Your Weiterbildung starts right now.

Herrschaften,

heute war er. Der erste Tag. Meiner neuen Weiterbildung. Und ich bin irgendwie genervt. Bevor es richtig losgeht. Diesmal sitze ich mit lauter total überqualifizierten Menschen, die seit Jahren alle „irgendwas mit Medien“ machen in einem Kurs für Online Redakteure. Juhu! Das Internet. Neuland und so.

Für mich, die seit 1997 irgendwas in dieses Internet schreibt, ist das einfach: Lahm. Web 2.0 ist für mich eigentlich so was von gestern und ich halte es auch für ein Phantom, dieses hier, Social Media. Oder Werbung im Internet. Das sind alles ganz spezielle Sachen und wer das Internet nicht von innen nach außen gelebt hat und von außen wieder hinein, werden bestimmte Mechanismen des Internets unlehrbar bleiben. Ist einfach so. Natürlich gibt es Mittel und Wege Facebook und Co. zu nutzen, aber wenn ich mir so manchen Lehrgang anschaue, finde ich es wirklich fragwürdig, was da so gelehrt wird. Ist so wie mit Schreiben. Entweder man bekommt ein paar gute Sätze zu Papier, ist ein Reimemonster oder halt nicht. Jeder nach seiner Facon. Facebook und Co. sind doch schon irgendwie sozial. Für jeden aber wieder ein bisschen anders. Und es gibt viele die haben entweder einen AdBlocker drauf und bekommen von den ganzen krassen Bemühungen der „Online Marketing Manager“ sowieso nix mit, oder sind so gekonnt in der Hirnfunktion, dass sie es sowieso nicht wahrnehmen. Will damit sagen: Der Berufswunsch des Social Media Managers ist schon arg grotesk in meinen Augen. Apropos: Ich liebe auch diese Stellenanzeigen, wo jemand mit „langjähriger Social Media Erfahrung“ gesucht wird. Eigentlich wird da jemand gesucht, der den  ganzen Tag bei Facebook rumhängt, in Foren andere Leute basht und aus Langeweile einen Shitstorm im Kommentarfeld der Welt-Online auslöst. Aber keiner der Arbeitgeber, der diesen jemand sucht, will diese Leute wirklich, wenn sie eigentlich das machen, was gefordert wird: Internet, immer und überall. Twittern, chatten, shitstormen, Essen instagrammen.
Ich schweife ab….

Heute habe ich aber wieder diesen Hauch der anonymen Arbeitswelt abbekommen. Diese Sache, wo man dann nur der Mitarbeiter ist und bleibt, der, platt gesagt, der wo die Leistung bringt. Und das finde ich ja einfach total doof. Ja, ich will einen Job der mir Spaß macht und Achtung: Ne absolut super Work-Life-Balance. Das ich so was mal fordern würde, hängt mit meiner letzten Beschäftigung zusammen. Ich hatte das Glück, eine gute Mischung aus interessanten Aufgaben und entspannten Arbeitsverhältnissen zu haben. Zum Beispiel funktioniere ich nie vor 10 Uhr. Vor zehn Uhr bin ich ein Monster. Auch sozial gesehen. Was einfach für jedes Team mies ist. Stehe ich vor 8 Uhr also auf um funktionieren zu müssen bin ich ein arschiges Monster, dass gegen 15 Uhr mit Spannungskopfschmerz in Trance verfällt. Lässt man mich hingegen easy den Tag gegen 10 starten, laufe ich ohne Probleme durch bis 18 Uhr und bin produktiv. Absolut ungeeignet für die Wünsche der hiesigen Arbeitgeber. Wo kommen wir da denn hin, auch noch Ansprüche haben….als Arbeitnehmer.

Nun also heute dieses Seminar. Ich bin gespannt. Es gibt auch so hübsche Elemente wie HTML und CSS, Dinge, gegen die ich mich irgendwie … nicht wehre, aber nicht im Detail begeistern kann. Aber ja, ich werde es machen. Ja, ich werde rudimentär rumcodieren und verlinken was das Zeug hält und hier und da den Text 1998er Netscapelike blinken lassen.

Am Ende vielleicht noch die Geschichte, wie es zu dieser Weiterbildung kam. Ich war noch gar nicht so richtig arbeitslos, da wurde mir direkt gesagt, Weiterbildung. Eigentlich wollte ich ja mit „Irgendwas mit Medien“ Schluss machen. Ich hatte ja nach 15 Jahren keinen Bock mehr. Ich wollte mich ernsthaft zwei anderen Dingen widmen: Einem Psychologiestudium und echt richtigem Müßiggang. Die Muse sollte mich endlich wieder küssen. Ich wollte kreativ befruchtet werden. Irgendwie hatte ich dann meinem Betreuer beim Amt präsentiert, was ich mir wünschen würde: Richtungswechsel. Ich wollte nen Heilpraktiker machen. Und gleichzeitig halt das Abi nachholen für das Studium. Dazwischen genug Zeit, um von der Muse geküsst zu werden. Knutsch me muse, now.

Ich also dann so beim Arbeitsamt meinen Wunsch vorgetragen. Die Antwort war: Nein, Heilpraktiker zahlen wir nicht. Ich war enttäuscht, denn laut Internet gehört das eigentlich zu den geförderten Sachen. Aber man kennt sie ja, die Geschichte des eigenen Ermessens des Betreuers. Ich könne ja Altenpflegerin werden. Das würde man übernehmen und „sei ja auch irgendwie was mit Medizin“.

Very erstonished habe ich dann gesagt: Na okay, dann halt doch irgendwas mit Medien. Da sagte der Herr, der wirklich ein sehr netter Mensch ist und ich ja inzwischen gelernt habe, dass manche wirklich nur ihren Job machen, also er sagte, ja dann doch was mit Internet. Das braucht man jetzt. Sagt auch die Kanzlerin. Ist ja alles Neuland. Ich war so perplex, dass ich einfach nur ja und Amen gesagt habe.

Nun gut. Da sind wir also nun. 16 Jahre nachdem ich die erste AOL Online CD-Rom in des Nachbars PC legte, und feststelle, für dieses Internet braucht man auch noch ein Modem, vorher läuft es nicht, lern ich mal Internet. Das braucht man ja jetzt.

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