Der Herr gebe mir Kraft. Und ein paar Ideen für meine, Achtung: „Berufswegsplanung“.

Man weiß gar nicht, also ich weiß gar nicht, wo ich gerade anfangen soll. Die letzte Woche war geprägt von Pendlerstress und dem schön wachsenden Gedanken, ich muss damit Schluss machen, bevor es richtig angefangen hat. Work Life Balance my ass oder so. Der Freitag war allerdings das Highlight der Woche, dass muss ich sagen. DAS war wirklich ein guter Tag. Thema: Marketing. Na klaro, war das super. Super Dozent, super Inhalte, super ähm, hier, Performance vom Dozenten. Thumbs up. Vorweg also auch ein Quäntchen Lob, es gibt auch bei mir lichte Momente der Freude und Zufriedenheit.

Von wegen Work Live Balance: Das sieht der Bildungsträger, uiuiui, aber ganz anders. Höchstwahrscheinlich teilen der Bildungsträger und das Arbeitsamt eine völlig verquere Vorstellung von Arbeit. Oder der Arbeit da draußen. Wie sie funktioniert, wie sie ist, wie lange sie dauert. Wie lange sie zu dauern hat. Wie sehr sie zu stressen hat. Und so weiter.

Heute fing das Seminar so an, also meine Kursfreundin aus Belgien und ich hatten uns schon schön einen Parkplatz mit unseren Wagen geteilt, dass diese weg mussten. Denn: Das war aber gar nicht gut, denn wir haben mit zwei Autos einen Parkplatz (zusammen! wir haben uns extra zugeparkt) beim Bildungsträger belegt. Das geht ja gar nicht!. Diese Gehirnamputierten (zumindest wird man die gaaaaanze Zeit so behandelt, als ob man das wäre, obwohl wir alle in einer Weiterbildung für Akademiker feststecken) sollen doch bitte die Park und Ride Möglichkeiten benutzen. Wir, da wir beide sowieso von echt weit weg angefahren kommen, stecken sowieso schon immer im Stau fest und müssen lange vor Sonnenaufgang losreiten, äh, losfahren, damit wir so in etwa pünktlich da sind. Also wurden wir aufgefordert, unsere Wagen SOFORT da weg zu fahren. Was zur Folge hatte, das wir mit unseren Autos über eine Stunde durch den Kölner Süden cruisten und einen Parkplatz suchten. Am Ende landete mein Wagen in der Peripherie und meine Kursfreundin sagte nach über einer Stunde völlig genervt, sie stelle den jetzt wieder dahin. Egal. Total egal.

Wir kamen wieder ins Seminar rein, als der Satz viel „Und das Deckblatt lassen Sie weg und schreiben da direkt Lebenslauf hin und dann machen Sie da noch ein paar Bulletpoints hin und schreiben ihre Berufswegsplanung hin“. Hä? Meine Berufswegsplanung? Ich plane König der Welt zu werden! Ich bin verwirrt. Hatte ich doch vor noch vier Jahren ein Bewerbungstraining, sowie ein Coaching, wo mir genau das Gegenteil gepredigt worden ist. Kurzer Moment von Wunsch nach Amoklauf. Aber bevor ich damit anfangen kann, horcht mein Gehirn auf.

„Und welche Schrift nehmen Sie? Nehmen Sie doch Calibri oder Segoe!“. Ich so aus der letzten Reihe „HÄÄÄ?“. Ich wollte dann kurz etwas zu Design zu sagen, Lesbarkeit und Co. Aber ich wurde gnadenlos abgewürgt. Das macht man jetzt so. Man schreibt auch nix mehr in Arial, weil das machen ja nur Behörden und ob man denn bitte wie ein Behördenbrief daherkommen wolle.

Ich wage es zu behaupten, dass es nur zwei „Gruppen“ gibt, die bis heute die Könige der DIN Norm und Formatierung sind: Personaler und Menschen in der Immobilienbranche. Es ist auch gar nicht schlecht, alles so ordentlich zu machen. Schön lesbar, hübsch für das Auge. Es gibt ja auch nicht so umsonst hunderte von Designguides und so. Aber nö, scheiß die Wand an, ist nicht so wichtig, sagt der Dozent, der das „Bewerbungstraining“ macht. Auch auf meinen Hinweis, dass es so Designregeln gibt und so, redet er weiter und sagt „Joa, das kann ja schon sein, aber ich mache das nicht so“. Ey , Alter, es geht nicht darum, ob Du das so machst oder nicht, sondern darum, wie die HR Leute das gerne auf dem Tisch hätten. Sowieso hat er immer noch nicht gemerkt, das wir hier im Kurs für Online Redakteure hocken. Er predigt gerade immer noch die Papiervariante. Mal sehen, wann er merkt, wo er ist. Im Jahr 2013, in einem Kurs für angehende Internethelden.

Zum Ende dieses Textes fällt mir einfach nur ein, dass wir hier mit einem Haufen von mega gebildeten Leuten sitzen, alle sehr gut ausgebildet, studiert, alle irgendwie schon mal durch Marketing, Verlag oder Agentur geschrabbt. Warum sind die eigentlich alle hier? Ich weiß es nicht. Und nun steht da jemand und verwirrt gestandene Menschen im drei Minutentakt. Kann das der Sinn einer Weiterbildung sein? Verwirrung stiften?

Ich schreib jetzt auf irgendein Blatt in Punktgröße 18 „Berufswegplanung“, in einer absolut nicht gängigen Schrift, und mal dann darunter irgendwas. Ein Schweizerbergmassiv oder so. Habe ich früher auch gerne in Schularbeiten gemacht, wo mir das Thema nicht gepasst hat.

Zu der Frage, warum sich hier die Fachkräfte stapeln, obwohl sie ja angeblich gebraucht werden, komme ich dann wohl morgen.

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