Die letzte Absage zur Absage.

Irgendwann hat man genug. Dann ist trappatonimäßig die Flasche leer, der Kittel brennt, das Fass läuft über. Es war ein Dienstag oder so, da flatterte nach sechs oder sieben Wochen – nach einer Mitteilung, ich sei in der Zwischenauswahl oder so ein Bimbes, vom Chef persönlich – eine von diesen unsäglichen Absagen, rein. Ich war es leid.

Sehr geehrte Frau Jakobs,
wir kommen zurück auf Ihre Bewerbung und danken Ihnen für das Interesse an einer Mitarbeit in unserer Agentur.
Nach Sichtung der eingegangenen Bewerbungen für die Position „PR-Berater“ müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass wir Ihre Bewerbung nicht berücksichtigen können.
Für Ihren weiteren beruflichen Werdegang wünschen wir Ihnen viel Glück und Erfolg.
Freundliche Grüße / Kind Regards
Fräulein Vorzimmer

Sehr geehrte Frau Vorzimmer,

ich möchte Ihnen freundlich und zeitnah auf Ihre Absage absagen. Ich bin es nämlich leid. Warum sind ausgerechnet die Menschen in diesen Kommunikationsagenturen nicht in der Lage, eine nette Absage zu schreiben? Absagen sind sicherlich eine anstrengende Sache. Menschen wollen Antworten. Ja, so ist das. Und das Beantworten von Briefen, E-Mails ist soziales Brachland. Heute ist es ein Sechser im Lotto, wenn man überhaupt eine Absage bekommt. Schön ist es allerdings nicht, denn eigentlich sind diese jämmerlichen, in schlechtem Deutsch getippten Absagen eine Beleidigung für jeden Bewerber, der sich die Mühe gibt, die individuellsten und lückenlosesten Bewerbungsunterlagen unter der Sonne einzureichen. Da sind schon Leute wahnsinnig geworden, wenn sie sich mit Klemmleisten die Fingernägel abgerissen haben und das letzte Passfoto (vom Fotografen!! Extra gemacht!!)  Blutspritzer abbekommen hat, weil man drei Blätter zuviel reinstopfen wollte.

Sie aber alle machen es sich recht einfach. Sie kopieren ein paar lieblose Sätze zusammen und machen vor der Kaffeepause etwas Copy und Paste.

Da ich das nicht mehr länger ertragen kann, mache ich mich nun als Beraterin selbständig. Meine Beratungsleistung wird sein: Zeig den Menschen, die sich an Dich wenden, egal ob sie einen Job wollen, oder sich beschweren, etwas Respekt. Sei ein bisschen nett. Gib Dir etwas Mühe.

Und schreib gerade, ordentliche Sätze. Vor allem, wenn Du eine Kommunikationsagentur bist, schreib nicht so, als wolltest Du das Finanzamt oder ein Vollstrecker sein.

Mit besten Grüßen,

Rose Jakobs

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