Meanwhile…Bezahlter Staatsurlaub

Was war eigentlich passiert, dass ich wieder in die Lage kommen durfte, eine Absage auf eine Absage zu schreiben. Oder in einer Weiterbildung geparkt zu werden? Es geschah, Trommelwirbel, im November 2012.  Jaja, richtig gelesen.

Drei Tage nachdem man mir eine Halterung für ein Implantat in den Kiefer geschraubt hatte, stand ich in der schönen Küche und kochte für das Team. Kochen für das Team, ein krampfhafter sozialpädagogischer Ansatz, aus meinen ganz frühen Zeiten im Jugendzentrum im Praktikum. Wenn Kochen auch die größten Rowdies vereint, warum auch nicht sozial-autistische Nerds? Prinzipiell gute Idee, aber nach drei Jahren war auch das schöne soziale Ding gegessen. Weil es so ist, wie es halt ist. Es ist höchstwahrscheinlich das Gefühl all dieser Mütter dieser Welt, wenn die Familie am Tisch mosert. Von den zu kochenden Varianten für Veganer und Vegetarier mal ganz abgesehen, auf jeden Fall: Es hat einem keiner gedankt. Ja, so ist es.

Während ich also koche und sowieso mental angeschlagen bin, da mein Kiefer demoliert wurde, erscheint der Schatten des so called Geschäftspartners über dem Kochfeld. Durch die Dunstabzüge der Suppe sagt er „Ich habe eine Lösung für unser Problem: Du gehst einfach auf bezahlten Staatsurlaub!“. Großartig! Yeah! Das ist die Lösung, weil man als Geschäftsführer einen Auftrag nicht bezahlt bekommt, weil man keinen Vertrag hat. Solche Nachrichten setzen sich bekanntermaßen. Es ist so wie im Fernsehen oder so, wenn einer eine wirklich schreckliche Nachricht bekommt. Es ist ein Moment zwischen einem Tod einer Serienfigur der Lindenstraße, oder so, wie man sich fühlte, als man 1997 an einem Sommermorgen im Videotext las „Lady Di ist tot“. Man sagt erst mal nichts. Man muss das auf sich wirken lassen. Dann gibt es verschiedene Varianten, Frauen werden meist hysterisch. Ich wurde hysterisch und wütend. An diesem Tage sagte ich Sätze wie „Ich mache aus Deiner Entscheidung meine Entscheidung“ und andere Nettigkeiten. Danach fuhr ich mit der Fähre zum Kino auf die andere Seite des Rheins. Ich versuche mich mit vier Stunden Tom Hanks und Hale Berry der Realität zu verweigern. Ich hatte trappatonimäßig fertig.

Fakt ist, ich verlor also in Zeitlupe meinen Part im Software Startup, welches ich mit geschaffen hatte. Name von mir. CD/CI von mir Corporate Wording von mir. Alles. Mein Baby.

Heute weiß ich, dass ich es schon damals wusste, wie ich da saß. Alle im Kino, in der der 14:15 Rentnervorstellung, mit einem Haufen m&ms, Limonaden und anderem Mist. Ich wusste, dass ist es gewesen. Ganz tief in mir drinnen. Aber das gehörte dann auch schnell zu den Dingen, die im Rahmen der Realitätsverweigerung, kaum zu entdecken waren.

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