Weiterbildung“, als es eigentlich fast vorbei und gegessen war, passierte das Unfassbare. Einer unserer Mitschüler nahm sich das Leben. Ich muss diesen Fakt einfach schnell vorweg nehmen. Seit Monaten quält mich diese ganze Geschichte nun schon.

Tja, mir fehlen auch ein paar Monate danach einfach die Worte. Aber man kann es nicht anders beschreiben, als das dieser junge Mann am Druck der Gesellschaft zerbrochen ist. Die Tatsache aber, dass innerhalb dieser „Maßnahme“ ein enormer, künstlicher und völlig verzerrter, zusätzlicher Druck aufgebaut worden ist, war anscheinend einfach zu viel.

Das alles, mag man nun denken, das kann passieren. Leider war jenes Institut, an dem man uns diese falsch ausgerichtete Weiterbildung ableisten ließ, nicht in der Lage diesen Gau richtig zu managen. In der Nacht in der sich das Unglaubliche ereignete, versuchte der Gute mich nämlich mehrmals zu erreichen. Per Telefon. 16 Anrufe in Abwesenheit. Als er sich am folgenden Tag nicht meldete, schrieb ich eine Mail hinterher. So burschikoser Rosenstyle, nach dem Motto, es muss immer weitergehen. Doch es kam keine Antwort.

Es war ein Mittwochmorgen, sehr sommerlich. Der Himmel war blau. Neun Uhr ist es gewesen, als ich meine Mails abrief. Und da stand es dann. Es kam von seiner E-Mail Adresse. Aber es war seine Schwester. Sie schrieb mir, er könne nicht mehr antworten, da er sich das Leben genommen habe. Und sowas per E-Mail. Manchmal verfluche ich das digitale Zeitalter auch.

Meine Güte, was war ich wütend! Mir fiel nichts besseres ein als in meinem Schock meinen Bruder anzurufen und durch das Telefon zu brüllen „Der Japanologe hat sich umgebracht“. Japanologie, ja das hatte er studiert. Mit 1,8 Durchschnitt und er lebte irgendwie in dem Glauben, das sei total schlecht. Mein trauriger Japanologe. In meiner Fassungslosigkeit dachte ich mir dann irgendwann, ich ruf jetzt mal da im Lernladen an und frage, wie wir damit umgehen. Das Ende von Lied war, dass man der unter Schock stehenden Anruferin, moi, einreden wollte, es sei doch besser, dem Rest des Kurses besser mal nichts davon zu sagen. Für einen Laden, der sich mit Weiterbildungen im Bereich der Kommunikation brüstet, das Letzte. Aber wohl entstanden aus Unwissenheit und Schock. Was weiß ich, es war bitter. Unanständig und bitter. Da kann man wirklich schreiben: Ich war in meinen Grundfesten erschüttert.

Somit stürzte ich in eine 72 Stunden lang anhaltende Sinnkrise, in der ich mich frage, ob man von mir verlangen kann, eine Gruppe zu belügen, die in sechs Monaten doch Freunde wurden.

Die Antwort ist ganz klar: Nein. Wir brauchen gar nicht mehr lange um den Brei herumzureden, es endete im totalen Chaos. Der Rest Kurs erfuhr es durch einen Zufall des Schicksals von ganz alleine. Aber das war noch nicht genug. Die größte Leistung des Ladens war, sich auch direkt mal eine Krisenintervention zu sparen. Warum drüber reden, ist doch besser, sie machen da mal bisschen HTML4 Newsletter und lenken sich ab.

So trug ich dann vier Wochen später den Japanologen mit zu Grabe. In einem Friedwald. Unter einen Baum. Mit weinenden Eltern und Omas und Tanten an meiner Seite. Menschen, die ich gar nicht kannte, aber mit denen mich etwas verbindet, was mich unheimlich erschüttert hat. Aber das war das Mindeste, was ich tun konnte, ihn bei blauem Himmel und Sonnenschein der Erde zu übergeben. Ich kannte ihn nur sechs Monate und ich habe lange nicht mehr jemanden getroffen – oder noch nie – der so Angst vor dem Leben hatte. Und das so offensichtlich. Weil er mir in mehreren Momenten von seiner Angst erzählte, versuchte ich wirklich mit meiner rauen, aber lieb gemeinten Art, ihm die Freude am Dasein zu zeigen. Mit aller Verrücktheit die ich zu bieten hatte. Aber es hat nicht gereicht.

Dem Ganzen die sprichwörtliche Krone aufgesetzt hat allerdings das Verhalten des Institutes, das emotionale Chaos danach im Kurs und das Entsetzen über all die Kälte, die sich dort offenbarte. Das Versagen einer Institution live und in Farbe. Traurig, aber wahr. Bis heute weiß ich, dass es Signale gab, die nicht zu übersehen waren und ich sage auch bis heute, habe ich eine irgendwie pädagogische Aufgabe als Institution, dann muss ich so empathisch sein und merken, wenn ich Menschen in Kursen habe, die Probleme haben. Denn schließlich sind es doch Arbeitslose, die man in einer sechs Monatsscheinwelt unter künstlichen Druck setzt. Das sollte ich vielleicht mit dem ein oder anderen sein lassen. Dafür bin ich doch Pädagoge, oder? Fragen über Fragen.

Wochenlang saß ich dann da, wälzte soziologische Studien zum Thema Selbstmord und versuche meine Schuldgefühle und meine Fassungslosigkeit irgendwie zu bändigen. Es sollte fast vier Monate „extra“ dauern.

An einem Tag irgendwann zwischen all diesem Wahnsinn saß ich dann am Küchentisch und dachte darüber nach, ob es vielleicht nicht am besten wäre, ein Seegrundstück in Nova Scotia zu kaufen. Neulich hatte ich in einer Home und Garden Zeitung bei den Kleinanzeigen so etwas entdeckt. Seegrundstück in Noca Scotia zu verkaufen. Ja, das wäre es. Da könnte ich dann zu meinen Inuit Freunden an den Strand laufen und ihnen dabei zuschauen, wie sie einen Pottwal explodieren lassen.

Nachdem dies alles passierte, wollte ich nicht mehr. Nicht mehr arbeiten. Auf gar keinen Fall als „normale Angestellte“ und schon mal gar nix mehr mit Medien. Schnauze voll. Drei Monate beschäftigte ich mich ernsthaft mit dem Gedanken, auf meine alten Tage alles über den Haufen zu schmeißen.Medizin zu studieren und als Dr. House ähnliche grumpy Psychologin Kriseninterventionsberatung zu machen. Ich war so fertig mit den Nerven und so entsetzt von der gesellschaftlichen Kälte die aufgrund dieses Geschehens durch die Institution spürbar geworden war.

Mein Anwalt, Dein Anwalt, unsere Anwälte. Liebling Kreuzberg im Geiste.

Zählt man die Anwälte rückblickend, sind es sogar im ganzen ein Rudel von sechs Anwälten.

Und die Anwälte sind ja nur die Anwälte, die wir seit einigen Monaten mit dieser Groschenposse beschäftigen. Zählen wir die Anwälte der Vergangenheit mit, sind wir bei noch dreien mehr an der Zahl. Sechs oder sieben Anwälte hat man dann also schon im Leben gebraucht, oder nein, fange ich ganz von vorne an, sind es zehn am Ende. Anwälte sind eine Sache für sich. Grundsätzlich muss ich dazu sagen, dass ich bisher nur zwei Anwälte gefunden habe, bei denen ich das Gefühl habe, der ist so krabätzig wie ich und krabätzt sich auch ordentlich amerikanisch für mich durch Fälle und der andere ist der Deeskalator. So jemanden braucht so jemand wie ich unbedingt!

Aber so amerkanisch, wie ich es mir vorstelle, ist es natürlich nicht. Letztendlich bin ich immer noch sehr enttäuscht, dass bei all der Erfahrung mit meinen, unseren, Anwälten immer noch kein Law and Order Gefühl eingetreten ist. Es war vielleicht in Ansätzen Liebling Kreuzbergisch, manchmal vielleicht ein Hauch Matlock, aber nie Law and Order, Kramer gegen Kramer oder „Die Firma“ like. Hach, aber wenn man sich mit dem Gedanken rumschlägt, hat man natürlich all diesen verseuchten Kramer gegen Kramer, Richard Gere, Tom Cruise gegen den Rest der Welt Mist im Hirn und ist ernüchtert von der deutschen Rechtsanwaltsrealität. Muss aber doch nun auch zugegeben, inzwischen sage ich den Satz „Das kläre ich mit meinem Anwalt“ ziemlich gerne. Auch abgewandelt in „mein Anwalt sagt“, ganz gut. Die Steigerung ist natürlich „Meine Anwälte“. Das ist wie „mein Arzt“ zu „meine Ärzte“. Das klingt immer gleich viel besser. Schlimm ist es, wenn es am Ende stimmt.

Inzwischen bin ich Profi in Markenanmeldung und Urheberrecht sowieso. Gesellschaftsrecht ist eine weitere Disziplin in der ich nur dazu gelernt habe. Die einzige Klausur, die ich in der so called Weiterbildung mit Bravour, also sehr gut, ablieferte, war Jura.