Dritter und letzter Teil. Der Horrorjob taumelte mit mir zum Finale. Und ich sagte: Cut.

Für Kreativität ist hier kein Platz. Du kriegst ja keinen geraden Satz raus. Dich versteht doch kein Mensch.

Der letzte Teil der kleinen Horrorgeschichte. Auf zum Finale.

Die Woche drauf hatte ich mich etwas gesammelt, erst wolle ich alles direkt hinschmeißen. Aber dann sagte irgendwas in mir, okay, fight. Keine Ahnung was ich mir dabei gedacht habe, denn eine verlorene Schlacht kann man ja nicht mehr gewinnen. Aber ich zog in jene verlorene Schlacht und sprach die beiden Herrschaften darauf an, was die Aktion im gesamten zu bedeuten hat. Unter anderem auch für mich, für mich persönlich ist das Schreiben mit das wichtigste an der PR. Weil meine Passion das Schreiben ist, habe ich mir die PR als Arbeitsfeld gesucht, um meine Kreativität dort einsetzen zu können.

Ich sagte auch, dass die Formulierung „Du bist nur Pop“, mich in den Grundfesten erschüttert habe. Ich finde Popkultur großartig. Die ganze Welt lebt und atmet Tag für Tag Popkultur. Alles ist Pop. Remember Warhol, die alte Popschlunze. Und so weiter. Ich kam aber gar nicht bis zum Ende, zum Ende dessen, was ich sagen wollte. Mrs. Germanstitk Gundula fiel mir ins Wort. Da sie ja auch andauernd Moderationstexte für den Radiosender XY schreibe, wisse sie ganz genau, was die Menschen verstehen. Sie könne mir sagen, ich bekäme keinen geraden Satz heraus. Ich könne nicht schreiben und daher habe sie beschlossen, mir das Schreiben „wegzunehmen“ . Es sei zu gefährlich. Da müssten sie sich ja schämen. Und so weiter. Ich habe dann mit letzter Kraft gesagt, dass es ziemlich unprofessionell ist, sich mit mir nicht an einen Tisch zu setzen und mir die Möglichkeit der Korrekturphase zu geben. Die sei aber normalerweise üblich. Ja, sagte da der Hippie mit dem langen unsichbarten Bart, dafür habe er ja nun auch keine Zeit. Das Thema sei nun beendet und es ginge nun darum als tolles Team bis zum Ende durchzuhalten. Was für eine lächerliche Idee.

„Fühl Dich jetzt nicht degradiert“.

Das war der letzte Satz.

Ich fragte mich tief im Innern, wie ich all das Geschehene ausblenden sollte. Ich wusste es einfach nicht. Ich habe es aber ein paar Tage versucht. Aber als es dann darin gipfelte, dass Gundula Germanistik mir unter die Nase rieb, wie verzweifelt ich doch wirke aufgrund meines Lebenslaufes und auf meinen Leichen im Keller rumtrammpelte, wurde es mir nach und nach zu bunt. Aber ich ging immer noch hin und wurde königlich schlecht und seltsam behandelt. Ich dachte mir: Ich muss das jetzt duchhalten, ich darf jetzt nicht schwach sein. Ich geriet innerhalb wenige Tage an den Rand der Debilität.

Von dem Tag an durfte ich in InDesign Dokumente erstellen und ans Telefon gehen. Kontakte mit „Außen“ waren mehr als wenig, quasi gar keine. Ich kam mir vor, wie ein in Quarantäne gehaltener Idiot. Der nächste große Akt war dann die Pressekonferenz. Und es sollte auch der letzte sein.

Interlude III

Ich hatte die Idee gehabt, für die Journalisten kleine Taschen zu packen. Pressetaschen. So hatte ich es gelernt. Begeistert war niemand, aber irgendwie bekam ich dann eines Tages 200 Taschen, die ich mit dem Material der Sponsoren und den Pressemappen füllen sollte. Eine Woche lang machte ich von Hand die Mappen, beklebte CDs mit Labelaufklebern und frickelte mich so durch die Tage. Setzte in InDesign die Pressetexte, die dann von Extern geliefert worden waren. Allerdings waren die Herrschaften auch hier nicht gnädig. Die Autorin, obwohl die ja, so wie mir gesagt worden war, eine „professionelle“ Autorin sei, hatte in den Augen des Hippies auch wohl auch nicht ganz auf deren Niveau geliefert. Daher hat es es dann alles selber noch mal über und neu geschrieben. Niemand ist gut genug, um dem Herren auf seinem hohen Ross das Wasser zu reichen. Alles nur Idioten. So kam es mir so langsam vor.

Als ich die Taschen anfing zu packen, nahm er mir die Flaschenöffner eines Hauptsponsers weg. Der lokale Bierbrauer hatte schicke auf Fünfziger Jahre gemachte Flaschenöffner geschickt. Aber: Die waren nicht auf Hagens-Hausbesetzer-Kultur-Niveau. Ich musste sie aus den Taschen nehmen. Das würde ja Alkoholkonsum bei den Journalisten implizieren. So etwas macht man nicht. Da dachte ich mir: Ey, wenn ihr ein Problem mit Bier habt, dann solltet ihr keinen Bierhersteller als Sponsor nehmen.

Am gleichen Tag sollte ich von den Partnern ein paar Sätze einfordern. Da ich gerne zitierfähige, kleine Geschichten wollte, mit etwas Leben drin, schrieb ich an die Pressesprecher der Partner eine Mail. Und bat um ein Statement. Daraufhin durfte ich mir drei Stunden lang von Kommunikationsprofi Hagen Weintraub anhören, dass hätte ich ja total falsch gemacht. Die würden ja jetzt alle voll die Romane schreiben. Ich sagte ihm, ich wollte von jedem eine kleine Geschichte mit etwas Leben und außerdem sei in der Kommunikation bekannt, was ein Statement ist. „In der Kommunikation zwischen Menschen ist überhaupt nichts bekannt, deswegen gibt es auch Krieg“, war die Hippie Antwort auf mein aus dem Lehrbuch rausgesuchtes PR-Tool. Ich hätte in dem Moment einfach nur noch kotzen können. Nach drei Tagen kamen dann die ganzen „Statements“, von denen angeblich keiner wußte was es ist, per Mail. Hübsche, kleine Geschichten von fünf Sätzen. Aber mich erstmal wieder zersägt haben. Großartig.

Die Pressekonferenz

Die Pressekonferenz fand an einem Freitag in den Hallen einer der touristischen Aktionen in Köln statt. Ganz große Nummer. Ich mich total ordentlich angezogen, von meinem wenigen Geld noch einen ordentlichen Rock und so richtige Frauenschuhe mit sechs Zentimetern gekauft. Mein letztes Geld dann noch beim Frisör gelassen. Als ich dann morgens ins Büro kam, sagte der Hippie süffisant „Oh, da kommt Frau Doktor Jakobs“. Ich dachte mir einfach ein paar Schimpfwörter. Die Schnepfgenhöpfger erzählte jedem am Telefon, der es nicht wissen wollte, wie gestresst sie sei, denn es sei ja nun Pressekonferenz. Dabei gab es mal wieder keinen Stress. Ich hatte alles im Vorfeld alleine organisiert. Die Mappen gemacht. Die Einladungen geschrieben – ja, verrückt,die durfte ich noch selber schreiben, das war vor dem Pop-Veriss und diese wurde auch von der PR-Stelle der Partner problemlos freigegeben, an dem Tag waren die Kulturkönige nämlich so fucking busy, dass die Pressestelle der Partner das Ding abgesegnet hatte – versendet, nachtelefoniert und Listen geschrieben. Gundula hat nicht mal einen Funken von Hilfe überspringen lassen. Als die Germanistik-Königin mir beim Sortieren der Mappen helfen sollte, war es ihr ja zu kompliziert, die Unterlagen in einer bestimmen Reihenfolge zu ordnen und zu tackern. Hauptsache studiert, aber die grundliegenden Dinge nicht gebacken bekommen. Fünf Pressemitteilungen im Akkord ordnen und tackern. Prost Mahlzeit. Aber grundlos wieder die Tüte mit dem imaginären Stress im Glaskasten ausschütten. So was Beklopptes.

Ich war ganz locker, war ja nicht meine erste PK, meine Taschen waren gepackt und ich wartete auf den Wagen, der mich und meine Taschen zum Ort des Geschehens fahren sollte. Die Germanistik-Königin machte mich wahnsinig. Ich fragte eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn der PK vorsichtig, wann denn jetzt der Wagen käme. Da wurde ich angeraunzt, ich solle doch mal keinen Stress machen.  Zum Totlachen. Eigentlich gab es ja, wie gesagt, überhaupt keinen Stress. Nicht so ein bisschen. Ich hatte schon ganz oft in meinem Leben viel Stress. Ich erinnerte mich an Jahreshauptversammmlungen und Verbandstagungen, letztere am besten auch noch in vier Sprachen und so. Egal. Egal. Egal. Aber es wurde halt mal Zeit, zur Location zu fahren. Egal.

Ich war also darauf vorbereitet, Journalisten zu begrüßen, Fragen im Anschluss zu beantworten. Alles halt, wie es sich gehört.

Die Geschichte mit der eigentlichen PK ist schnell erzählt. Ich durfte die Taschen auf die Stühle legen und dann wurde ich hinaus geschickt. Besser gesagt: Ich durfte mich an den Eingang stellen und musste dafür sorgen, dass die ganzen japanischen, englischen, amerikanischen Touristen sowie Schulklassen aus aller Herren Länder nicht den Gang zur PK nahmen. Ich durfte abwechselnd auf Deutsch und auf Englisch sagen: Zur Dombesteigung geht es da lang. Hier können Sie nicht durch.

Das war toll. Es war total absurd. Ich stand dort zwei Stunden, auf meinen neuen Schuhen und der Wind von der Domplatte rauschte mir um die Blase. Ich hatte Angst, ich kriege gleich eine Trombose, sowie eine Nierenbeckenentzündung und die Bauchweghose, in Kombination mit den Schuhen, brachte mich einfach um. Ich erklärte den Menschen, wann der Dom gebaut wurde und wie sie am besten zum Hauptbahnhof kommen. Warum es keinen Aufzug gibt. Warum am Vortag eine Verzierung des Doms aus Sicherheit vor Sturm abgenommen wurde – all so ein Firlefanz.

Drinnen spielten Gundula und Hagen Gott vor der lokalen Presse. Von der PK bekam ich nichts mit. Ich durfte erst am Ende wieder dazu. Um die restlichen Taschen wieder einzusammeln. Also, das gab mir dann einfach den Rest. Ich durfte nix sagen, nichts machen, nicht gesehen werden. Es ist mir neu, dass man seine PR-Referentin an den Eingang stellt. Damit niemand die PK stört. Mensch, was kam ich mir bescheuert vor. Am Tag vorher hatte Hagen noch die Idee gehabt, mir Visitenkarten zu drucken. Auf denen stand: Rose Jakobs. Presse Referentin. Und in den Mappen war unter allen Texten, die ich ja nun aber nicht mehr geschrieben hatte, mein Name als PR-Kontakt angegeben.

War wohl nix.

Der Montag danach

Tja, machen wir es kurz. Ich hatte keinen Bock mehr. Ich ging montags ins Büro und ich fühle mich beschissen. Krank. Ich wollte nicht mehr schreiben. Ich wollte gar nix mehr. Ich konnte das alles nicht mehr ertragen. Am Freitag noch die dummen Sprüche der beiden, dass hat mir einfach den Rest gegeben. Montags lies ich mich dann am Nachmittag von einem Freund abholen, ich hatte die Schnauze voll.

Ich wurde krank. Ernsthaft. Einfach nur krank. Lag heulend zu Hause. Zweifelte an allem. Es dauerte eine Woche bis ich wieder einigermaßen aufgepäppelt war. Ich ging noch einmal ins Büro, versuchte ein paar PR-Maßnahmen nach Lehrbuch zu lancieren, aber egal was ich vorschlug, mir wurde immer nur gesagt, so geht es nicht. Oder am besten war: Ich verstehe nicht, wie Du das meinst. Nachdem ich fünf Mal erklärt hatte, dass ich einzelne Acts aus der Eventreihe gezielt bestimmten Ressorts anbieten will. Auch als ich vorschlug, einen q&a zu entwickeln, wurde mir gesagt, man wisse nicht, was das sei. Davon habe man noch nie gehört. Ebenso hatte man auch noch nie davon gehört, das gesammelte Artikel aus der Presse, Clipping heißen. Ich nannte meine Medienresonanz aber Clipping. Ich musste den Ordner umbenennen. Lief so nicht. Kennt ja keiner so. Sagt ja kein Mensch.

Das Ende

In der achten Woche ging mein Körper einfach komplett auf die Barrikaden, ich konnte die schnippischen Bemerkungen der frotzelnden Germanistikfrau nicht mehr ertragen, der Satz mit „Du bist nur Pop“ lastete schwer auf meinen Schultern und den Rest gab mir der vertrauliche Hinweis aus der Grafik. „Du, die haben bisher jedes Jahr die PR-Frau fertig gemacht. Es gab noch keine, die hier nicht geweint hat“. Aber da wusste ich: Ich werde es nicht sein. Ich verzichte auf diese Erfahrung. Ich habe nach acht Wochen genug gehabt. Es sollten zwölf insgesamt sein, aber ich beende das Spiel vorzeitig. Ich lasse mich von zwei überheblichen Egomanen nicht brechen. Ich habe versucht nach Lehrbuch zu arbeiten, ganz konstant alles anzuwenden, was ich gelernt habe.

Ich habe jeden Tag pünktlich meine Arbeit aufgenommen und ich habe mich sogar wieder mit so einem Kram wie Grafik und Layout rumgeschlagen, obwohl das nicht so mein Lieblingsding ist. Ich habe das alles gemacht. Ich habe mich brechen lassen. Für einen Job, in dem mir total viele Kontakte in die Kulturszene versprochen wurden. Hat super geklappt, wie ich die ganzen Tage da hockte, alleine im Glaskasten und am Ende dann einen besseren Türsteher bei der PK geben durfte. Das war ganz wunderbar. Ich bin an niemanden heran gekommen, durfte mit niemandem sprechen, eigene Ideen wurden nicht gehört. Eigentlich hat es mir gar nichts gebracht, ausser dass man mich eiskalt abserviert hat, obwohl ich motviert und lernbereit in die Sache hinein bin.

Ich bin noch nie im Leben bei einem Job so unmenschlich behandelt worden. Und das ist der Hauptgrund, warum ich dann am Ende die nette Geschäftsführerin angebettelt habe, mich bitte zu kündigen. Da stand ich also nun da, nach acht Wochen. Man hatte mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Dabei wollte ich eigentlich nur ein bisschen „On the Job“ sein, etwas Erfahrungen sammeln um nicht ganz aus dem Tritt zu kommen. Ich wollte meine Fähigkeiten anwenden.

Du bist nur Pop. Ja, ich bin nur Pop. Aber wenigstens bin ich nicht so eine arme Fritte, wie die beiden Kulturszenekenner. Ehemaliger Hausbesetzer, sowie frisch von der Uni gefallene Germanistik Tussi, die meint, sie hätte das Recht zu entscheiden was guter Text und was schlechter Text ist. Ich habe eines aus der Sache gelernt: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Ich muss besser achten, wo ich lande. Ich hätte es beim Gespräch merken müssen. Ich hätte stutzig werden müssen, als man mir sagte, die PR mache jedes Jahr eine andere. Und dass ich über die Leute die es vorher gemacht haben, nichts finden konnte. Im Nachhinein ist mir einiges klar. Ich sollte dort nur funktionieren. Aber ich hatte eigene Ideen und habe kraftstrotzend meine PR Kenntnisse in den Ring geworden. Ich habe das richtig ernst gemeint und wollte ’nen super Job abliefern.

Das hat denen nicht gefallen. Also wurde mir gezeigt, wo die Grenze ist. Und was die Kritik an meinen Texten angeht: Kritik war das nicht, das war ein eiskaltes Abservieren. Es war absolut unprofessionell und es war persönlich verletzend. Ich finde, so etwas sollte nicht in der Art passieren.

Es ist mal wieder ein Beispiel für die Kategorie „So bitte nicht“. Ich habe daraus gelernt, mir nun eine Stelle zu suchen, die 100 % zu mir passt. Und nicht irgendwas zu nehmen, um etwas zu haben. Keine Kompromisse mehr. Und jeder der sagt, man muss sich selber aufgeben um Arbeit zu haben, dem sage ich: In was für einer Welt leben wir eigentlich inzwischen?

Eines möchte ich noch sagen: Das restliche Team, die im Haupthaus, waren wirklich tolle Menschen. Gerne hätte ich mehr mit ihnen gearbeitet. Auch bin ich froh, dass ich am Ende mit der wirklich super netten Geschäftsführerin einen Ausweg finden konnte. Da mich das Ganze ernsthaft krank gemacht hat, so seltsam es auch klingt, habe ich sie um die Kündigung gebeten. Und sie ist mir entgegen gekommen. Nun bin ich raus. Danke. Sie und die anderen können ja nichts für die Willkür der beiden Herrschaften. Und auch die anderen Beteiligten an dem Event können nichts dafür. Das möchte ich wirklich noch einmal betonen. Es lag einzig und allein an dem unmenschlichen und respektlosen Verhalten von Hagen und Gundula. Und der schlimmen Tatsache, dass sie es „immer“ so machen. Wirklich traurig, eigentlich.

Letzte Gedanken zum Job aus der Hölle

Viele mögen nun sagen, ich darf so eine Sache nicht aufschreiben. Es sei illoyal. Ich habe sehr lange darüber nachgedacht, aber die Geschichte ist es irgendwie wert, erzählt zu werden. Sie ist ein gutes Beispiel, wie einem Jobs unter falschen Tatsachen schmackhaft gemacht werden, man stürzt sich hinein, gibt alles und knallt vor eine Wand. Das ist ja eigentlich noch nicht so schlimm, schlimm ist die persönliche Ebene, die dort angekratzt wurde. Die unmögliche Art und Weise der Kommunikation, die Arroganz und all das zusammen. Ich bin dort angestellt worden, so sagte man mir ja, weil ich so viel Erfahrung habe und ich sollte selbstständig die Unit führen. Wenn auch nur auf Basis eines Projektes, als Aushilfe. Für drei Monate. Doch ich bin da gar nicht zu gekommen. Jede eigene Idee wurde zunichte gemacht. Jede klassische PR-Maßnahme wurde ausgeknockt und mir wurde unterstellt, ich habe in Wirklichkeit keine Ahnung von dem was ich tue, noch könne ich schreiben. Nun frage ich noch einmal zum Ende: Wo bin ich da nur hinein geraten? In ein seltsames Konstrukt in einem Projekt. In eine verlorene Schlacht.

©Rose

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Textabgabe der besonderen Art. Eiskalt abserviert. Die Jobgeschichte. Zweiter Teil.

Eiskalt abserviert. „Du bist nur Pop“.

Und plötzlich bekommt man Schnappatmung. Wie innerhalb von wenigen Tagen aus dem Job, der die „Chance“ sein sollte, ein einziges Desaster wird. Und eine Geschichte darüber, wie unmenschlich es abgehen kann.

Interlude I

Hagen telefoniert mit ein paar Institutionen, danach hat er ein Meeting. Da sagt er klipp und klar, die Besucher des Events haben ja sowieso alle nur Realschulabschluss, daher können die ja sowieso gar nicht fassen, was denen da geboten wird. Sind ja sowieso alles nur Idioten. Pah. Diese bescheuerten Besucher, haben ja alle von Kultur und Intellekt keine Ahnung. Niederes Volk.

Am Ende des Tages fragte ich vorsichtig, ob ich was fragen darf. Es ging um das System der Akkreditierung und ich hatte eine Idee, wie man das etwas optimieren könnte. Hätte, hätte. Da war aber nicht viel Raum für meine Ideen. Nee, das wird nicht geändert, haben wir immer so gemacht, bleibt immer so. Ich habe leise gesagt, naja, aber in den großen PR Units macht man die Abwicklung heute zentral, man will ja den Journalist persönlich sehen, nur in Ausnahmefällen schicke ich ihm sein Presseband mit der Post zu. Wozu hat man denn dann einen Pressepoint, wenn da eh keiner vorbeikommt, weil alle, alles geschickt bekommen? Wieder so ein Moment.

Erste Zweifel.

Ich bekam meine ersten Zweifel. Wollte ich mit den beiden über den Ablauf von konkreten PR-Maßnahmen sprechen, hatte niemand Zeit. Es war entweder keiner da oder wenn ich fragte, ob ich was fragen darf, sagte Hagen Weintraub „Ja“, und im nächsten Moment verließ er einfach wie ein verrückter Professor den Raum, und kam erst Stunden später wieder. Naja, dachte ich mir, kann ja alles nicht so schwer sein. Ich wusste ja was ich zu tun hatte, nach der Hammer Recherche stand es nun auf dem Plan, acht Texte zu schreiben. Pah, dachte ich mir, gar kein Problem. Ich fing also einfach an, ich schrieb mit die Hirnrinde wund. Sieben Tage. Acht Texte. Zwanzig Seiten. Mir wurde sogar noch der wunderbare Hinweis gegeben, wenn es gute Vorlagen von offizieller Seite gibt, was Inhalte, Teilnehmer und Beteiligte angeht, soll ich diese doch bitte übernehmen um Freigabeprobleme mit den Partnern zu vermeiden. Selbst das habe ich gemacht und verschwitzt vertrackte Textfragmente aus Pressetexten der Teilnehmer, Partner und so weiter eingebaut. Und dann kam der Tag, an dem es knallte. Es kam alles so schnell, ich konnte gar nicht gucken. War ich doch von lauter Datenbanken bauen, Datenbanken füllen und dem Dasein als Teilzeit Sekretöse total vereinnahmt, ich sehnte mich nach Menschen und einen Plan, da unten in meinem Glaskasten. Ein Team. Aber das sollte nicht werden.

Interlude II

Hagen Weintraub steht in der Mitte unseres Glaskastens und sagt in einem seltsamen Ton zu mir und Gundula „Erinnert Ihr Euch noch an diesen toten Politiker in der Badewanne…?“, er macht eine kurze Sprechpause, als hätte er irgendwann zu Hause diesen Moment einstudiert, er schließt kurz die Augen, sein Gesicht wird plötzlich von einem Grinch Grinsen verziert. „Ach, da wart ihr ja noch viel zu jung….“. Ich sage trotzig, „Natürlich weiß ich wer das war. Uwe Barschel, ja und?“. Ich bin doch nicht blöd. Und ich kann mich noch ganz gut an das Drama erinnern, auch wenn ich ein Kind war.

„Ja, wisst ihr, bei uns früher in der Hausbesetzer Szene da hatte einer so ein T-Shirt. Da war der tote Barschel drauf und drüber stand in dicken Lettern >>In meiner Badewanne bin ich Kapitän!<<. Ich fand das null komisch. Eher geschmacklos. Ich starrte ihn an. Dann klatschte er wie ein kleiner Gnom in die Hände, machte noch einmal das Grinchgesicht und ging dann zum Bäcker und kam mit einer Apfelschnitte zurück. Ich durfte mir die Hausbesetzergeschichte noch ein paar Mal anhören. Überhaupt, Hausbesetzer. Voll die Riesennummer. Wir dummen Leute von heute, vor allem die, die nur auf der Realschule waren, wissen überhaupt nicht mehr, was das war und warum man das gemacht hat. Alles klar. And in the middle of the celebration, I break down.

Zwischendurch: Imaginärer Stress

Dann diese Sache mit dem imaginären Stress. Eigentlich lief jeder Tag dort total entspannt und easy. In meinen Augen. Aber die beiden turnten immer über ihre Schreibtische und erzählten allen, wie gestresst sie seien. Dann gingen sie sich einen Cappucino kaufen und kauten eine Apfelschnitte oder, ja, gingen zum Frisör. Wenn ich richtigen Stress habe, habe ich keine Zeit zum Kauen und für den Frisör. Ich wagte es, igendwann mal zu sagen, Stress sei bei mir aber anders definiert, ich sei doch mal gespannt wie sie dann bei richtigem Stress abgehen würden. Da erntete ich Blicke, gefüllt voller Unglaube. Wirklich, es war dort nichts wirklich stressig, ausser das Gerede von angeblichem Stress der nicht da war. Angeblich hatte keiner Zeit für irgendwas und alles war total busy. Dabei lief alles ernsthaft im Schneckentempo ab. Ich habe so etwas noch nie erlebt. Imaginärer Stress. Das war eine der seltsamen Randanekdoten bei dem Job. Stress, der gar keiner ist, den man nur selber dazu macht. Und es allen erzählt. Aber warum nun?

Textabgabe.

Am Tag nach meiner Textabgabe kam ich ins Büro. Natürlich wie immer, früher als die beiden Könige der Kultur. Da lagen sie da, meine Texte. Zwanzig Seiten, von oben bis unten nur rot. Selbst die implementierten Teile der Partner waren rot und roter. „Das geht so nicht!“. „Das ist kein Satz“. „Da müssen wir noch einmal ran!“.

Ich war irritiert. An nix wurde ein gutes Haar gelassen. Durchgestrichen, unterstrichen. Selbst an Zitaten aus der hiesigen Popkultur waren Kringel dranne und die Frage, natürlich in rot, „Was soll das heißen?“. Weil ich in jenem Moment so richtig Wut hatte, da ich sieben Tage an diesen zwanzig Seiten geschrieben hatte, klebte ich neben die roten Kommentare ein paar Post its, auf denen ich meine Worte erklärte. Vielleicht war das etwas unüberlegt. Aber ich war echt sauer. Den ganzen Tag wollte ich das geklärt haben, weder Hagen, der alte Hippie, noch die frisch von der Uni gefallene Gundula mit ihrem Wahnsinns-Germanistikstudium äusserten sich zu jenem unendlichen Gemetzel in rot auf den zwanzig Seiten. Gegen Feierabend gab es ein kurzes Aufbäumen. Ich teilte meine Seite der Geschichte mit. Ich wurde damit abgespeist, ich sollte mich mal bitte zurück halten, ich hätte nur zu funktionieren, Informationen zusammen zu fügen. Für Kreativität sei kein Platz.

Pow. Whow.

Du bist nur Pop“

Das Dicke Ende kam am Freitag jener Woche. Mit einem Lächeln stellte der Hippie mir einen Becher Kaffee auf den Tisch und sagte mir, wir würden jetzt mal was besprechen. Ich dachte mir: Toll, jetzt reden wir endlich mal über die Texte. So inhaltlich und ich kann auch mal sagen, wie ich das meine und so weiter. Und dann ging es sehr schnell und ich befand mich in einem bizarren Film:

„Ich habe mir Deine Texte gestern alle durchgelesen. Mir hat das alles überhaupt nicht gefallen. Man merkt wo Du her kommst. Du bist nur Pop. Das ist nicht unser Niveau“. Ich war sprachlos. Ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte. Das hat echt reingehauen. Meine Güte. Unter mir tat sich der Boden auf, ich bekam Schnappatmung, feuchte Hände und dachte das ich nicht mehr denken kann.

Ich riss mich zusammen und setzte zu einem „Ja, was gefällt Dir denn nicht, zeig mir die Passagen und ich überarbeite das gerne über das Wochenende und näher mich gerne der gewünschten Tonalität an“. Nein, sagte der Mann, der T-Shirts mit toten Männern drauf lustig findet. „Nein, das Risiko gehe ich nicht ein“. Dann bekam er einen Anruf, von irgendjemandem, der unheimlich wichtig war. Sicher jemand mit Kulturverstand und Niveau. Ich taumelte noch etwas über der geöffneten Hölle hin und her. Dann verließ ich wie von Sinnen, wie in einem schlechten Film, das Büro, nachdem er mir auch noch meine Bildauswahl zerrissen hatte. Alles total scheiße ausgewählt. Alles ohne Niveau.Von einem Ex-Hausbesetzer, Original mit 68 Logo unsichtbar auf die Stirn gebrannt, und allem drum und dran, inklusive Demeter Obst Abo, ist das eine Beschimpfung: Du bist nur Pop.

Ja, ich gebe es zu. Vielleicht habe ich mich etwas angestellt. Aber ja, meine Schreiberseele fühlte sich arg beschissen und ich dachte an Aufgabe von allem. Mir. Schreiben. Kurzzeitig auch atmen. Und so weiter. Drei Tage lang kämpfte ich gegen irgendwas in mir und versuchte, wieder Boden unter den Füßen zu spüren. Ich blätterte wie von Sinnen durch die Berge meiner journalistischen Veröffentlichungen und schlug mir mit meiner ersten Buchveröffentlichung vor die Stirn und zeichnete für jede von 600 Kurzgeschichten einen imaginären Strich auf eine imaginäre Wand. Traurig sah ich Tag für Tag auf das Interview in der SZ und erinnerte mich an das wunderbare Blogstipendium. Aber besser ging es mir nicht. Albern, aber leider wahr. Für mich war das der super Gau. Ich bin noch nie so komplett verrissen worden. Ich schickte die Texte an Freunde und andere PRler, und keiner verstand, worum es wirklich ging. Sicher, da waren sicher Schnitzer drin. Natürlich habe ich mir nicht gedacht, ich liefere da einen Text ab und die segnen den zu 100% ab. Nein. Ich hatte mit einer Korrekturphase gerechnet. Wie es halt üblich ist, man setzt sich hin und bespricht das. Aber die fiel ja nun aus.  Und ich glaube im Nachhinein auch, es ging gar nicht um die Texte. Es ging um was anderes. Aber das wurde mir erst am Ende klar. Jedenfalls ging angeblich keiner der Texte. Nicht ein Satz war ihnen gut genug. Ich fragte mich, ob die eigentlich meine acht Textproben gelesen hatten, vor der Einstellung. Hatte ich diesen Job nicht aufgrund meiner Schreibe bekommen? Ich wußte nicht mehr, worum es wirklich ging.

Die Geschichte ist hier lange noch nicht zu Ende. Es wird nur noch richtig lustig. Wenn man es mit Abstand betrachet. Morgen geht es weiter.

©Rose

Die erste Fortsetzunggeschichte. Die Sache mit dem Job. The job den ich hatte. Bis gestern. Bis ich um die Kündigung bettelte.

Endlich Arbeit. Und dann öffnete sich die Hölle. Ein Fortsetzungroman.

Ja, es wird eine Geschichte in mehreren Teilen, weil es sonst etwas too much für die Augen wird. Hier also Teil eins der Geschichte:

Machen wir es kurz: ich habe jetzt wieder Zeit. Der Versuch mit mir und der Arbeit ist reichlich schief gegangen. Ich lerne nun jeden Tag eine Stunde Französisch dank Rosetta Stone und pauke, oh Herr im Himmel, etwas Grammatik mit netten Duden Übungsheften. Nachdem ich total demontiert nach acht Wochen „Job“ gesagt habe „Stop“, richte ich mich nun auf eine Winterpause ein. Seelisch. Quasi.

Die Sache mit dem Job ist eine schwierige Geschichte. Ich will nicht gleich als die Heulsuse da stehen. Nein. Ich habe einfach nur eine der seltsamsten Erfahrungen meines Lebens gemacht. Und das nach, ja ich weiß, ich nerve damit, zehn Jahren on the job. Ich habe auch lange überlegt, ob ich die Geschichte erzähle. Aber nun, mit einigen Tagen Abstand und nach viel Grenzgang mit mir selber auf Messers Schneide, schreibe ich sie auf. Es ist meine Geschichte und meine Meinung. Und jeder, der vielleicht eine Idee hat, wo der Haken war, der schreibe mir doch bitte. Ich bin da wirklich offen für jede Idee und jeden Rat. Und ich habe auch einen Rat, aber den erst am Ende.

Die erste Woche. Und so.

Der erste Tag war ja so toll. Ich dankte der ganzen Welt. Ich hatte wieder Arbeit. Total motiviert stand ich pünktlich vorm Büro. Es war neun Uhr in der früh, der Herbst hatte sich pünktlich über Nacht in den Straßen gelegt. Ziemlich guter Dinge stand ich nun da, ordentlich angezogen, dass Haar gekämmt und drei PR Ratgeber unter’m Arm. Das Spiel sollte beginnen. Ich als PR-Refrentin dieser Kulturfrickelveranstaltung. Ich darf den Namen hier leider nicht nennen, sonst droht ein flammendes Inferno, aber sagen wir es so: Es ging und Kunst und Kultur im absolut gebündelten Ausmaß. For the masses.

Was man mir nicht alles Tolles offeriert hatte. Selbstständig die PR leiten, Schreiben, Journalistenkontakte, Betreuung und den Rest der Palette. Ich glücklich und voller Ideen, schon vor dem ersten Tag tagelang Listen mit Teilnehmern, Partnern und Sponsoren gelernt, recherchiert, Wissen in mich fließen lassen wie Wasser. Ich wollte so perfekt sein. Ich wollte einen kleinen, aber perfekten Job abliefern. Es sollte völlig anders kommen. Am Ende war ich demontiert, gebrochen und lag daheim tagelang in der Ecke, und wimmerte aus Angst vor meinem Leben als Putzfrau für einen Stundenlohn unter vier Euro.

Nun aber zurück zum ersten Moment. Ich stand da vor dem Büro und niemand kam. Ich wartete bis viertel nach neun, als die freundliche Geschäftsführerin des Stammhauses an mir vorbei kam. Sie grüßte mich nett und sagte mir, falls da bald nicht mal einer auftauchen würde, solle ich doch hoch zu ihr kommen und dort auf meine zukünftigen „Chefs“ warten.

Sprung ins kalte Wasser

Irgendwann kamen die zwei und es gab keine große Besprechung zum Anfang, sondern es ging einfach los. Zack, bumm. Da, mach mal. Okay. Ich sollte gut 40 Teilnehmer, Partner etc. des Events gegen recherchieren. Ich tat die ersten acht Tage nichts anderes, als Tag für Tag, Infos zu recherchieren. Seitenweise. Drei Ordner voll. Für den Autor, damit der, wenn er das Programmheft für den Event schreiben sollte, selber nicht recherchieren muss. Aha. Werden Autoren nicht eigentlich dafür bezahlt, dass sie selber Informationen suchen und aufbereiten? Na, egal. Ich sah es als hübsche Übung schnell auf dem gleichen Stand wie der Rest der Mannschaft zu sein. Fleißaufgabe. Und hey: Ich war doch so glücklich, einen Job zu haben. Ich war doch wie geblendet, dass mich jemand genommen hatte. Die ersten Tage waren toll. Ich wurde gegen Mitte der zweiten Woche für meine tolle Selbständigkeit gelobt und man fand es toll, wie souverän ich mit den Leuten am Telefon spreche und man war auch total Happy das ich Grafikprogramme bedienen konnte. Pah. Dabei sollte es auch bleiben, juchzte man in Woche zwei noch „Wir stellen Dich fest an“, war es bald damit vorbei und man zeigte mir, wo der Hammer wirklich hängt.

Außerdem schrieb ich in diesen ersten Wochen noch eine Bilddatenbank mit Bildrechten. Hunderte von Bildern mussten archiviert werden, mit Copyrights, Bildunterschriften mussten her. Hier tat ich wohl einen meiner ersten Fehler. Eigenmächtig erfand ich einfach für die Bilder Bildunterschriften, bei denen nicht mal die Fotografen wussten, wie man es nennen könnte. Ich glaubte an mein Talent für ganze Sätze und wurde schnell eines besseren belehrt: Der Chef, nennen ihn wir mal Hagen Weintraub, sagte mir mal zackig, so geht das hier nicht. Hier wird nicht einfach was eigenmächtig selbst geschrieben. Ich nahm es hin und machte meine Arbeit weiter. Tag für Tag hockte ich alleine in einem Glaskasten, abgenabelt vom Haupthaus in dem der Rest der Stammmannschaft arbeitete. Ich sah sie alle morgens mit ihren Brötchen vorbeigehen, ich winkte ihnen, sie winkten mir. Kontakt mit Menschen war einer der Gründe gewesen, warum ich um jeden Preis um jedes Geld wieder arbeiten wollte.

Kontakt bekam ich so natürlich nicht, saß ich doch da Tag für Tag alleine mit meinen Telefonen hinter der Glasscheibe im Hof. Die Jungs von der Galerie nebenan kifften den ganzen Tag und schwätzten über Kunst, und ich wurde langsam stutzig. Es war nämlich so verrückt, dass meine beiden „Chefs“, Hagen Grünkern und Gundula Schnepfenhöpfger irgendwie nie da waren, und im Gegensatz zu mir nur eine halbe Stelle hatten. Ich die Aushilfe sollte irgendwie mehr da sein als die zwei und die beiden schwirrten andauernd ab und weg. Sie waren eigentlich nie da. Neben meiner Datenbanknummer beantwortete ich also drei Telefonapparate im Akkord, schrieb Rückrufzettel. Aber die wurden nicht verstanden. Ich schreib in etwa immer „Herr Schneider von der Waterkant, dringend RR, ist aber nur bis 15h zu erreichen!“. „Was heißt denn RR?“, fragte Hagen und versuchte mir dann zu sagen, niemand würde „Rückruf“ mit RR abkürzen. Keine Ahnung, ich habe das immer so gemacht, ich habe das in meinem Job als Abteilungsassistentin mal gelernt. RR. ASAP. Und Prio A, B, C. Hoppi, Galoppi. Der Kittel brennt.

Ich machte irgendwie alles in diesen ersten Wochen. Layout. Telefondienst. Recherche. Aber keine PR Aktionen im klassischen Sinne.

Weiter geht es direkt morgen, Mittwoch. So gegen Abend.

©ROSE

Mal so. Mal so. Eine Kurznotiz. Reservemoment

Herrschaften, heute war eigentlich ein guter Tag.  Ich hatte ein sehr gutes Gespräch für ein Projekt im Winter. Mein Gegenüber sagt direkt zum Anfang: „Warum haben Sie eigentlich keinen Job in einer Agentur? So eine leitende Position und kümmern sich…um ein Waschmittel oder so? Das fragen wir uns hier alle. Jemand mit Ihrer Erfahrung…“. Ich musste nur grinsen und konnte nicht viel anderes sagen als: „Das frage ich mich auch“.

Gerade lümmel ich hier also so herum, im Stellenmarkt nix Neues und im Fernsehen geben sich die schlechten Nachrichten die Hand. Ist gerade wie Staffellauf. Also, die Deutschen shoppen jetzt doch wieder gar nicht mehr, Konsumklima eingebrochen und einige große Zeitungen fragen sich, schafft die Agentur für Arbeit eigentlich die Sache mit dem angekündigten Sturm der Millionen Arbeitslosen im Herbst. Kalendarisch ist das „noch ein paar Mal“ schlafen. Ich glaube, da werden dann alle meschugge. Vielleicht backe ich der Müller-Lüdenscheid vorher noch einen Kuchen.  Ich hab die jetzt einfach lieb. Einfach so. Was soll ich mit der Frau nen Krieg führen. Die macht nur ihre Arbeit. Was soll es. Heidewitzka, Herr Kapitän. Was wollte ich eigentlich sagen? Ach ja, der eine sieht es so. Der andere so. Das war es.

Jetzt akut Sodbrennen bei so much viele verrückte Gedanken und diese schlechten Nachrichten. Aber immer Ruhe bewahren. Auch andere glauben an mich. Das heute morgen war einfach tierisch nett. Waschmittel. Mein eigenes. Sehen wir also: Auch andere denken, ich hätte die Betreuung eines Waschmittels oder so völligst verdient.

Irgendwann zwischen Kopfweh und schlechten Nachrichten bekomme ich eine Absage via E-Mail. Da steht es dann wieder.  Für die Stelle einer Assitentin der Pressestelle, bin ich nicht qualifiziert. Not enough drin gearbeitet in dem Bereich. Hä? War eine Halbtagsstelle und die Aufgabengebiete deckten sich mit den Dingen die ich mal bei nem großen Konzern über zwölf Monate gemacht habe. Außerdem fehlt es mir an Berufserfahrung. (Hallo? Ich war sogar dann mal drei Jahre lang „Head of weiß der Pfirsich was PR Department“). Ich frage mich gerade, ob ich die mal anrufe. Und einfach mal Frage, ob die sich meine Unterlagen überhaupt wirklich angeschaut haben. Es ist wirklich lustig, wenn man auf die Bewerbung für einen Job, den man eigentlich wirklich echt voll schon mal gemacht hat (Assistentin PR) und ein super Zeugnis über die Zeit hat so was als Antwort bekommt. „Leider müssen wir Ihnen mitteilen dass Sie für die Stelle nicht über eine geeignete Qualifikation und ausreichend Berufserfahrung verfügen“. Dabei stand in der Ausschreibung „Qualifikation: Egal“ und „Berufserfahrung: Von Vorteil“. Aha. Ab zu den Akten. Du machst mich nicht fertig, Du kleine Absage. Dich nehm ich mit links. Ab, zack und weg.

So, könnte mir mal jetzt endlich, endlich einer erklären ab wieviel hundert Jahren man denn nun Berufserfahrung hat? Ach, ich reg mich jetzt nicht auf. Ich lausche nun den Schulkindern im Hof, die wo auf verlängerte Ferien wegen Schweinegrippe hoffen. Die spielen heute nämlich Indianer mit einer kleinen Prise Mutter, Vater, Kind.

Gleich Tagesschau, noch mehr Nachrichten. Ob schlecht oder gut. Egal. Ich halte inne. Kopfweh hin oder her. Wo bleibt mein Waschmittel oder so?

® Rose