Immer Kritik mit Lob verbinden und den Gegner mit Kopfblubbern ins Off hauen. Managerseminar, dritter Teil

Lose Gedankensammlung meines Hirnes. Eines Vorweg: Heute war der Tag inhaltlich gut. Der Dozent, Jurist, konnte das Thema gut rüberbringen. Sehr schön juristisch verschroben. Das hat mir dann gefallen. Da hatte ich nix zu … meckern. Ja, ja, diese Meckerei. Lange habe ich heute gegrübelt, ob ich „aufgebe“ oder ob ich „weiter mache“.

Mit den Beschwerden.  Irgendwie musste ich dann viel an Kurt Tucholsky denken, als ich aus einem weiteren Gespräch mit der Institutsleitung, oder besser, den Betreuern unseres Kurses, raus kam. An Tucholsky musste ich denken, weil ich irgendwie ein zerfetztes Zitat im Kopfe herumschwirren hatte, der Deutsche, stets Berufsbeleidigt. Oder Berufsbetroffen. Ich bekomm es nicht mehr ganz auf die Kette. Zumindest war ich erstonished, was passiert war. Und in diesem Gedankengang musste ich mir kurz die Frage stellen, ob ich den Kurs doof finde, weil ich irgendwie vielleicht so „Berufsbeleidigt“ bin und daher immer was zu meckern habe..

Also, ich fasse mich kurz, man hat mir freundlich gesagt (jetzt wirklich freundlich, es war ein Gespräch unter Erwachsenen, irgendwie schon) dass ich mich mit meinen viel zu hohen Erwartungen doch bitte etwas zurücknehmen sollte. Great Expectations! Das war schon immer mein Problem! Ich neurotisches Dingen, Perfektion und Listenführung. Ätzend, aber drin in mir. Irgendwann werde ich in Mustern über gepflasterte Fußgängerzonen schreiten.

Also, meine Erwartungen sind zu hoch, meine Qualifikation natürlich Bestens, aber die der anderen nicht so, darum müssen die „das alles so machen“ Es ist wichtig, alle auf einem Level einzusammeln und auf einer Ebene wieder abzugeben. Ich habe auch diplomatisch eingelenkt und betont, nicht alles sei doof doof doof, aber schon so einiges. Das ist aber nun meine eigene Schuld, meine hohen Erwartungen. Und ich erschrecke damit die anderen und mache denen Angst. Angst vor der Arbeit.

Nun gut. Das habe ich jetzt mehrere Stunden durch meinen Kopf gehen lassen. Und ich bin damit unzufrieden. Vor allem die perfekt kombinierte Mischung aus Lob und Kritik. Ich bekam etwas weißes Rauschen und Gehirnbitzeln, weil mein ES wollte Che Guevara-like mit einer Prise Robin Williams „Club der toten Dichter“ auf den Schreibtisch springen, aber irgendwas, Ich ober Über-Ich waren irre vernünftig. Dieses neue Ich von mir saß da, sagte an den vorhergesehenen Stellen „Mmmmah, ja,mmmm ich kann das verstehen“. Ich war sehr einsichtig. Nicht. Keine Ahnung. Ich war irritiert. Also ja. Mein Argument, dass ich allerdings der Meinung bin, dass in meinem Kurs super krass qualifizierte Menschen sind, bei denen ich das absolut nicht verstehe, das die keiner will und das ich darum der Meinung bin, dass das Vorspielen von falschen Bedingungen halt falsch ist, weil das Problem (boah Bandwurmsatz) woanders liegt. Im verqueren Arbeitsmarkt. Ich habe gesagt, klipp und klar, ich glaube, das Problem liegt da  Draußen im System und mein Gefühl ist es, dass es Menschenunwürdig ist, wenn Leute die gebildet und erfahren sind, stellenweise behandelt werden wie Mündel. Natürlich ist das mein Subjektives Empfinden. Und das die Inhalte so unpassend sind, liegt nur an meinen subjektiv zu hohen Erwartungen.

Wenn mich zwei Dinge seit jeher in Gefahr gebracht haben, war es immer Aufstand gegen die Obrigkeit aus Prinzip und das Chaos was ich anzettle, wenn ich finde, jemand wird ungerecht behandelt. Ich kann das nicht leiden. Und als man mich heute mit Mitte 30 „zum Direktor“ zitierte, hatte ich ein Gefühl, als sei ich wieder mitten drin in der Pubertät und einfach nur dagegen.

Am Ende bleibt einfach nur die Sache, das es immer noch nicht angekommen ist, was ich denen sagen wollte. Das sie dieses Internet und diese Social Media Nummer etwas ernster nehmen sollten. Es wäre doch wirklich ein richtiger, wertvoller Benefit, würde man die Teilnehmer in diesen vier Monaten richtig „Hardcore“ in die digitale Medienwelt einführen. So lästige Übungen wie „Lesen sie 35 Minuten nach dem wach werden SPON Kommentare.  Versuchen sie nicht nur einen Kommentar zu schreiben, bewahren sie Ruhe!“. Das musste ich mühsam in 15 Jahren lernen. Früher war ich wirklich scharf auf übelste Kommentarschlachten. Heute wäre ich froh, ich hätte früher mein Goosfraba-Ich entdeckt. Das ist ja auch etwas Neues. Das ist nur eines von vielen Beispielen, „was man da machen könnte“. Ich meine, ich sehe, doch, dass viele schon Probleme dabei haben, ein Facebookprofil anzulegen. Oder schreien wegen des Datenschutzes rum, aber What’s App hat dann doch jeder. Diese vielen kleinen Feinheiten. Oder auch die Historie des ollen Internets und der „Community“ da herinnen. Es ist ja dann auch schon irgendwie inzwischen eine Sache, in der zweiten, dritten Dekade und da gibt es schon „Geschichten“ zu erzählen. Und das öffnet auch dann das Verständnis und nimmt den Leuten die Angst.

Oder die interessanten Seiten an zB. dem Gesichtsbuch. Es ist ja nicht nur der Teufel in Person. Es hat auch interessante soziale Aspekte, das Dinge die sich im Internet entwickeln, auch wieder ins reale Leben zurückspielen. Also Menschen dann auch in echt wieder an einen Tisch bringt. Das Internet ist viel mehr und schon mal gar nicht irgendein „Lafi Fari“ Kommunikations oder Verkaufkanal, den man beliebig bei Bedarf an oder ausschalten kann. Es ist immer da und es verändert sich mit jeder Minute. Sharingportale hier. Crowdfunding da. Und so weiter.

Den Leuten in diesem Kurs dieses cräzy Wissen vielleicht in „total echt“ zu vermitteln, also Social Media und to do it in the right way, wäre wirklich so ein grandioser „USP“ für diese Menschen, die angeblich unbedingt Arbeit brauchen, um sich selbst wahrzunehmen. Letztes halte ich sowieso für den letzten Scheiß. Ich bekomme ja Angst wenn ich Sätze höre wie „Ich bin jetzt schon seit einem halben Jahr arbeitslos, ich glaube ich ende ganz schrecklich“. Da will ich meinen Kopf an die Wand schlagen. Die Menschen bekommen ja Angst vor sich selber in der freien Zeit. Das möchte ich irgendwie nicht. Das soll doch bitte keiner haben!

Arbeit ist wichtig, aber sie sollte zu 100% Spaß machen und man sollte sich, seine Talente und Passionen darin einbinden können und dürfen. Aber irgendwie ist das anscheinend so eine ganz verquere Hippie Einstellung die ich mir da angelacht habe. Mist.

Die Revolution im Bildungssektor ist nicht abgesagt, aber ich denke über einen neuen Weg nach. Vielleicht nicht so rumpel die pumpel, eins, zwei, drei Polizei. Ich versuche es jetzt mal anders. Irgendwie so Geheimdienstmäßig mit Autosuggestion und Hypnose.

I will tell you.

Eine der schauerlichsten Folgen der Arbeitslosigkeit ist wohl die, dass Arbeit als Gnade vergeben wird. Es ist wie im Kriege: wer die Butter hat, wird frech.

Kurt Tucholsky

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