In der Blackbox beim Networking

Meine ehemalige Arbeitskollegin und aktuelle „Leidensgenossin“ S. schickte mir eine E-Mail: Hast Lust auf ein Networking-Event der Wirtschaftsförderung zum Thema Kreativwirtschaft in unserer Heimatregion?

Hatte ich, las ich doch gerade in einem Buch so verrückte Dinge über das networking (Dazu an anderer Stelle demnächst mehr). Über das Für und Wider. Ich konnte mir gar nicht wirklich viel darunter vorstellen, was mich da erwarten sollte.  Wir waren pünktlich und wussten gar nicht so recht wohin und wurden in ein Foyer geschickt und von dort sind wir nicht in Empfang genommen worden, sondern wir sind einfach in den Saal gestiefelt. Der Raum, die sogenannte „BlackBox“ füllte sich allmählich und der Moderator und die Veranstalter hießen uns einige Mal willkommen. Der Moderator weist auf das „kreativ gestimmt Licht“ hin. Das ganze nannte sich „creative stage“ und will die Tätigen in der Kreativwirtschaft miteinander in Verbindung bringen. Jetzt geht es los, dachte ich. Jetzt erfahre ich über den Stand der Branche und die Zukunftsaussichten. Über Projekt und Möglichkeiten. Vielleicht ist ja die ein oder andere Firma dabei, bei der es die Möglichkeit einer (Initiativ)Bewerbung gibt? Was folgte war allerdings eine Produktwerbeshow, die ermüdete. Mehr oder weniger gut gemachte Imagefilme und Produktideen wurden vorgestellt, dabei auch noch manchmal wirklich schlecht verkauft. Das soll networking sein? S. und ich sehen uns an und blicken in das Fragezeichengesicht des anderen. Ein Blick auf die bevorzugt schwarz und leger bekleideten Leute (kreativ!) lässt keine Rückschlüsse auf deren Gedanken zu. Es fliegen uns einige Anglizismen um die Ohren: „working flow“, „flashmob“, „facility management“, „corporate design“ oder „flash fixer“ – wir sind hier ja bei künstlerisch Aktiven.

Ich frage mich, was diese Veranstaltung bringen wird. Entstehen da tatsächlich neue berufliche Partnerschaften? S. und ich haben das Gefühl ungewollter Teil einer geschlossenen Veranstaltung zu sein. Wir haben entgegen der anderen Gäste kein Namensschild und sind auch nicht eingeladen worden. Wir hatten den Termin aus der Presse und es stand nicht dabei, ob öffentliches Treffen oder eben nicht. Wahrscheinlich war das Ganze nicht für Leute gedacht, die sich so einen Überblick über die Kreativwirtschaft im Umfeld machen wollen. Egal, sowas ging dort ja eh nicht. „Dauerwerbesendung„, sagt S. Engagierte Projekte werden gezeigt, die schön glitzer glitzer sind. So wird vom Plan berichtet, was im Rahmen der Akzente (Duisburger Kulturfestival) und des Eventjahres Ruhr 2010 im Duisburger Viertel Ruhrort alles passieren soll. Es sei eine brachliegende Kulturlandschaft. Nette Pläne und Vorhaben, aber S. sieht den ein oder anderen Haken an den Prestigeplänen. Lapidar fasst sie zusammen: Ruhrort ist kein Kurort. Kulturarbeit, die schick aber nicht tragfähig oder langlebig ist oder sich nicht um die realen Begebenheiten vor Ort kümmert, was bringt die? So wenig, wie dieses ganze Event uns beiden. Meine Highlights sind das Fingerfood, der Zitronenkuchen und das Gratis-Schlüsselband. Als wir die Box vorzeitig verlassen (wir sind nicht die ersten, die früher gehen), schneit es und wir freuen uns darüber. So geht der Abend sehr schön zu Ende und das Gefühl, dass es für dieses Jahr reicht, steigert sich. Weihnachtspause brauchen auch die Suchenden.

Allerdings gefällt mir die networking-idee an sich sehr gut. Da muss ich unbedingt mal sehen, was sonst noch so passiert hier in diesem Punkt. Vielleicht kann man selbst was auf die Beine stellen.Man wird sehen.

Ein schönes Projekt allerdings, das Aufmerksamkeit verdient ist „Made in Marxloh„. Schaut mal rein.

© Simone

Advertisements

Ein Kommentar zu “In der Blackbox beim Networking

  1. Das kenne ich. Es gibt sowas Ähnliches, Visitenkartenpartys.
    Organisiert auch oft von der regionalen Wirtschaftsförderung.
    Und da ist bereits der erste Haken: Die haben nämlich von kreativen Berufen am allerwenigsten Ahnung.
    Zudem bringen solche künstlichen Events „von oben“ so gut wie nichts. Besser selber networken.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s