This is why we do it. Oder: Warum mache ich das hier eigentlich? Wenn keiner Arbeit hat, dann mache ich sie mir selbst.

You are fired. Aber dann ist doch das Leben nicht vorbei. Kurze Gedanken zum warum und überhaupt. Es gibt ein Leben vor und nach der Arbeit.

Oft rattert eine Frage über den Äther: Warum machen Sie das eigentlich? Würden Sie jemals aufhören zu bloggen? Was bedeutet das ganze für Sie? Ein kleiner Gedankenspaziergang. Und am Ende geht es wieder nur um eines: Arbeit oder nicht Arbeit, das ist hier die Frage.

Tja, dieser Blog ist ja ein wildes Kind. Die Idee war ursprünglich, die Wut über die „Katastrophe“ Arbeitssuche in Worte zu fassen. Durch Schreiben Wut ablassen. Geschichten ablegen. Erst so nach und nach, wurde einem klar: Da ist ein Publikum, was wirklich wartet. Seitdem werden die Themen bunter, aber auch irgendwie politischer. Das persönliche Schicksal rückt etwas in den Hintergrund. Zum Jammern war die Nummer hier sowieso nie gedacht. Es sollte eine Plattform geschaffen werden. Das dies hier der Blog über die wahren Geschichten in Sachen Bewerbungen und die Welt rundherum wurde, kam erst mit der Zeit ans Licht.

Aber wie es so ist, es macht einfach Spaß. Ob man Themen sucht, ob man Dampf ablässt, weil einem die Arbeitsagentur wieder sinnlos von hinten in die Knie tritt, oder wenn andere uns ihre Geschichten schicken. Absagen oder unglaubliche Stories über Bewerbungsgespräche. Manchmal schon grotesk lustig, manchmal nur traurig. Manchmal gibt es aber auch Geschichten mit Happy End. So wie zum Beispiel die Geschichte von Mo Jour vom Büro für besondere Maßnahmen. Nachdem sie uns eine schräge Geschichte spendete, bekam sie doch, oh Wunder in der Wüste, jenen Job. Den Job, für den das Gespräch wahrhaftig ein komischer Ritt durch die absurdesten Fragen ever war. Da kann man nur sagen: Daumen hoch. Alles wird gut. Wir finden für jeden noch ein Plätzchen.

Naja, also, warum mache ich das jetzt hier eigentlich? Ganz einfach. Ich liebe das Schreiben, ich sammel gerne Geschichten und ja, ich hab mich schon als Kind gerne beschwert und Wale gerettet. Nun versuche ich mal den letzten fitzel Menschlichkeit in unserer Gesellschaft zu finden, den letzten Nervenkitzel unserer Zeit, so habe ich manchmal das Gefühl. Auf dieser Suche passiert einem natürlich eine Menge, vor dem man nie gewarnt wurde. In der Schule zumindest hat man uns auf alles vorbereitet, aber nicht auf die Tatsache, dass es gut sein kann, kurz vor dem 30. Geburtstag auf der Warteliste der Millionen Menschen für Arbeit zu stehen. Und das die Arbeitssuche so ein Kampf werden würde. Ein Diktat von kruden Regeln, Praktiken, die eher in die gute alte Preußenzeit zu gehören scheinen, als in das Jahr 2010. Verrückt aber war, trotz preußischer Zustände im Regelwerk der Bewerbungen, fehlen eigentlich nur die fliegenden Autos, as seen in Back to the future. Eine Szene aus Zurück in die Zukunft hätte uns allen eine Warnung sein sollen.


Die Szene in der Marty Mc Fly über Bildtelefon und Fax im gleichen Moment die Kündigung bekommt. You are fired. So ist das Leben heute. Definieren wir uns denn nur noch über Arbeit? Ist man nur ein guter Mensch, wenn man Arbeit hat? Was ist gute Arbeit? Heute kann man schnell festmachen, was schlechte Arbeit ist. Aber was ein richtig guter Job ist? Ist es ein guter Job, wenn man sich in 60 Stunden die Woche bei lebendigem Leibe zu Tode schuftet? Aber so richtig Bescheid weiß irgendwie keiner mehr. Naja, aber so gekündigt werden, ist halt die eine Sache. Selber kündigen, in dem Glauben, ich find schnell wieder was, und dann dauert es 13 Monate, inklusive Weiterbildung und man findet nichts, grenzt an eine unglaubliche unendliche Geschichte..

Personaler sitzen in Ihren Büros und selektieren Menschen aus Mappen, wegen Bilder, auf denen Ihnen die Farbe des Hemdes nicht gefällt. Die Nase ist zu groß. Die Brüste zu klein. Die Frau nicht blond genug. Ja, so ist es, hat mir mal eine Personaltante aus einem Personalerbüro bei einem Cafe Latte geträllert, so oll und billig ist die Realität. Und das in einem Land, das sogar laut OECD unheimliche Diskriminierungszustände auf dem Arbeitsmarkt sein eigen nennt. Ein Land, mit den besten Gesetzen gegen Diskriminierung  – aber dennoch ist der Zugang zum Arbeitsmarkt schwierig und erinnert manchmal mehr an einen überkanditelten Talentwettbewerb aus einem schlechten, amerikanische Film, als an eine ernsthafte Sache. Schon komisch, dass die Gesetze irgendwie unsichtbar zu sein scheinen.

Personaler und Bewerber spielen sich ein Theater vor, dass geht auf keine Kuhhaut. DIN Normen müssen eingehalten werden, wenn es schon um das Anschreiben geht. Klebt das Bild nicht richtig in der Ecke – Raus. Einfach nur raus. Wohin soll das führen?

Dies und noch mehr Themen sind der Grund für diesen Blog. Abstruse Verfahren, die Tatsache, dass vergessen wird, dass hinter jeder Bewerbung ein Mensch steckt. Aufmerksam machen möchten wir hier. Auf dieses Tabu. Man darf nicht darüber schreiben und doch nicht unter Klarnamen. Klarname, alleine das Wort. Klingt ekelig, oder? Und über Arbeitslosigkeit schreibt man schon erst recht nicht. Pfui. Nun denn, ich lass mich nicht beirren, von all‘ den Anonymen Mails, die mir den Untergang meiner selbst voraussagen, weil ich Geschichte darüber schreibe, wie es wirklich läuft. Dafür schreibe ich schon viel zu lange.

Irgendeiner muss es doch machen. Und so fangen die Dinge halt an. Irgendeiner muss es halt machen. Und darum machen wir das hier. Für die Momente vor dem Moment, wenn man Arbeit gefunden hat oder für die Momente, wenn man die Arbeit verloren hat. Dann geht nämlich alles wieder von vorne los. Und am Ende stelle ich die unverschämte Frage: Was machen wir, wenn einer rausfindet, dass man ohne Arbeit, wenn man nur das tut was man will, glücklich sein kann? Dann bekommen wir echt ein Problem. Aber das wird sicher ein Tabu werden. Einfach so glücklich sein. Ohne Arbeit! Schämt Euch!

Aber so einfach ist das nicht. Hat man keine Arbeit, sucht man wie verrückt nach einem Strohhalm. Denn, die Gesellschaft sitzt einem im Nacken. Arbeitslosigkeit macht keinen Spaß, dass ist auf jeden Fall sicher. Tag für Tag die Suche nach der alles erlösenden Arbeit. Ich überlege mir nun, wie frech es denn wäre, ohne Arbeit glücklich zu sein. Sehr frech. Aber auch eine gute Idee.

Und nun schnell am Ende rübergesprungen zur Anfangsfrage: Warum mache ich das hier? Ich mach mir meine Arbeit halt selber. Die Arbeit, die ich liebe. Schreiben. Jetzt muss ich nur noch frech glücklich werden damit. Und mir irgendwo einen Sack Geld an den Kopf werfen lassen….Räusper.

©Rose

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