Neue Erfahrungen. Heute: Pendlerdasein

Pendeln. Ist ja Alltag für Millionen Deutsche. Habe ich heute auf  der Autobahn erfahren müssen. Zum einen musste ich nie Autobahnpendler sein, weil ich bis vor wenigen Jahren gar keinen Führerschein hatte. Ich schlug mich sehr lange mit Bus und Bahn herum. Zum anderen wohnte ich ja auch zentral. Nun, jetzt, wo man da lebt „wo man Gummistiefel braucht“, Anfang Oktober die Winterreifen aufzieht und sich daran erinnert, was im Ernstfall „Kein Winterdienst“ wirklich bedeutet, also seit da muss ich Auto fahren. Aber bisher im angenehmen, so called, ach, gar nicht Pendelbereich. 20 Minuten mit dem Auto, das ging immer. Easy.

Nun heute dann die Sache mit den anderen Pendlern und mir. Von Bonn bis Köln tuckert man eigentlich so Stoßstange an Stoßstange hintereinander her. Ab kurz vor Köln steht man. Cool, dachte ich, 15 Kilometer nur mit kuppeln gefahren, also Schrittempo. I like it. Landschaftlich sehr trist ist das reinstottern nach Köln über die Schäl Sick so eine Sache. Und egal welche Seite von Köln man versucht, überall stottert man rein. Durch kaputte Tunnel, über kaputte Brücken hinein in die „Nur parken mit Parkscheinzone“, Südstadt. Aber dieser Verkehr! Und diese anderen Autofahrer! Und alle sind super gestresst. Fürchterlich.

Auf der Strecke zurück waren dann alle raderdoll. Morgen Feiertag! Alle durchdrehen, Blechlawine von Köln Chlodwigplatz bis Ausfahrt Königswinter. Fast 1,5 Stunden später krieche ich die Kurven ins Siebengebirge hoch. I hate it. Also wirklich, ich kann das überhaupt nicht verstehen, das ist wirklich irgendwie krank. Millionen von Menschen, die sich jeweils morgens und abends Stundenlang, ausrastend, durch die Peripherie wühlen müssen. Alle kommen irgendwie verstimmt an ihren Arbeitsplätzen an, alle sind genervt bevor die Kaffeemaschine überhaupt durchgelaufen ist. Schrecklich. Das muss doch anders gehen!

Auch die alternative Bahn in Kombination Park und Ride ist nicht die Lösung. Runter vom Berg, da wo man mit Gummistiefeln rumhopst, zur nächsten Bahnstation. Parken. Auch da zahlen. Dann mit der Bummelbahn die Rheinschiene lang. Verspätungen all inclusive. Umsteigen in die KVB. Dann Nervenzusammenbruch und insgesamt dann in der Theorie seit 6.30 unterwegs um irgendwie neune, halbe zehne total gaga irgendwo zur Pflichterfüllung aufzuschlagen. 2,5 Stunden. Einmal hin. Einmal rück. Tag im Arsch. Aber sowas von.

Ja, das waren heute meine Gedanken. Den ganzen Tag habe ich darüber nachgedacht, wenn sich ein Großteil der Menschen diesen Stress irgendwie sparen könnte, wie wäre das wohl? Vielleicht wären dann alle etwas produktiver, weil sie nicht 60% ihrer Kraft damit vergeuden mussten, jeden dritten Autofahrer auf einer Strecke von 52 Kilometern standesgerecht zu massakrieren.

Weiterbildungstechnisch gab es heute eine Portion journalistisches Schreiben. Gott sei Dank ist morgen Feiertag, da kann ich mich kurz vom Pendlerwahnsinn erholen. Over and out.

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