Und es hört nicht auf.

Heissa, Hoppsa, Donnerstag. Krawall auf allen Kanälen.

Heute schnell ein Blick in die Blog- und Medienwelt. Die kleine Ethnologin hat einen wunderbaren Text zum Thema HartzIV Bashing geschrieben. Ich möchte diesen gerne kurz zitieren und dann verlinken, denn sie spricht mir aus dem Herzen. Was soll ich da mehr sagen? So schreibt die Web-Kollegin u.a:

Gestern morgen auf der Titelseite der SZ die Schlagzeile “Missbrauch von Hartz IV nimmt zu”. In der Online-Ausgabe ist erübrigens weit weniger spektakulär betitelt mit “Missbrauch ja – aber begrenzt“.

Liest man den Artikel bis zum Ende, anstatt nach der Überschrift zu nicken und sich-in-den-Bart-murmeln “Genau, endlich schreiben die das mal so deutlich”, dann wundert man sich über das Fazit, wonach die Bundesagentur für Arbeit davor warnt, die vorher zitierten Zahlen überzubewerten, denn “Leistungsmissbrauch sei “in Relation zu der Anzahl der Hilfebedürftigen und den Gesamtausgaben relativ gering verbreitet”.”

Ja, was denn nun? Liebe SZ, das ist eine eindeutige Irreführung der Leserschaft. Und reiht sich ein in die derzeit von allen Medien quer durch die Republik geschürte Anti-Hartz-IV-Empfänger-Stimmung. Das ist kein guter Journalismus, da muss ich meiner ansonsten sehr geschätzten Tageszeitung einmal scharf widersprechen. Ich finde es unethisch, wenn mit reißerischen Schlagzeilen Stimmung gemacht wird, und dann im zugehörigen Artikel zu lesen ist, dass alles ja eigentlich gar nich so schlimm sei.

Zugleich lesen wir in diesen Tagen sehr viel über die Steuerbetrüger (und hier wiederum lese ich sehr gerne Heribert Prantls Beiträge in der SZ, der u.a. erklärt, warum er es für nicht gerechtfertigt hält, den Begriff des  “Steuersünders” zu verwenden). Interessant wäre vielleicht einmal eine Rechnung, wer den Staat eigentlich mehr kostet – die vermeintlichen Hartz-IV-Betrüger oder die Steuerbetrüger, die den Staat jährlich um hunderte Millionen abzocken

Weiter im Text geht es dann unter anderem mit einem Verweis auf meinen gestrigen Text hier (merci für den Pingback) und die Autorin stellt sich, wie man gleich lesen kann, so einige Fragen. Berechtigte Fragen.

Ja, da drängt sich sehr unschön und andauernd der Verdacht auf, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird, dass nämlich den einen, den Hartz-IV-Empfängern, die den Staat ohnehin nur ausnutzen, anstatt arbeiten zu gehen, und das noch mit Freude, dass denen ja nur zugetraut werden kann, zu betrügen. Bei denjenigen, die Steuern hinterziehen, und zwar im großen Stil, dürfte es sich dann eher um die “Besserverdienenden” handeln, deren Interessenvertreter ja inzwischen auch an der Regierung beteiligt sind. Da diese ja in vielen Fällen ehrbaren Berufen nachgehen und etwas für ihr Land leisten (wir denken an Herrn Zumwinkel), ja Gott, Kavaliersdelikte.

Der ganze Artikel ist hier zu lesen.

Was ist sonst noch los, in diesem von Wahnsinn geschüttelten Land? Da alle gerade ganz kirre sind, wegen der zig Milliarden, die vielleicht in der Schweiz gelagert und bald zurückgeführt werden, rückt das Thema Arbeitsmarkt und Arbeitslose ausnahmsweise mal für diesen Tag auf die hinteren Plätze. Gestern wollte zwar Frau von der Leyen noch gerne mal das Grundgesetz ändern um die die Sache mit den Anträgen für die Grundsicherung aus Spaß noch etwas schwieriger zu machen. Als sei es nicht schon Chaos genug, auf den ARGEN in diesem Land. Nein, anstatt jetzt mal wirklich was „richtig“ zu machen und vielleicht auch mal den Grundsatz „Fördern und fordern“ in der Form zu überdenken, vielleicht doch mehr zu fördern als zu fordern. Dabei steht ja „Fordern“ hier sowieso eher für drangsalieren. Aber das wissen wir ja schon alle. Gestern habe ich mich in diversen Foren herumgetrieben und habe schlimme Erfahrungen gefunden. Am derbsten fand ich die Geschichte einer Frau, deren Mann verstorben war und die Kinder, alle nun Halbwaisen, waren nicht über die ARGE versichert, weil die ARGE die Halbweisenrente als Einkommen sieht und meinte, die Kinder müssten sich selber versichern. Somit kam die Frau auf vielleicht 10 Euro HartzIV Anspruch. Sie fragte nach Hilfe, weil sie einen Job annehmen könnte, also von der ARGE wegkönnte, aber die ARGE verbat auch in diesem Fall kurioser Weise mal wieder die Aufnahme von Arbeit.

Letzteres habe ich sowieso noch nicht verstanden: Wenn Sacharbeiter dem „Kunden“ (das ich nicht lache) verbieten, einen Job anzunehmen. So auch gelesen im Erfahrungsbericht eines Mädchens, welches nach einigen Jahren Suche nach einer Ausbildungsstelle gerne eine Heilpraktikerausbildung machen wollte. Sie schildert in ihren Erfahrungen, wie die Sachbearbeiterin sie drangsalierte. „Von Nichts zum Arzt oder was, das können Sie knicken“. So in etwa, ging es da auf der ARGE ab. Man drohte der jungen Frau mit Zwangsmaßnahmen (Entschuldigung, aber in welchem Jahrhundert leben wir eigentlich? Sollte so ein Sprachgebrauch nicht endlich in der Kiste bleiben?) und nebenher, ihr das Kind wegzunehmen und in eine Ganztagsbetreuung zu stecken. Die Junge Frau pochte weiterhin auf den Wunsch, diese Ausbildung zu machen, bot sogar an diese über einen 400 Euro Job zu finanzieren. Da wurde ihr gesagt, der 400 Euro Job sei doch keine Arbeit, eher ein Hobby und zähle nicht. Am Ende drohte man ihr mit Leistungssperre, sollte sie sich nicht der Willkür der Sachbearbeiterin fügen.

Das ist alles in allem nur traurig. Und es gibt hunderte socher Fälle. Aber die Medien geilen sich an einem Mann auf, der seit 36 Jahren keine Arbeit hat und sowieso nie wieder arbeiten kann. Der faulste Arbeitslose Deutschlands wird von der Bild am vierten Tag dieser Woche immer noch an den Pranger gestellt. Schaut man sich die Kommentare auf Bild.de an, kriegt man, ganz einfach gesagt, das Kotzen. Sorry. Das die Bild es mit der Würde eines Menschen noch nie so genau genommen hat, ist ja auch nichts neues.

Manchmal würde ich gerne einfach für alle Superman spielen. Ich weiß auch nicht.

Kurzer Blick in den Spiegel Online Auftritt. Da geht es dann mal wieder um ganz andere Sachen. Es geht um die Studenten, die nicht wissen was sie tun und sich mit total langweiligen und superoptimierten Lebensläufen um ihr Glück bringen. Ja, höher, schneller, weiter, Karriere, Karriere. Das ist das A und O der überoptimierten Studenten der Neuzeit, die aber auch allesamt nicht wissen, was sie mit sich, dem Leben und so weiter, anfangen sollen. Willkommen im Club. Also, tendenziell wissen die dann auch mal, wie der Hammer so hängt, wenn man so superausgebildet in der Luft hängt. Ist ja kein Einzellfall. Wir sitzen alle in einem Boot.

Das soll es erstmal gewesen sein, als erster Blick auf den Tag. Törööööö.

©Rose

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