Die Hetzjagd hört nicht auf.

Dr. Heiner Geißler gegen Buschkowski über HartzIV- eine unendliche Geschichte.

Ich kann das Thema selbst nicht mehr ertragen. Die HartzIV Hetzkampagne geht in die nächste Runde. Diesmal bei Markus Lanz.  Wieder einmal hat man Fälle vor die Kamera gekarrt, die das wahre Übel von Hartz IV wieder nicht zeigen. Einen Mann, der keine Lust hat zu arbeiten, wenn nur gegen richtigen Lohn – von dem er auch Leben kann. Grundsätzlich ist das nichts Verwerfliches. Es beschleicht einen aber rasch das Gefühl, da hat eine Redaktion hübsch in Richtung „Arno Dübel“ gecastet. Pfui. Daneben dann die Frau, die sich kaputt schufftet für 1,50 die Stunde. Nicht fehlen darf in dieser Runde natürlich Buschkowski, der „die versaufen doch eh die Stütze Bürgermeister“ aus Berlin. Tusch. Immer die gleiche Nummer. Und dann sitzt da mal wieder, sorry, ich mag ihn einfach, weil er anscheined echt den Durchblick hat, Dr. Heiner Geißler. Er ist empört über die Hetzkampagne, die nun in der vierten Woche im Lande betrieben wird. Besonders schön ist sein Hinweis, wie unverhältnismäßig es gerade abgeht. Da haben wir einmal die Banker und deren „von Steuergeldern finanzieren selfmade Krise“, für die sie eben auch noch jene, indirekt durch Steuern finanzierte Boni mit rauskarren und alle gucken zu – keiner sagt was. Keiner im Volke protestiert. Auf der anderen Seite die Jagd auf die Empfänger von Grundsicherung und alle machen mit. Bildzeitung, SZ, einfach alle.
Es ist wieder dieser aussichtlose Kampf eines Dr. Heiner Geißlers mit echten Infos gegen Populismus. Und die Redaktion hat natürlich nichts besseres zu tun, als mit so einem Menschen, der knallhart sagt: Ich arbeite nur, wenn es sich lohnt,  zu polarisieren. Da schlagen die Wogen wieder hoch. Geißler sagt, die ARGE verfolgt Menschen und führt eine Angstherrschaft und Buschkowski behauptet, es gibt genug Lehrstellen, aber die Jugendlichen in Neu Kölnn sprechen nicht richtig Deutsch und können nicht rechnen. Aha. Da beißt sich der Hund in den Schwanz. Anstatt die zu fördern, wird einfach gesagt, die sind zu doof und deswegen klappt das alles nicht. Dr. Heiner Geißler sagt dann auch dem Buschkowski mal knallhart ins Gesicht, Neu Kölln sei das Chicago von Deutschland und man könne die Situation dort nicht auf das ganze Land runterbrechen. Buschkowski ist erstaunlich ruhig. Lanz will das alles nicht hören. Hat man das Gefühl. Dr. Heiner Geißler erklärt dann dem Lanz, „wie schnell man als normaler Arbeitnehmer in HartzIV abrutschen kann, gut gebildet, nach 30 Jahren bei Siemens oder bei Nokia“. Sagt Lanz dann „Aber das ist doch nicht der Normalfall!“. Geißler sagt, doch, doch das wird ja immer mehr der Normalfall aber keiner will es wahrhaben. Ich krieg in dem Moment eine Krise, diese Blindheit, wenn man es gerade mal braucht. Die Nachrichten von Massenentlassungen rattern doch täglich durch die Medien. Mal hier 3000, mal da 5000. Quelle. Siemens. Nokia. Da aber immer mehr Jobs verschwinden und keine neuen, ausser prekäre, dazu kommen, wo sollen die dann alle arbeiten, um sich vor HartzIV zu retten? Geißler sagt auch, mal wieder, das fast sechs Millionen Vollzeitstellen mit HartzIV verschwunden sind und nun getauscht wurden gegen Lohndumpinggeschichten. Niedriglohn. Ach, das ist dem Lanz dann aber zu viel Realität. Da fällt er dann dem Geißler mal unordentlich ins Wort.

Für die draußen, für die Medien, für den Großteil der Politiker, sind alle Menschen, die bei Hartz IV angekommen sind, Schmarotzer und selber Schuld an deren Situation. Das nervt mich so. Es wird überhaupt nicht auf die Gruppe unter den Hartz IV Empfängern geschaut, welche sich redlich bemühen und Arbeit, die Arbeit wollen – aber die Arbeit ist nicht da. Welche von der ARGE null Hilfe bekommen. Ich rede hier über Menschen, die können lesen, schreiben und rechnen. Die haben Abitur, Ausbildung, Berufserfahrung, ziehen sich ordentlich an und so weiter. Wann versteht das endlich jemand? Und ja, auch gut verdienen soll man mit der Arbeit, die bis zu 10 Stunden am Tag das Leben füllt – wenn man sie denn hat. Das ist alles ein großer Wirrwarr. An einem Tag nach solch einer Fernsehdebatte, quellen die Foren immer über. Bei der lieben Bild geht die Hetze ja nun schon fast in die zweite, ach nein dritte Woche.

Man schüttelt nur den Kopf, die Leute sind alle so falsch informiert. Die Hetze geht weiter. Es gibt nur einen, der ernsthaft sagt: So geht das nicht. Dr. Heiner Geißler. Und darf sich dann so blöde Sachen gefallen lassen wie „Das neue soziale Gewissen der CDU“. Pah. Am Ende sagt er halt, das mit der ARGE geht halt alles so gar nicht. Weil die Leute auf der ARGE selber nur schnell und schlecht umgeschulte Mitarbeiter sind, welche auch noch von der Bundesagentur für Arbeit „Sparziele“ reingedrückt bekommen. Die Menschen, die vorher mal als Lagerarbeiter oder Betonmischer gearbeitet haben, sollen also Menschen in Arbeit bringen, während von oben gesagt wird, spart mal bei der Grundsicherung ein. Da kann man ja die Leute nur drangsalieren und sanktionieren. Sagt Geißler. Der ist ja für einen kompletten Umbau des Systems. Damit endlich mal gefördert wird, nicht nur gefordert. Und die Hetzjagd, die muss aufhören. Der Graben wird nämlich immer größer. Aber was sollen wir denn tun, wenn der Springer Verlag sich als Sprachrohr der fehlinformierten Politiker in die Bresche wirft? Wenn sogar unsere Bundeskanzlerin glaubt, man bekommt die ganze Miete, plus Heizung, plus Strom?

Obacht, heißt es für die nächsten Monate. Der Hammer kommt nach der NRW Wahl. Dann lassen sie von der Leyen von der Leine. Und dann bauen Supermutti von der Leyen und Roland Koch das Sozialsystem mal um. Bei den Anzeichen kann es nur schlimmer werden.

Die Sendung kann man hier anschauen.
©Rose

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22 Kommentare zu “Die Hetzjagd hört nicht auf.

  1. Ich kann mir solche Sendungen wie die von Lanz, Maischberger und Co. schon lange nicht mehr anschauen. Da bin ich doch froh, dass noch solche Radio-Sendungen wie „Der Tag“ auf hr2 gibt. Da habe ich gerade gestern Abend einen Podcast zum Titel „Die blockierte Reform – Hartz IV und kein Ende“ gehört. So differenzierter muss Journalismus mit einem solchen Thema umgehen:

    [audio src="http://mp3.podcast.hr-online.de/mp3/podcast/derTag/derTag_20100204.mp3" /]

    • Frage mich wo der Unterschied solcher Sendungen wie Maischberger, Lanz und Co. zu den vielen „äußerst merkwürdingen Sendungen“ (Mietnomaden, Deutschlands schlimmste Kinder etc.) der privaten Sender ist.

      Für mich steht hierbei aber eines eindeutig fest, die „öffentlich rechtlichen Sender“ vera…… (veräppeln) für teures Geld ihre „Zwangsmitglieder“!

      Eine wirklich objektive Berichterstattung vermisse ich hier schon lange!

      Es ist einfach nur absolut häßlich, wie mit Menschen umgegangen wird und diese haudrauf Mentalität auf die schwächsten der Gesellschaft übernommen und verstärkt wird!

  2. Ich finde es ja schon erstaunlich, dass überhaupt jemand eingeladen wird, der versucht mit realen Fakten aufzukommen. Aber es scheint ja nichts zu nützen, Journalismus scheint heutzutage nur noch vom „Skandalen“ zu leben, angeblich, weil sich niemand für Positives oder für sowas wie die Wahrheit interessiert.

    Hier auch noch ein grauenerregendes Beispiel aus dem Stuttgart-Blog:
    http://www.stuttgart-blog.net/armes-stuttgart/

    • Das ist wieder eine von diesen krassen Geschichten, wo Menschen absolut bereit sind, zu arbeiten, sich zu verändern und die ARGE macht alles kaputt. Ich frage mich einfach, warum da nicht mal einer sagt: So geht das aber nicht. Diese Willkür macht doch Leben kaputt. Oh, da werde ich immer so wütend bei sowas…..

      Danke für den Link, ich denke, ich verarbeite den mal nächste Woche für einen Text. Ich sammel gerade „solche“ Schicksale. So traurig, wie es ist.

      Beste Grüße,
      Rose

      • Wobei ich allerdings zugeben muss, dass ich bis jetzt mit meinem Jobcenter noch keine allzu schlechten Erfahrungen gemacht habe. Aber ich erhalte ja noch nicht lange Hartz4, mal sehen, wie es aussieht, wenn ich nicht wieder saisonal meine Arbeitslosigkeit beenden kann; über den Sommer kriegt man immer mal wieder einen Hilfsjob in der Gastronomie (auch, wenn ich darauf jetzt nicht wirklich scharf bin…) angeboten.
        Doch wie sagte mein partiell weiser Vermieter mal: „So lange es dich gibt, hältst du das System am Leben. Das ist alles eine reine Beschäftigungsmaßnahme.“

  3. Mag Geißler von mir aus manchmal recht haben, er ist trotzdem ein zutiefst suspektes Individuum.

    Was mir an dem Text gar nicht gefällt, ist, dass hier unbewusst in die Hetze eingestimmt wird.
    „Es wird überhaupt nicht auf die Gruppe unter den Hartz IV Empfängern geschaut, welche sich redlich bemühen und Arbeit, die Arbeit wollen – aber die Arbeit ist nicht da[…]Ich rede hier über Menschen, die können lesen, schreiben und rechnen. Die haben Abitur, Ausbildung, Berufserfahrung, ziehen sich ordentlich an und so weiter.“

    Da steckt schon sehr viel Konformität drin.

    • Nein, das ist keine Hetze. Das ist nur ein Hinweis, dass es auch noch andere Gruppierungen unter den Menschen gibt, die von HartzIV leben müssen, weil es nicht genug Arbeitsplätze gibt, als die welche andauernd in die Talkshows gekarrt werden. Es geht immer nur um die angeblichen Schmarotzer. Aber über die Willkür der ARGEn wird kaum berichtet. Über die Menschen, welche ihre 100 Bewerbungen im Quartal verschicken, auch nicht. Es wird immer nur so getan, als wollten diese Millionen von Menschen gar nicht arbeiten. Und sorry, das ist Unsinn. Und: Die Arbeit ist wirklich nicht da. Das ist Realität.

      • ich habe die kritik von „access denied“ jetzt so verstanden, dass in diesem text der problematische eindruck ensteht, dass (nur) die gut gebildeten jobsuchenden (nämlich die die abitur und alle möglichen weiteren qualifikationen haben) die ernsthaften jobsuchenden seien. dieser kritik würde ich mich anschließen – ich glaube, die allermeisten der weniger gebildeten arbeitslosen suchen genauso ernsthaft und dringend einen job.

        um das mal zu illustrieren: ich kann mich gut an meine arbeitslosigkeits-überbrückungs-jobberei im call-center erinnern (sozusagen ein sammelbecken an arbeitslosen aller art), in der ich u.a. einen arbeitslosen lager-hilfsarbeiter kennengelernt habe, der mehr bewerbungen als ich geschrieben hatte und dem es sehr sehr wichtig war einen neuen richtigen job zu finden (genauso wie mir als hochausgebildeter arbeitsloser)

        davon abgsehen, rose, teile ich deine meinung zu dieser unsäglichen hartz4 hetzkampagne, und finde es sehr wichtig, dass es gegenstimmen dazu gibt – so wie hier! also, trotz dem o.g. kritikpunkt, thumbs up & weiter so! (lese diesen blog schon seit längerem still mit, und wollte sowieso schon mal mein lob aussprechen…)

      • da muss ich dann wohl sagen, dass dies falsch interpretiert wird. so meine ich das nicht. es geht mir nicht nur darum, dass nur die „gut ausgebildeten“, so wie du es nennst, „ernsthaft suchen“. ich habe diesen satz eher so gemeint, dass es „noch ganz viele andere gibt“, die einen job suchen und nicht bekommen. Ich schreibe ja von der Gruppe die sich redlich bemüht und einige in dieser Gruppe sind halt die mit Abitur. Es ziehen sich auch Leute ohne Abitur gut an und wer eine Ausbildung hat, hat auch nicht gleich wieder Abitur. Ich möchte in diesem Text daraufhinweisen, das die Leute, die dort vor die Kamera gezogen werden, ganz derbe auf „Arbeitsloser Assi“ gecasted sind und das ist unfair den einzelnen Betroffenen gegenüber, es ist unfair allen Arbeitslosen gegenüber, welche sich redlich bemühen, egal was sie gelernt oder gemacht habe. So wie das gerade bei Bild und Co. abgeht wird ein gänzlich falsches Bild gezeichnet und ein harter Kampf zwischen Arbeitern und Arbeitslosen der Unterschicht ausgelöst. Siehe Bild Kommentare a la „Ja, kürzt den Schmarotzern das Geld auf Null, sollen sie doch unter der Brücke schlafen“. Großartig.

        Ich bin ja der Meinung: Von den ca. 6 Millionen HartzIV Empfängern gehen sicherlich sofort 4,5 Millionen arbeiten – wenn die Arbeit von heute auf morgen da ist, und man davon leben kann. Aber die Arbeit ist nicht da. Daher ist das eine fürchterliche Debatte die da gerade läuft.

        Ich hatte nicht vor, Arbeitslose zu klassifizieren, ich habe eigentlich vor die kranken Zuständen mal zu Wort zu bringen. Es geht mir eher darum, was in den Medien gerade abgeht, diese einseitige Berichterstattung. Und ich habe nicht behauptet, nur die mit Abitur suchen redlich nach Arbeit. Ich habe nur einige Stichworte in der Glosse aneinandergereiht. Wenn das so rüberkommt: Sorry.

        Rose

      • Vielleicht kann ich da antworten.
        Nun, Geißler hat ja auch mal aktiv Politik gemacht.
        CDU-Generalsekretär und Minister im Land und Bund.
        Und da gehörte er zur Fraktion der Scharfmacher.
        Willy Brandt sagte ja sogar: „Geißler ist der schlimmmste Hetzer seit Göbbels“. Das gibt´s heute noch auf youtube zu sehen.
        Nun, im Ruhestand 180-Grad-Drehung. Ich kann jetzt alles unterschreiben, was er sagt. Jedes einzelne Wort. Aber diese Wandlung vom Saulus zum Paulus hat doch ein Geschmäckle. Es kommt der Verdacht auf, dass seine Haltung nur Attitüde ist. Ob das wahr ist, weiß ich nicht. Das weiß nur Geißler selbst.

  4. Erstaunlich, dass solcher Art von Sendungen im Öffentlich-rechtlichen laufen. Man hätte sowas eher von Privaten erwartet.
    Ich würde gerne mal wissen, was Markus Lanz verdient. Das Ganze wird wahrscheinlich auch noch von einer Produktionsfirma produziert, nicht vom ZDF selber. Was die Sache noch teurer macht. Insofern richtet Lanz mehr finanziellen Schaden an als es zehn Dübels überhaupt tun könnten.
    Ich tu mir diese und andere Diskussions-Sendungen nicht mehr an. Immer dieselben Leute, immer wieder dieselben Plattitüden. Und immer dieselben Vorurteile. In der Zeit tue ich lieber was Produktives.

  5. Pingback: Berater der Regierung: Arbeitszwang für Arbeitslose einführen! Teil 1 | Deutschland Debatte Arbeitsmarkt

  6. Ich muss mich auch zwingen, mir solche Sendungen anzutun. Mir verdreht sich da der Magen, denn die Hartz-IV-Kritiker werden letztlich doch nur eingeladen, um Objektivität vorzutäuschen.

    Warum ich es doch für sinnvoll halte, immer mal wieder reinzuschauen: Einfach um meine Argumente zu festigen. Die Regierungspolitiker, die dort aufschlagen, sind schließlich schon dadurch im Vorteil, dass sie die Macht der Fakten vertreten. Und dann haben sie natürlich ihre Argumente schön und in aller leichtverdaulichen Kürze auswendiggelernt.

    Da kann man nur mit viel Vorarbeit gegen an. Ich denke da an „Frost/Nixon“.

    Fatal z. B. wenn da eine Arbeitslosenvertreterin eingeladen wird, die offensichtlich Talkshow unerfahren ist und gegen politische Medienprofis antreten muss. Auch schon gesehen.

    —————–
    Was konkret bei Markus Lanz (wieder einmal) auffällig war.

    1. Das Ausspielen von Missständen gegeneinander.

    Immer unter dem Motto: „Schlechte Arbeit ist besser als gar keine.“ Vertreten durch die arme Frau Erbes, die 16 Stunden am Tag für 1,50€ arbeitet.

    Ein absoluter Skandal, dass es sowas gibt. Aber anstatt das als Vorlage für politischen Protest zu nutzen, wird man als Zuschauer nur mit dem Subtext zurücklassen, das sei schließlich besser als den Staat abzukassieren.

    Spontan erinnere ich mich da an zwei „Dokus“, die ich unlängst gesehen habe und die genau dieses Schema bedienen.

    2. Arbeitslose werden an einem nicht mehr zeitgemäßen Arbeitsbegriff gemessen.

    Schön an der Frage abzulesen, die Lanz Herrn Bode stellt: „Wann sind sie heute aufgestanden?“. Vermutlich in freudiger Erwartung, dass der dann antwortet: „Ich hab bis zwölf gepennt.“

    Ich fühl mich da eh schon diskrimiert, weil ich nun leider Spätaufsteher bin.

    Aber dann ist es ja nun auch so, dass in vielen Bereichen durchaus eine zeitliche Flexibiltät Einzug gehalten hat. Manchen Bürokram kann man bekanntlich genauso gut um 10 Uhr morgens wie um 10 Uhr abends erledigen. Ja, es soll sogar, die Möglichkeit geben, von zu Hause zu arbeiten!

    3. Sinnlose Solidarität + Beweisumkehr

    Und dann frag ich mich noch, warum erwartet man von einem Arbeitslosen, dass er zur selben Zeit aufsteht wie jemand der Arbeit hat? Ich kann natürlich nur Vermutungen anstellen. Einmal scheint es mir eine leicht verquere Forderung nach Solidarität mit jemandem wie Frau Erbes zu sein. Nur, was hat sie davon, wenn ich um diesselbe Uhrzeit wie sie aufstehe? Ich sach mal, gar nichts.

    (Dass ich aus Solidarität für den schmierigen Schnösel Markus Lanz zu irgendeiner Uhrzeit aufstehe, ist sowieso ganz ausgeschlossen.)

    Ein anderer, viel schlimmerer Punkt ist, dass es zunehmend Konsens ist, die reine Tatsache, dass jmd. arbeitslos ist, zum „Beweis“ für eine Art Arbeitsunfähigkeit zu nehmen, die dann der einzelne Arbeitslose widerlegen muss. Das klingt ja auch in den Begründungen für diverse Maßnahmen an, wenn die damit gerechtfertig werden, es gehe darum, den Arbeitslosen wieder an einen „geregelten Tagesablauf“ o.ä. zu gewöhnen.

    Umgekehrt wird ein Schuh draus… Ich trete eine Stelle an, komme ständig zu spät, werde entlassen. Das, und nur das, wäre ein Indiz dafür, dass jmd. Probleme mit einem geregelten Tagesablauf hätte.

    Ob man sowas „wegerziehen“ kann, ist dann nochmal eine Frage.

    • Stimmt, die Frage von Lanz („Wann sind sie aufgestanden?“) fand ich auch sehr, sehr „berechnend“. Erstaunt war Lanz schon, als die Antwort „Halb acht“ lautete.

      Ich frage mich immer mehr, was wer damit bezwecken will, dass die Medien gerade so zu dieser Thematik „abgehen“. Vor allem Axel Springer Megaphon die Bild. Heute geht es direkt wieder in die nächste Runde: HartzIV 30% runter. Dann gehen auch arbeiten.

      Könnte bitte jmd mal den „da oben“ sagen, dass diese Millionen von Arbeitsplätzen einfach nicht da sind?

      Ich bin gespannt, was die kommende Woche medial auf uns einbricht…

      Danke für Deinen tollen Beitrag!

      Rose

  7. Ich hab das schon verstanden.
    Andere Sache wäre, was an jm. schlimm ist, wenn er/sie nunmal einfach keine Lust hat, zu arbeiten? Ich finde das ok, es mag nun nicht jeder Anhängsel seines eigenen Lebens sein. Und wenn jm. lange Haare hat, gerne Bier trinkt und einfach mal drauf verzichtet, nützliches Mitglied der Gesellschaft zu sein, dann bin ich voll und ganz down mit. Diese Gesellschaft verdient keine Solidarität und letztendlich sieht sie uns sowieso nur als Arbeitskraftbehälter an, nicht als Individuen oder beachtet gar unsere Bedürfnisse.

    • Oh, ich finde es ja auch noch nicht einmal „schlimm“, wenn jemand nicht „arbeiten“ will. Ich halte es ja auch für Quatsch, das „Arbeit“ der Weg zur absoluten Glückseeligkeit sein „soll“. Es gibt ganz andere Lebenskonzepte, die andere Inhalte haben als „60 Stunden Woche“ und „Schaffe, schaffe, Häusle bauen“ und die haben mehr „Glücksfaktor“. Ich habe da auch neulich mal einen Text zu geschrieben, was die Menschen bloß anstellen werden, wenn sie feststellen, dass man auch ohne Arbeit mal glücklich sein kann,

      Rose

  8. oh, dann hab wohl nur ich das falsch verstanden. sorry, rose.

    hmm, liegt wohl daran, dass mir dieses vorurteil (hoch ausgebildete = „gute“ arbeitslose) kürzlich im „echten leben“ begegnet ist (via den kursleiter meines „aktivierungskurses“ – bin gerade auch arbeitslos, aber im ausland).

    • Ich mag dieses Vorurteil ja auch nicht. Ich sage immer: Arbeitslos ist ja arbeitslos. Es gibt viele verschiedene Arbeitslose, aber alle haben das gleiche Problem. Da ärgert es mich halt auch wenn sich ein Akademiker über die augebildete Buchhaltungskraft erhebt. Ich selber habe ja auch nie studiert, sondern direkt als Journalistin und Assistentin im PR-Bereich gearbeitet. Ich bin eigentlich nie „klassifiziert worden“, aber seitdem ich von HartzIV leben muss, passiert das so oft. Da könnte ich ausflippen. „Sie haben ja nichts gelernt“. „Hallo? Ich habe zehn Jahre Berufserfahrung, ich habe zehn Jahre gearbeitet“. Das soll dann plötzlich nichts mehr zählen.

      Fein, wenn wir das klären konnten.

      Beste Grüße

      Rose

  9. Pingback: Berater der Regierung: Arbeitszwang für Arbeitslose einführen! Teil 4 | Deutschland Debatte Arbeitsmarkt

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