Wenn die Westerwelle mit das Sarrazin…

Blitzkrieg, Baby! Der Dübel wird durch die Wand geschlagen und Warmduscher sind Sparverweigerer! Auf zur nächsten Runde Hartz-Hatz.

Nicht, dass die leidige Diskussion über HartzIV, die Frage, ob die Sätze zu hoch oder zu niedrig sind oder man es lieber gleich komplett abschaffen sollte, schon genug die Nerven auf der neurologisch-emotionalen Folterbank zerrt, zieht und bis zur Schmerzgrenze reißt und nebenbei leider ein sehr grau schraffiertes Bild der deutschen Gesellschaft zeichnet. Und die nicht ganz so postfaschistischen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmenideen vom politischen Clerasil-Verweigerer läuten zudem, passend zur sozialen Devolution, die moderne Sklaverei ein. Sklaventum 2.0 sozusagen. Mit Gospelrap von Bushido und Baumwollersatzpflücken bei KiK.

Nein, unseren „Volksvertretern“ (Volkstretern, wäre angebrachter) fällt immer noch etwas Neues ein, um die Springer geförderte Hartz-Hatz immer schön am Kochen zu halten. Systematisches Öl ins Feuer pumpen, bis der soziale Darwinismus dazu führt, dass sich nun auch die eh schon Benachteiligten untereinander zerfleischen. Dem nicht HartzIV-empfangenden Teil der Gesellschaft wird zur Ablenkung von politischen Verfehlungen und Unfähigkeiten einfach mal das ach so grundverdorbene HartzIV-Fleisch zum Fressen vorgeworfen. Der nichtdenkende Teil Deutschlands lässt sich ja heutzutage wieder einmal seine Meinung fremdBILDen. Klappt also wunderbar, der Mittelstand hat ein neues Feindbild und darf wieder schön nach unten treten. Immer mitten in die Fresse rein.

Da aber die Gruppe der neu bestimmten Opferlämmer einen nicht zu verleugnenden Teil der Gesellschaft ausmacht und man eine Revolution von unten vermeiden will, muss auch da für Ablenkung gesorgt werden. Getreu dem Motto, wenn man jemanden zum gesellschaftlichen Opfer macht, dann sollte er es wenigstens nicht mitbekommen. Und wenn das Prinzip des nach unten-Tretens beim Mittelstand funktioniert, warum nicht auch in der schwarzgelb definierten Unterschicht? Also muss schnell was her, auf das sich der HartzIV-Beziehende stürzen kann. Und zwar mit Schmackes! Nun muss man nur etwas finden, was man unter die ‚Unterschicht‘ stellen kann. Die Unterunterschicht sozusagen. Zum Abschuss freigegeben. Aber woher nehmen, wenn der Deutsche an sich nach unten schon dividiert wurde? Man nimmt den Deutschen zweiter Klasse. Den, mit Migrationshintergrund. Denn laut passender Statistiken beziehen diese doppelt so oft staatliche Bezüge. Jetzt muss nur noch unterschwellig der Bezug zur Bezugshöhe verbreitet werden. À la: „wenn die alle keine Bezüge bekommen würden, wäre das Land auch nicht so in der Krise und meine Bezüge wären bestimmt höher. Die sind also schuld, dass ich zur Tafel rennen muss.“ Gestärkt durch gezielte MeinungsBILDung wurde so ein weiteres Opferlamm in die Welt geboren. Jetzt muss man allerdings noch geschickt davon, ablenken, da diese Taktik politisch ja nun mal so gar nicht korrekt ist. Und dieses Emblem wollen sich Springer, wie auch Westerwelle nicht ans Revers heften. Zumindest nicht so penetrant offensichtlich. Also noch ein kleines geschicktes Ablenkungsmanöver und die Welt ist wieder schön schwarzgelb.

Und da hat die Schrottpresse für Denkverweigerer schon geschickt Vorarbeit geleistet. Durch immer neue und jedesmal reißerische Artikel über Arno Dübel wurde ein Feindbild kreiert, auf das sich jeder stürzen kann. Denn wegen „Deutschlands frechstem Arbeitslosen“ braucht man ja kein schlechtes Gewissen haben. Und außerdem steht es doch auch in der Zeitung. Und was gedruckt ist, stimmt. Das hat mein Uropa auch immer gesagt. Der hat aber auch geglaubt, dass Konzentrationslager eine Nachhilfeeinrichtung für Juden sind.

Arno Dübel als Krebsgeschwür einer untergehenden Nation. Na, wenn das mal keine Aufgabe ist. Hoffentlich hat er diese Nebenbeschäftigung auch beim Amt angemeldet. Anyway. Noch erschreckender als die propagandistische Meinungsmache, die einen Joseph noch stolz gemacht hätte, ist die Tatsache, dass es auch noch Früchte trägt. Nachdem über Wochen auf Herrn Dübel medienwirksam eingeprügelt wurde, sind ihm jetzt auch die Bezüge gekürzt worden: http://www.bild.de/BILD/regional/hamburg/aktuell/2010/02/23/arno-duebel-schluss-mit-freibier-und-kippen/amt-streicht-arno-duebel-alle-bezuege.html

Voller Erfolg! Gratulation Springerwelle, äh Westerbild…. oder wie du menschenverachtendes politisches Konstrukt auch immer heißen magst? Respekt dafür dem sozialethischen Abgrund eine neue Dimension nach unten frei gebombt zu haben.

Das für mich paradoxeste ist aber die jüngste Äußerung von Bundesbank-Vorsitzendem und Hobbysozialpolitologen Thilo Sarrazin. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,680976,00.html

Schafft er es doch in einem Interview seine wohl intelligenteste Äußerung mit weiteren Highlights seiner geistigen Diarrhoe zu paaren. Einerseits bescheinigt er Westerwelle ein intellektuelles Armutszeugnis (zugegeben, keine cerebrale Olympialeistung – da zu offensichtlich – aber dennoch seine wohl beste Äußerung), andererseits lässt er seine Futtlerluke zu lange auf, so dass mal wieder der faulige Gestank seiner Überheblichkeit in die Welt entlassen wird. So verteidigt er die HartIV-Sätze und empfiehlt kalt duschen als Sparmöglichkeit. Mittlerweile bricht deswegen ja sogar mal die SPD aus der Lethargie und wird über einen Ausschluss Sarrazins beraten. Sein Kommentar dazu: „Das stehe ich völlig bewegungslos durch.“ Mehr muss man wohl nicht dazu sagen, oder? Nein!

Gute Nacht, schwarzgelbes Deutschland!

© Nicolas

Advertisements

5 Kommentare zu “Wenn die Westerwelle mit das Sarrazin…

  1. Gibts was neues über die Arbeitssuche? Das fand ich meist erhellend.
    Das ganze ereifern über Hartz und die Mövenpickpartei soll ja nicht der bestimmende Inhalt hier sein, nich?
    Der obligatorische Nazivergleich im aktuellen Beitrag war ja noch das, was hier gefehlt hat.
    Und das ist kein Kompliment.

    • Aber es ist ein ganz großer Teil, vor allem gerade, weil es politisch aktuell es und politisch aktuelle Themen blenden wir nicht mal eben so aus. Die Debatte beherrscht halt nun in der sechsten Woche das Land – das war bestimmt nicht unsere Idee.

      Und wenn so direkt gefragt wird, gibt es was Neues von der Arbeitssuche: Ja, gab es schon vor Monaten (habe ich auch drüber geschrieben), soon bin ich wieder in Arbeit und der neue Autor ist sowieso in Arbeit. Aber nur weil jetzt alle Arbeit haben muss man ja nicht mit dem Blog aufhören. Sondern eher die Themen ausweiten, oder?

      Rose

  2. Ok, pardon; hab hier nur in der Anfangszeit regelmäßg reingeguckt.
    Dann gratuliere ich zum neuen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis und werde hier etwas im Archiv stöbern. 😉
    Trotzdem bleibe ich dabei: Nazivergleiche sind uncool, nutzlos und peinlich.

    • Ich gebe dir in diesem Punkt nur stückweit Recht. Nicht der Nazivergleich an sich ist peinlich, sondern die Tatsache, dass es leider immer noch genügend Grund für derartige Vergleiche gibt.

      Nicolas

  3. Ich ärgere mich auch häufig über Nazivergleiche. In diesem Falle finde ich es aber sehr angebracht, denn die prinzipiellen Denkmuster stimmen.

    Mo jour hat ja kürzlich nochmal darauf hingewiesen, was es bedeutet, wenn FDPler von „Parasiten“ sprechen. Eigentlich sollte man meinen, der Zusammenhang zum Vokabular des NS-Regimes sei klar. Aber leider kann man wohl nicht häufig genug darauf hinweisen.

    Gerade die geforderte Zwangsarbeit, die man natürlich offiziell nicht so beim Namen nennt, folgt dem Muster „Du bist nichts, dein Volk ist alles“.

    Wie ich neulich gelesen habe: Hans-Jürgen Papier vom Bundesverfassungsgericht findet Zwangsarbeit ne dufte Idee und total vereinbar mit dem Grundgesetz.

    Und auch Politiker finden es selbstverständlich, dass Arbeitslose jede „mühselige“ und schlecht bezahlte Arbeit aufnehmen müssen, während sie selbst gerne mal 7000,-€ für nen popeligen Vortrag kassieren.

    Beide scheinen Hartz IV mit einer Gehaltsüberweisung und die Eingliederungsvereinbarung mit nem Arbeitsvertrag zu verwechseln.

    Wenn ich mir hingegen vorstelle, dass ich mit der Beantragung von Hartz IV förmlich jedes Recht auf einen eigenen Willen abgetreten habe, dann wird mir schlecht.

    Aber okay, wenn schon Zwangsarbeit, warum dann nicht richtig? Schaffen wir doch einfach alle Politiker, Beamten und Angestellte des Staates ab. In zwei Jahren besetzen wir dann die freigewordenen Stellen mit Ein-Euro-Jobbern. Zusätzlich und im öffentlichen Interesse. Was der Staat da alles sparen könnte!!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s