Dienstagstext. Dienstag kommt nach Montag.

Eine Episode mehr von „Ich und die ARGE Köln“. Mein Kampf gegen die Verwaltungswut der Institution. Oder: Wenn links nicht weiß, was rechts schon weiß. Keiner weiß was. Mein Name ist Hase. Ich weiß von nichts. Ich sitze bei der ARGE.

Heute die weiten des World Wide Webs durchkämmt und nichts großartiges gefunden. Der Briefkasten von gesellschaftistkeintrost ist auch leer. Was wäre es doch wieder einmal schön, kuriose Geschichten aus dem Leben anderer zu erfahren! Also her damit, ich lechze danach.

Sonst ist heute mal wieder in den Medien HartzIV Tag. Heute das Topthema: Betrug bei HartzIV. Dazu kann ich nur schnell eine Randanekdote erzählen.

Als ich im Herbst letzten Jahres kurzs als Honoraraushilfe im Kulturbetrieb arbeitete, war dies laut Vertrag eine Aushilfsstelle und ich hatte dies natürlich treu und ehrlich der ARGE gemeldet. Neulich kam dann Post von der ARGE, nachdem ich der ARGE ca. 25 Mail geschrieben hatte, was ich denn nun bitte mit dem „zuviel verdienten“ Geld machen sollte. Ich wusste ja schon vorher, dass ich das Geld was ich da verdient habe, sowieso nicht behalten durfte. Wochenlang bat ich um eine Stellungsnahme, einen Tipp, eine Nachricht, was ich zu tun habe. Schließlich hatte ich ja den Job rechtzeitig meiner Sachbearbeiterin gemeldet. Doch die scherte sich mal wieder nicht viel darum. Eher im Gegenteil. Als der Job längst vorbei war und ich immer noch nicht wusste, wohin mit der Kohle, die mir ja nicht zustand, rief sie mich mehrmals an um mich mehrmals zu fragen, wann ich da angefangen und wieder aufgehört habe. Dabei hatte ich der ARGE mehr als eine Mail, sowie eine Vertragskopie und alle Abrechnungen immer pünktlich eingereicht. Aber dort wusste natürlich wieder keine etwas.

Dann bekam ich nach Wochen einen Brief, einen Anhörungsbogen. Ich sollte zu Unrecht Leistungen bezogen haben und sollte dies auf dem Anhörungsbogen dalegen. Ich finde das wirklich intreressant. Da meldet man der ARGE einen sogenannten Nebenjob, der dann abgesegnet wird von der Sachbearbeiterin und dann schreibt einen die andere Abteilung an, man habe den Staat betrogen. Dabei habe ich zwischen der Abgabe der Unterlagen und dem Schrieb der ARGE Köln mehr als nur einmal nachgefragt, was nun zu tun sei.

Damit nicht genug. Ich füllte den Bogen aus, schrieb paralell wieder eine E-Mail und schicke den Anhörungsbogen Fristgerecht zurück mit dem Hinweis, ich habe das Geld auf Seite gelegt, schickt mir bitte endlich die Kontonummer wo ich das hinüberweisen soll. Wochenlang passierte nichts.

Dann erhielt ich wieder einen Brief. Die ARGE Köln teilte mir mit, ich habe unberechtigt Leistungen bezogen. Kein Wort wohin mit dem Geld. Anscheinend hatte auch keiner mitbekommen, dass ich das A) meiner Sachbearbeiterin dreimal geschrieben hatte, B) einen Anhörungsbogen darüber ausgefüllt hatte, C) die ARGE eine Vertragskopie hatte usw. Ich dachte, ich flipp aus. Seit Monaten kämpfe ich mit der ARGE, wohin ich das Geld überweisen soll. Und überhaupt finde ich es sehr komisch, dass wenn man einen „Nebenjobs“ anmeldet, die Sachbearbeiterin das „abwinkt“ am Ende ein Verfahren eröffnet wird wegen „Unberechtigtem Leistungsbezug“. Man fühlt sich bei diesen Briefen wie ein Betrüger – dabei hat man alles korrekt gemacht. Man will eigentlich nur das Geld loswerden, was man nicht haben darf, aber der ARGE schafft es nicht, einem simpel zu sagen, wohin damit.

Die verwalten sich sicher noch zu Tode.

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7 Kommentare zu “Dienstagstext. Dienstag kommt nach Montag.

  1. So was ist ja wirklich unglaublich. Man müsste die Arge wegen Unfähigkeit verklagen. Bloß, man weiß schon vorher wie das endet … Ich glaube das unbesehen, dass der Vorgang genauso abgelaufen ist. Ich habe es vor 34 Jahren geschafft, dass ein Mitarbeiter in Düsseldorf strafversetzt wurde, weil ich 13 (!) Monate ohne reguläres Gehalt blieb.. Erst als sich der Landtagsabgeordnete für mich eingesetzt hat, bekam ich 2 – 3 Tage später das mir zustehende Geld (allerdings ohne Zinsen).

    Kennst Du keinen einflussreichen Menschen, der Deinen Fall an die Öffentlichkeit bringen könnte?

    • Ja, es ist wirklich ärgerlich. Aber leider kann man da gar nichts machen. Wie oft ich schon in irgendwelchen Beratungsstellen war. Die machen einfach was sie wollen. Aber ist ja alles bald irgendwie vorbei. Also besteht ja Hoffnung….

  2. Löl.
    Kommt mir irgendwie bekannt vor. Den Brief wg. zu Unrecht bezogener Leistungen hab ich neulich auch bekommen.

    Offensichtlich haben die da nur vorformulierte Briefe für Hartz IV-Betrüger. Der Fall, dass man mal zwischendurch arbeitet, ist wohl noch nicht in den Köpfen und der „Phrasen-Baustein-Abteilung“ ankommen.

    Mein Sachbearbeiter hat sich immerhin dazu hinreißen lassen, einen Satz feinsäuberlich mit einem Lineal zu streichen. Ordnung muss sein. Der Satz, mit dem man angeklagt wird, man hätte den Job nicht angemeldet.

    Na, wie auch immer. Ich hätte es ja auch praktisch gefunden, das Geld einfach zu überweisen. Aber in dem Anhörungsbogen war dann was von „Verrechnung“ zu lesen. Macht mal.

    Bislang ist das allerdings nicht geschehen.

    • Aber das ist doch verrückt! Und da wundern die sich in den Medien, dass angeblich die Zahl der „Betrüger“ steigt, wenn die ARGE nicht in der Lage ist, zu differenzieren.

      Ich halt mir immer nur den Kopf, wenn ich neue Schandtaten der ARGE entdecke….

      Rose

      • Kommt halt drauf an, ob sie unsere Fälle bereits zu den neulich ermittelten „165.000“ eingeleiteten „Straf- und Bußgeldverfahren“ zählen.

        Denn in dem dazugehörigen Artikel

        http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,675368,00.html

        schrumpfen die Zahlen plötzlich, wenn von Schwarzarbeit und Straftatbeständen im Sinne der Staatsanwalt die Rede ist.

        Mich ärgern diese unverhältnismäßig fetten Schlagzeilen aber so oder so. Einfach weil ich davon ausgehe, dass viele nur bis „Anstieg“ und „Missbrauch“ lesen, aber nicht wahrnehmen, dass es eben nur ein leichter Anstieg in einem ohnehin kleinen Spektrum ist.

  3. Pingback: SZ und das Hartz-IV-Empfänger-Bashing « derblogderkleinenethnologin

  4. Hallo,

    mir ging es im letzten Jahr ein wenig ähnlich, ich hatte auch zuviel nebenbei verdient. Das wurde mir aber ganz ordentlich abgezogen und ich habe einen Änderungsbescheid bekommen, alles sehr zügig. Es ging allerdings um ALG1.

    Mein betreuendes Amt war Berlin-Neukölln und ich habe wirklich nur nette und kompetente Ansprechpartner erlebt und NIE Probleme gehabt.

    Zum Glück betrifft es mich derzeit nicht mehr.

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