Long time nothing here. Leistungskontrolle. Schönes deutsches Wort.

Sagen wir es so, dass Weiterbildungsseminar saugt mir meine Lebenskräfte raus.  Ähnlich wie die grauen Herren in Momo. Leider.

Es ist einfach so, dass ich wirklich so langsam körperliche Schmerzen habe. Warum? Darum: Neun Stunden lang in einem Raum zu sitzen, und Dinge zu lernen, die man schon in den Neunzigern gerlernt hatte, die jetzt schon wieder Schnee von gestern sind, weil halt nicht up to Date, das zerrt an den Nerven. Manchmal, da springe ich unverhofft von meinem Sitzplatz auf. Mein Körper kann dann nicht mehr sitzen, er kann und will nicht mehr. Und dann sind sie da, die körperlichen Schmerzen. Es ist wie Infarkt. Aber wir haben ja inzwischen gelernt, dass meine Ansprüche zu hoch sind und öhm die Realität so ist, wie im Institut gepredigt. Außerdem ist inzwischen das Arbeitsamt der Hauptschuldige, das lasse ich ja sogar noch irgendwie gelten. Das Arbeitsamt habe sich dazu entschlossen, innerhalb der Weiterbildung  Leistungskontrollen durchzuführen. Das ist doch richtig menschlich. Ja, das menschelt so, dass ich Schnappatmung bekomme.

Eine der „Leistungskontrollen“, eine so called Klausur, zielte auf kreatives und journalistisches Schreiben ab. Nun, ich habe „nur eine zwei“ bekommen. Ja, nur eine zwei. Und seitdem bin ich noch saurer auf diesen Saftladen hier, als ich es ohnehin schon war. Das Thema wurde mir vorgegeben, aussuchen konnte ich mir da nicht viel. Zur Auswahl standen Porträits und eine Glosse. Klaro, habe ich letzteres genommen.

Mit der Benotung bin ich sowas von nicht zufrieden, dass ich eigentlich den heimlichen Plan schmiede, einen der mit Bekannten Publizisten und Verleger zu bestechen, dass dieser „nicht so gute Text, weil zu viel Passiv“ gedruckt wird. Einfach nur, um alle total zu ärgern.  Natürlich habe ich auch noch ein paar andere Noten zurück: Jura, sehr gut. Konnte mich aber nicht beruhigen, in Sachen Wut auf die Note im kreativen Schreiben. Sowieso, Kreativität mit Schulnotensystem zu bewerten, in einer Humpty Dumpty Weiterbildung, isch dräh dorsch! Naja, vielleicht überwinde ich ja wengistens mal meinen inneren Schweinehund und mache mal was aus meinem Talent. Rappeldibappel.

Ach ja, in der Photoshopklausur hatte ich „nur eine drei“. (O-Ton Mitschülerin, „Wie, nur eine drei? Wieviel hattest Du denn da falsch?). Gar nix hatte ich da falsch, ich hatte bei sieben Fragen keine Lust die zu beantworten, weil die PC Spezifisch gestellt waren, ich aber einen Mac benutze, seit Jahren. Also habe ich die Fragen kommentiert. In etwa so „Das beleidigt meine Intelligenz“, „Geht auf dem Mac sowieso anders“ und so weiter. Frechheit wird immer noch nicht belohnt. Mein Erzeuger meinte daraufhin nur am Telefon, die Kommentare in „Klausuren“ seien schon immer mein Problem gewesen. Aber irgendwie sei das auch süß, ich würde immer an Marvin, den Roboter, aus Per Anhalter durch die Galaxis erinnern, mit diesen Kommentaren. „Ein Gehirn so groß wie ein Planet“. Ja, genau so ist es, und daher rührt auch meine Wut und Ungeduld mit allem und jedem.

Nun aber Vorhang aus für die „nur gut“ Glosse.

 

TV-Shows: Esst (mehr) Fernsehköche.

Die Fernsehlandschaft ertrinkt in Kochsendungen. Kein Kanal, auf dem nicht gekocht wird. Von der einfachen „Wie macht man das?“ Sendung, bis hin zur Optimierungsposse mit den Profi Köchen. Von allem ist etwas dabei, um den Verstand vollends zu verlieren.  

So, und jetzt frittieren wir eine Gartenhecke. Sätze, von denen man anfängt zu phantasieren, wenn man sich durch die Landschaft der deutschen Kochsendungen zappt. Es wird gekocht, als wäre das Ende nahe. Es kocht sich so durch den Tag, morgens im ARD Mittagsmagazin geht es los, nachmittags im Rentnerchannel ZDF kloppen sich Lafer und Lichter mit einem paar Semi-Promis durch den schnöden Tag und am Abend, am Abend geht es richtig rund.

 

Das perfekte Dinner flimmert in Millionen Haushalten über den Bildschirm. Während dort zu kalte Lachsfilets auf den Teller kommen und die Gäste pikiert sagen „Also so etwas hatte ich ja nicht erwartet, da gebe ich nur vier Punkte“ schlabbert die Nation ihre Pizza aus dem Ofen. Deutschland hat den Kochwahn. Ganz vorne unser Dickerchen Reiner Calmund. Wenn man Calmund sieht, muss man immer direkt an Frittieren denken. Der frittiert alles. Autos. Spielerfrauen. Gartenhecken. Mmmmmh, lecker.

 

Harmloser Mister Toast Hawaii in den Sechzigern

 

Es fing mal irgendwann alles ganz harmlos an, da in den Sechzigern, mit dem ersten Fernsehkoch der Stunde. Clemens Wilmenrod. Mister Toast Hawaii. Allerdings hat das deutsche Fernsehen das Originalportrait eben jenes Mannes mit dem Konterfei von Jan Josef Liefers überschrieben, eben jener durfte nämlich den Erfinder des großartigen Toast Hawaiis erst kürzlich in einer pompösen ARD Verfilmung spielen. Kochen, bis die Welt untergeht. Wenn man sich so durch die Kochsendungen zappt, fragt man sich, hatten die Deutschen bis vor kurzem nichts zu essen? Was war zwischen Krieg, Mehlschwitze und Johann Lafer? Was war denn in den Jahren vorher? Gab es da nichts zu essen? Konnte da keiner kochen?

 

Nein, das ist es nicht. Es ist das Monster der Schleichwerbung. Überall durchkreucht sie, das Monster, diese Ansammlung von Kochsendungen. Am tollsten macht es uns Alfons Schuhbeck, der alles was er hat, mit seinen total tollen „selbstgemachten“ Gewürzen würzt. Kosta Quanta in la Supermarkt: Super süße sechs Euro. Das kann man mal ausgeben für ein Gewürz made bei Kochgott. Aber es ist wie immer nur das schnöde mehr Schein als Sein. In Deutschland gibt es sowieso nur zwei große Player im Gewürzgeschäft, die kennt auch jeder, denn jeder Supermarkt hat eben jene zwei Anbieter im CD/CI gebrandeten Regal neben der Fleischtheke stehen. Und die mischen auch dem Schuhbeck seine Gewürze. Nur halt drei Mal so teuer am Ende. Was solls. Hauptsache es schmeckt, und was teuer ist, schmeckt ja angeblich besonders gut.

 

Bei Lanz kocht, kocht sich nur das Kleinhirn

 

Die Krönung zwischen all den Restauranttestern und Lokalitätenoptimierern ist allerdings „Lanz kocht!“. Was aber wohl an Lanz liegt, Lanz setzt momentan allem die Krone der Langweile auf. Vorher noch „Kerner kocht“, gute Sendung zum gediegen Einschlafen am späten Freitagabend, sprengt Lanz mit seinen dummen Fragen jegliche Gehirnzelle eines menschliches Hirnes. Da ist nix mit entspannt entschlummern zu Kochsounds. Nein. Und jetzt, am Ende, alle gegen Steffen Henssler. Das ist der, gegen den Tim Mälzer mal getauscht wurde. Mälzer hatte sich ja bei Vox bekanntlich bis zum Burn out gekocht, um dann mit seinen speziellen Eigenschaften bei der ARD wieder wie der Phoenix aus der Asche zu steigen. Mälzers absolute Spezialität ist es, kurz vor Beendigung der Kochorgie eine Zutat in das Gericht zu klatschen, was bei 80% der Zuschauer ein reflexartiges „Iiiiiiiih“ hervorruft.

 

 

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