Und dann sagte ich ab. Wenn die Großmeister der Kommunikation wie Nulpen auftreten.

Nun — in meiner neuen Welt als beratende Kommunikatöse kommt man auch nicht um die Absage herum. Diesmal musste ich auch gar nicht lange auf eine schlecht geschriebene eben solche warten. Nein, im Gegenteil. Ich war diesmal am Zug…

Es trug sich wie folgt zu…

Es war einmal eine der größten Werbeagenturen der Welt und sie suchten jemanden für so called Community Management. Nach einigen Mails mit den Verantwortlichen für den Bereich Social Media lud man mich zu einem Gespräch ein. Beachtet man das Level, auf welchem das Gespräch stattfand, war es das blödeste, was ich jemals geführt habe. 

Eine Katastrophe der ganz besonderen Art. Wie soll ich es sagen, die Werber residierten im langweiligsten Gebäude, das ich jemals in meinem Leben betreten habe. Lieblos und weiß. Ja,ja,ja, kommt mir jetzt nicht alle mit Understatement und das muss so sein, damit man kreativ sein kann. Es sah aus wie eine Legebatterie. Das ist schon für Hühner nicht gut und die Eier schmecken scheiße, wie soll man da also als Mensch kreativ sein? Hach, aber das war eigentlich auch nur ein Nebenkriegsschauplatz, dieser nicht kreative Raum. 

Es ging also um dieses Internet. Naja und da kommt halt die Frage auf, seit wann man denn so drin ist. Also sagte ich brav mein Sätzlein: Ja, seit 1998. Irritierende Blicke bei den Herrschaften aus dem Land der Above The Line Kommunikation. „Aha, Du warst also im Internet drin bevor es das Internet gab“. Stille. Mein Gehirn sagt: Ey, will der mich verkackeiern? 

Daten aufzählend, wann. Seit Frühjahr 1997 ab und zu, seit 1998 mindestens 12 Stunden am Tag. Warum? Compuserve CD im Stern, große Hysterie und zwei zerlegte väterliche Büros bis zu der Erkenntnis: geht nur mit so einem Modem. Und ab 1998 mit Wissenschaftsstandleitung vom Fraunhofer.
Irgendwie fragt man mich leicht dümmlich, was ich denn da so gemacht habe. 1998. Im Internet. Ja, was soll ich da sagen? Das Internet war damals wirklich optisch eine ganz andere Herausforderung. Man brauchte eine Menge Phantasie. Da ich aber das Glück hatte, mit ein paar Sun Microsystems, Renderingfarmen und Wissenschaftlern in einem Gebäude für ein Praktikum eingesperrt zu sein, war das alles nicht so das Ding. Es war wunderbar. Eine Welt aus 3-D Animationen von Fischen, die wegschwammen, wollte man sie berühren und 3-D Ultraschall. Hach, was man so alles schallen kann, wenn man Langweile hat…Oder Achterbahn fahren in der 3-D Cave zur Mittagspause. Damals der heiße Shit, heute schon Standard.

Was machte wir 1998 im Internet? Also, unter uns Kolleginnen aus der Marketingabteilung war es ein Riesengaudi mit seltsamen Namen im Pralinechat latent anzügliche Chats zu führen. Fanden wir damals super komisch. Und Filesharing war damals ganz groß. Wir schleppten die Daten dann immer auf einem ZIP nach Hause. Denn dort war noch das flötende Modem angesagt. Wir trieben uns in Foren rum und surften so durch die Gegend. Was man halt so macht. Im Internet. Aber das habe ich den Herren natürlich nicht erzählt. 

Die Tatsache, dass ich einen Blog hatte, der aber noch Tagebuch hieß, brachte das Gespräch irgendwie noch weiter in seltsame Sphären. Auch dass ich den einen gut zehn Jahre befüllte und den anderen seit nun gut sechs. Wollte man irgendwie nicht so glauben.  Oder man fand es doof. Oder dachte, es ist nicht das richtige Internet. Oder ein anderes. Ich weiß es einfach nicht. Am liebsten hätte ich gesagt: Googelt es doch nach. 

Ach, es wurde aber einfach alles nicht besser. Nach diesem blah blah blah, ich und das Internet, das Internet und ich, kamen wir dann zum Punkt. Der Aufgabe. Also, die Aufgabe war dann: Bitte bis in 10 Tagen einen funktionierenden Social Media Kanal bauen. Und die Inhalte: Ach ja, da nehmen wir halt das, was wir so schon haben. Haha.

Super Plan. Wir nehmen die Sachen aus der klassischen Werbung und kleben sie ins Internet rein. Genau. Das ist Social Media. So funktioniert das Internet. Absolut.

Das Entsetzen ist mir wohl ins Gesicht gemeißelt. Ja, man wisse, so mache man das nicht. Aber der Kunde wolle es so. Oh cool, Werberklischee #9, direkt gemeinsam über den Kunden meckern. Klischee #5, Hornbrille, liegt seit 24 Minuten achtlos aus dem Tisch. Also ich, ich trage eine Brille, weil ich nix sehe. Und die muss ich immer tragen. Sonst könnte man mir auch einen Wombat mit einer Karnevalsperücke als Gegenüber auftischen und ich würde es nicht merken.

Hach, was fühle ich mich inzwischen unwohl, wie ich da sitze, bei den Königen der Werbung und das alles wirkt so fürchterlich planlos, unkreativ und … nulpig. Ja, ich bin maßlos enttäuscht von deren Auftritt. Dann wird mir noch eine Menge Geld geboten für eine Menge Arbeitsstunden und ich sage höflich, ich muss das noch überdenken und gebe den Herren die Klinke in die Hand. 

Dann schreibe ich den Herren noch eine Mail, da wäre noch die ein oder andere Sache zu klären. Ob denn bitte ein Telefonat am folgenden Tag am Mittag möglich sei. Irgendwann nähern wir uns in Echtzeit der Stunde Null, also dem Tag danach am Mittag. Auf meine E-Mail, ob man telefonieren könne, wurde natürlich nicht geantwortet. 

Wasser auf meine Mühlen! Hatte ich bei dem Termin nicht noch einen Vortrag über die wichtigsten Aspekte der Arbeit „mit Internet“ gesprochen? Schnelligkeit, antworten, immer antworten, immer sofort antworten. Der kleine Vortrag über den Grundrespekt der Kommunikation. Und das nicht zu lange Warten lassen. Blahblahblah. 

Natürlich habe ich auf meine sorgsam formulierte Antwort, in der ich begründe warum ich absage (Kurzum: So funktioniert das nicht, ohne Plan in 10 Tagen), keine Antwort erhalten.  

Aber insgesamt denke ich mir, also, wenn das mein Laden wäre und ich würde so einen großen Namen tragen und meine Mitarbeiter würden einen so nulpigen Auftritt in meinem Laden hinlegen…Bootcamp. Sofort. Alle.

Höchstwahrscheinlich ist das unter anderem das Problem: Social Media ist in good old Germany eine ziemlich puuuuups langweilige Sache, weil da irgendwelche Herren aus den klassischen Bereichen ihr Unwesen treiben. Und sowieso. Dieses Internet. Ist ja Neuland. Nach sechzehn Jahren.
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Gläsernere Angstquallen gegen Blumen

Immer mitten in die Fresse rein. Cyberbashing von Duckmäusern und Netzschissern..

Kinners, was geht denn hier (und bei jetzt.de) ab? Kollektiver Prügelgangbang?

Und warum? Nur weil meine Blogkollegin etwas gesagt hat, was die Mehrheit äußert ungerne konsumiert: Die Wahrheit!!

Boah, ey Scheiße. Schnell weg. Damit will ich nichts zun tun haben. Husch. Husch. Geh weg da.

Ihr krakelt rum, wie Kleinkinder, weil Rose den Finger mit Anlauf und Arschbomde genau darein gehämmert hat, wo es euch scheinbar am meisten weh tut. Eure heilige Anonymität im Netz. Ja, lasst uns alle über den gläsernen Bürger aufregen.

Ey, wenn ihr alle so viel Schiss vor (Aus)Wirkungen in der Realität habt, dann fucked doch einfach nicht so viel im Netz rum. Selbstdarstellungsdrang versus Existenzangst? Jetzt die neue web-gameshow!!!!

Nichts ist in der Virtualität unsichtbar. Und nichts wird im Netz vergessen. Ich könnte noch mehrere Poesie-Alben darüber füllen, was für eine Idiotie das ist, sich hinter der vermeintlichen Anonymität im Netz zu verstecken, denn sie existiert nicht, aber Poetry Slam-Virtuose Andy Strauß hat es wunderbar zusammengefasst und sagt  es so, wie es ist.

Aber eine Warnung an alle Netzschisser und Wahrheitsphobiker: Big Borther IS watching you. Really. Und Big Sister tratscht es everybody weiter.

Und hier jetzt der Auftritt von Andy:

Nicolas

Massenpanik. Nach langer Pause mal wieder ein Text. Thema: Datenschutz und böses Internet. Der Teufel in blau. Facebook.

Wie die Lemminge stürzten einige User der Jugendseite der Süddeutschen sich und ihre Texte in das Ende des Nichts des Internets. Warum? Schuld war die kurze Einführung eines Facebookbuttons. I like killed the community.

Ha, da melde ich mich mal kurz aus der Versenkung. Es geht mal kurz nicht um Jobs. Es geht nur indirekt um Jobs und reale Leben. Bei jetzt.de unterhalte ich ja nun schon im neunten Jahre eine Sammlung von Kurzgeschichten. Nun hatte ich mich auch dort etwas rar gemacht, weil ich es leid war mit Leuten zu debattieren die überstudiert in langweiligen Bürojobs hängen und sich in endlosen Debatten im sogenannten Tagesticker am allerliebsten darüber unterhalten ob man den Staat abschafft oder ob man gerne ein Mädchen ist oder lieber gerne im Stehen pinkeln mag. Viele der User, mit denen ich dort Anfangs zusammen „bloggte“ sind inzwischen sowieso nicht mehr dort, sind echte Freunde geworden  – man sieht sich also in „Echt“. Natürlich sind dort immer noch ein paar nette Leute, aber eine gewisse Tonart beherrscht dort das Tagegeschäft, die mir nicht mehr gefällt. Das war früher anders. So, ich bin also nicht mehr so oft dort. Nun aber trug es sich wie folgt zu: Das Böse zog auf. Die Redaktion implementierte einen i-Frame Button zu Facebook. Das „i like“ Monster der Gegenwart. Nun ging es hot hot hot hot her da bei jetzt.de. Etliche User sahen ihre Anonymität davon schwimmen. So denkt man bis jetzt noch, das durch die Empfehlung über i like eine Zusammenführung der anonymen jetzt.de Profile mit den Facebookprofilen direkt und sofort möglich gewesen sei. In verschiedenen Threads kann man sehen wie derbe die Debatte brannte. Jetzt bekomm ich sicher dick Haue von den Kindern dort bei jetzt.de weil ich einfach von diesem Blog im freien Internet in den in sich geschlossenen Raum jetzt.de verlinke. Die Debatten dort haben für mich eines gezeigt: Man wiegt sich dort in der feinen Illusion im Internet könnte man wahrhaft persönliche und intime Geschichten veröffentlichen und dabei zu 100% immer anonym bleiben. Ich weiß nach zehn Jahren bloggen und der Arbeit mit und im Internet: Das ist nur schwer möglich. Will man das wirklich, sollte man einfach nichts im Internet veröffentlichen. Es geht in etwa in die Richtung mit den Sauffotos auf Facebook und der Chef findet diese. Wer so unvorsichtig ist und solche Bilder veröffentlicht und nicht in der Lage ist, die Sicherheitseinstellungen richtig zu machen  – wie soll da noch geholfen werden?

Das Internet ist nicht Schuld an der Datensammelwut von Google oder Facebook. Irgendwer hat ja mal angefangen, seine persönlichen Daten irgendwohin zu stellen. Der Inhaber der Daten der sie veröffentlicht ist also der Anfang allen Übels.

Auch die SZ zeigt in einer Bildereihe, komischerweise zeitgleich zum Hasserfülltenstreit bei jetzt.de, wie man sein FB Profil um einiges sicherer machen kann. Alles in allem hat mich das nur am Ende dazu gebracht, einen Text zu schreiben. Über mich und das Internet. Aber wie ich mir sagen lassen musste: Mich betrifft das ja alles nicht. Ich schreibe ja sowieso unter Klarnamen meine Meinung überall in dieses Internet rein. Schön und gut liebe Leute, aber sollte ich dann nicht noch viel viel viel mehr Angst haben als all die Leute ohne Klarnamen auf ihren Profilen? Die mit am lautetsten gegen den Facebookbutton und die angebliche „Profilaufdeckfunktion“ wetterten, haben nicht mal einen eigenen FB Account. Gähn, wie langweilig. Nun kreisen die ach so Anonymitätsgeilen Schreiber, die stets bei jetzt.de heiße Stories veröffentlichen, um den in der FAZ erschienen Artikel zum Thema. Amüsant ist mancher Thread in dem sich mancher User, der so heiß auf Anonymität ist, damit brüstet, jenes oder welches Zitat im Text bei der FAZ sei aber von ihm.

Es ist nichts Neues, dass man sich im Internet in der Öffentlichkeit bewegt. Jeder, der einen Internetzugang hat ist potzeniell dazu in der Lage Informationen über einen zu finden. Seien es persönliche Daten, Texte oder Bilder. Schuld ist immer nur der, der die Informationen veröffentlicht hat.

Meine Meinung dazu kann auch noch in meiner Glosse „Das böse, böse Internet. Wie das Internet in mich kam und ich in das Internet. Eine Operation bei vollem Bewusstsein“ nachlesen. Hier ein kleiner Auszug:

Es ist recht interessant. Da gibt es also Leute, denen fällt eines Tages auf, dass sie im Internet sind. Warum? Ein böser Facebookbutton zeigte sich am Web 2.0 Horizont und die Damen und Herren im feinen Zwirn hatten plötzlich Angst, der Chef könnte rausbekommen, was man während der Arbeitszeit so wirklich treibt. Oder Tante Augusta ihr Sohn Fritz würde schnell rausbekommen, dass man während des Erasmusprogramms eine Probephase mit Französischen Frauen durchzog. Ja, ja. Das böse, böse Internet.

Das Internet und ich, wir kennen uns seit 1996. Da war es fürchterlich neu und langsam. Ich kann mich noch an die erste Aktion in Sachen Internet erinnern: In einer Zeitschrift war eine AOL CD-ROM. Und wir Kids wollten unbedingt rein in dieses Internet. Wir nahmen das ganze Büro eines befreundeten Architektenvaters auseinander und versuchten das Telefon in den Computer zu stecken. Erst als das Büro in Schutt und Asche lag, stellten wir fest: Dazu braucht man ein Modem. Modem ist heute so wie früher Video 2000, wenn man heute eine DVD daneben legt. Mit den ersten Modems konnte man Menschen erschlagen. Schon damals war das Internet also eine an sich sehr gefährliche Sache.

Vergleicht man doch die damals pixeligen Dinger, die nackte Frauen seien sollte mit den heutigen High End Videos, die auch noch total gratis im World Wide Web anschaubar sind, betet man freiwillig drei Ave Maria rückwärts. Man will ja den Glauben an die Welt nicht in 60 Sekunden verlieren. Wenn schon, dann besser so als Pixelkacke. Ja, doch marschiere ich die Geschichte des Internets und mir rückwärts ab, ist das eine Geschichte voller Irrungen und Wirrungen. Eine Geschichte von falschen und richtigen Suchanfragen.

Nachdem das damals mit dem Internet und mir auf den ersten Blick nicht geklappt hatte, und wir das Büro wieder hergestellt hatten, fand ich das Internet im Hinterzimmer eines Musikladens in meiner Sauerländischen Heimatstadt wieder. Im Laden mit dem klangvollen Namen „Musik und Elektronik“ rauschte ich mit entenlahmer Geschwindigkeit mit Debbie durch das Internet. Viel gab es damals noch nicht zu sehen. War ja auch neu. Weil es nicht so viel zu sehen gab, beschäftigte ich mich dann zwei Jahre mit einer Video8 Kamera und nahm imitierte Dealertelefonate in gelben Telefonzellen auf und filmte mich selber dabei, wie ich „Gott ist tot“ in blau an die Pfarrkirche einer beliebigen Stadt sprühte.

Das Internet und ich kamen dann so richtig in Fahrt, als ich im Sommer 1998 beim Fraunhofer Institut anfing zu arbeiten. Das war super. Da gehörte Internet zur Arbeit. Den ganzen Tag war man drin. Und es gab auch drinnen endlich was. Ich legte mir mit feuchten Augen meinen ersten E-Mail Account an. Bei gmx. Ich kannte nur leider niemand anderen, der Internet hatte. War noch zu teuer. Das Fraunhofer machte mich gleich richtig abhängig. Es gab eine Glasfaserstandleitung. I was fixed. Die teilten wir mit der TU Darmstadt und ja, wir hingen nur in diesem Internet. Die Mädels aus der Grafikabteilung und ich hatten ein super Hobby: Mit gefakten Namen im Pralinechat abhängen. Wenn es um Sex ging, war das Internet schon immer am schnellsten. Dieses böse, böse Internet. Was wir da gemacht haben? Keine Ahnung mehr. Wenn wir nicht gerade irgendwelche Jahresberichte mit 3-D Grafiken drin erstellten, dann hingen wir halt da rum. In diesem Internet.

Weiter geht die ganze Geschichte dann natürlich hier.

Sicherlich, ich kann die Bedenken in Sachen Datenschutz teilen. Sicherlich, ich verstehe auch die Angst einiger Leute, dort „enttarnt“ zu werden. Persönlich finde ich es aber seltsam, dass die Angst enttarnt zu werden erst jetzt mit dem Buttonkrieg so massiv wurde. Oder so deutlich. Diese Gefahr war schon immer da. Wer solche Angst hat, entdeckt zu werden, der sollte einfach nichts im Internet veröffentlichen. Zuletzt ist es meine ganz persönliche Meinung, das ich solches Verhalten auch etwas feige finde. Wer schon dahergeht und große Debatten führt, wer dahergeht und Texte ins Internet stellt, der sollte zumindest dazu stehen. Finde ich.

Anscheinend unterscheide ich mich sehr von den anderen Usern: Als angeblich einzige schreibe ich bewusst Texte für eine Öffentlichkeit. Das, so kommt es rüber, finden viele dort bei jetzt.de, überhaupt nicht gut. Viel Schelte bekomme ich aus diesem Grund. Egozentrisch sei ich und aufmerksamkeitshaschend. Zumindest mache ich mir nichts vor. Ich mache mir nicht vor, ich veröffentliche etwas „nur für mich“ im Internet. Wenn man etwas veröffentlicht, dann will man immer wissen was damit passiert. Es führt den Sinn des „Veröffentlichens“ ad absurdum, wenn man nicht möchte, das es nicht gelesen, entdeckt oder was auch immer wird.

Für mich, als Autorin ist es sicherlich das normalste auf der Welt, Texte zu veröffentlichen. Aber andere sehen es als ganz schlimme Sache. Blöd finden sie es. Meine Texte total doof. Da bleibt mir als letztes zu sagen: Das hier ist das Internet. Jeder ruft eine Seite freiwillig auf. Wer meine Texte, meinen Stil und meine Meinung nicht mag, der sollte einfach nicht hinklicken.

Das ist eine ganz einfach Sache.

Ja. Again. Web 2.0. Jetzt wieder toll. Wenn des die Firma macht.

Jetzt zwitschern schon die Jobs. Microblogging – die neue Geisel der Personaler. Wired. Yes!

Wieder einmal widme ich ein paar Zeilen dem Lieblingshassmutanten der Medienwelt: Dem Baby Web 2.0. Wir erinnern uns: Vor ein paar Monaten: Böse, kommt vom Teufel. Menschen verlieren ihre Jobs, wenn sie sich privat bei Facebook herumtreiben. Böse, böse, böse. Don’t try this at home.

Ein paar mal geschlafen, ein paar Wochentage weiter, dann die Kehrtwende. Da galoppiert die News der Neuigkeiten durch die Welt, denn nun ist es das A und O neben einem drögen BWL Studium doch bitte den Web 2.0 Führerschein sein Eigen zu nennen. In höchsten Tönen belatscherte man sich in einem FAZ Artikel über die Notwendigkeit der Wendigkeit im World Wide Web. Und wie dringend die Konzerne dieser Welt die Kinder mit dem besten Web 2.0 Know-How suchen. Wir erinnern uns auch: Die Leute, die voll durchblicken und wissen das Frontend keine neue Zeitung ist und das man bei Google nicht nur ganz oben landen kann, wenn die Firma mit A anfängt, sind leider nicht die drögen BWLer die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Die Leute, die wissen, wie man innerhalb von Stunden eine Welle durch das Netz lostreten kann, die Leute die wissen: Das Internet vergisst nichts – das sind die gebrantmarkten Freaks und würden bei einer der Big Player Firmen, die so dringend nach den Heads mit dem Wissen suchen, sowieso nicht am Empfang vorbei kommen. So in etwa.

Nun geht es in die nächste Runde. Ping Pong Pang. Buff. Boing. Recruiting über den ach so geliebten Microbloggingdienst Twitter ist der neueste Schrei. Gott sei’s getrommelt und gepfiffen. Ich brauche meine Riechsalz. Im SZ – Artikel, der den süßen Titel „Zwitscher mir einen Job“ trägt, plaudern die Personaler der Big Player auf dem Deutschen Markt darüber, wie geil gut die Suche nach den richtigen Leuten für die richtigen Jobs via Twitter doch läuft.

Gerade für Branchen mit einem angestaubten Image wird es immer schwieriger, geeigneten Nachwuchs zu rekrutieren. Wie also kann man potentielle Bewerber anlocken und sich gegen beliebte Unternehmen durchsetzen? Robindro Ullah glaubt die Antwort gefunden zu haben: Der Verantwortliche fürs Hochschulmarketing bei der Deutschen Bahn erfand zwei fiktive Charaktere – Inga Zugreif und ihren Kommilitonen Ingo Bahnmüller. Beide haben ein Facebook-Profil. Und beide twittern unter den Namen DBINGa und DBINGo regelmäßig über ihren Alltag bei der Bahn. „Wir wollen euch so viel Deutsche Bahn zeigen wie möglich“, verkündet DBINGa reichlich steif über Twitter.

Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt. Nun ist es also soweit. Man weiß gar nicht mehr, was man glauben soll. Erst sind Facebook und Twitterprofile der sichere Tod auf dem Arbeitsmarkt, der Klarname an sich unter einem Blog ist die direkte Durchfahrt zum ARGE Schalter und so weiter.

Zwitschert also ein angetrockneter Großkonzern unter fiktiven Namen im World Wide Web denken die Menschen aus der jeweiligen Kommunikationsabteilung: Yeah, wir sind jetzt voll 2010. Dabei gibt es nix schlimmeres, als gefakte Profile im Netz, hinter denen irgendwelche Firmen stecken. Irgendwie hat das einen faden Beigeschmack. So, als wenn man eine Liter Wurstwasser die Kehle hinunterschüttet. Irgendwie passt das alles nicht zusammen.

Die Angst der Konzerne vor Bloggern, der Ruf nach Experten für Internet, Web 2.0, Social Networks und schreckliche Versuche, einen Fuß in die unsichtbare Tür der Blogger und Zwitscher-Welt zu bekommen, indem man sich virtuelle Mitarbeiter ausdenkt die dann, oh wie toll, Praktikumsplätze bei Twitter verteilen wollen, sind alles in allem eine schreckliche Verzweiflungstat. Das ist ja sowieso genau das, wovon es nicht genug gibt: Praktika. Das ist aber ein ganz anderes Thema. Es liegt auf der Hand, die Komzerne kommen aus dem Tritt. Meine Güte, sie haben Angst vor’m Blogger, den Freak. Bevor sie den Dialog suchen, wird erstmal geklagt. Ja, ich mahn‘ Dich ab. So läuft das in echt.

Die Schizophrenie der ganzen Nummer kommt dann zu Tage, wenn man im oben genannten Artikel weiterliest:

Die Vorteile von Twitter gegenüber gängigen Jobbörsen liegen für Thorsten zur Jacobsmühlen auf der Hand. Der Blogger und Recruiting-Stratege beschäftigt sich seit Jahren mit den Möglichkeiten des „Electronic Recruitings“: Das Unternehmen kann Kontakt zu potentiellen Mitarbeitern halten, auch wenn akut keine Stelle zu besetzen ist – vorausgesetzt, die Kandidaten registrieren sich als Follower. Zugleich erreichen die Personaler auch die Fachkräfte, die gar keine Stelle suchen und trotzdem oder gerade deswegen interessant für das Unternehmen sein können.

Alles klar. Wie kann es sein, dass sich die Personalerriege an sich nicht entscheiden kann, was nun gut und oder böse ist? Wie ist es denn nun, darf man nun Profile im Netz von sich haben, oder doch besser nicht? Oder geht es hier darum, stinklangweilige Sachen im Netz von sich zu positionieren, eine blasse Fassade, ein blöder Abklatsch einer Bewerbung mit einem gestellten Grinsen – das ist dann okay? Ist es das, was ihr wollt? Was ist mit den ganzen ehrlichen und kritischen Blogs und Seiten die uns das Internet schenkt? Die sind dann nicht okay?

Da sind wir dann wieder an dem Punkt, an dem sich Geister und Wege trennen. Entweder man ist ehrlich und sagt seine Meinung und gilt rasch als Freak, weil man mit Klarnamen im Web 2.0 rummacht, oder man ist die brave Else die im Hugo Boss Kostüm von der Twitterseite grinst. Na prost Mahlzeit.

Ich behalte das im Auge. Das geteilte Verhältnis zwischen Personalern, Konzeren und dem Web 2.0.

©Rose

Mitmach Aufforderung.

Zack zack, hier kommt sie. Unsere Aufforderung zum mitmachen.

Wie man an unseren Gastautor Freddy Krüger sehen kann, ist hier Platz für alle. Wir sind nach wie vor immer auf der Suche nach verrückten Geschichten aus dem Bewerbungsalltag. Geschichten über Arbeit und das Leben davor, dazwischen. Denn das Leben ist doch eigentlich weit mehr als Arbeit.

Bescheuertes Erlebnis gehabt? Seltsame Dinge erlebt? Schreckliche mitgemacht? Her mit Euren Geschichten. Wir verpassen Euch einen schicken Decknamen und ihr könnt Eure Geschichte mit aller Wut, aber 100% Sicherheit loswerden. Wir haben diesen Blog ja als Plattform für alle gedacht. Für alle, die Stress haben mit dem Weg der Arbeitssuche. Für von der ARGE gebeutelte.

Aber, aber, aber: Wir würden uns auch gerne einmal über Zuschriften von Personalern und Arbeitgebern freuen. Nicht mit Jobangeboten für alle, sondern vielleicht mal eine andere Sichtweise auf die ganze Maschinierie. Alles her damit, denn wir wollen eine Plattform für jeden Moment sein. Mit Geschichten zu Lachen und Weinen. Interessanten Informationen. Immer garniert mit etwas Wahsinn.

Schickt Eure Geschichten über Erfahrungen, schickt Eure schrägste Absage. Einfach her damit!

gesellschaftistkeintrost@web.de