Wir machen uns nackig. Für jeden Job der Welt. Und die Arbeitgeber schicken sich nicht einmal an, Rückruftermine einzuhalten.

Heute ist ein Tag, da lache ich sogar über Sätze wie diese: Ein Hochhaus sitzt im Keller und häkelt einen Helikopter. Da kommt der Förster und sagt: „Hey, hier ist Angeln verboten!“ Darauf das Hochhaus: „Ich hab` doch gar nichts geklaut!“

Andererseits gibt es mal wieder eine Menge, was mir unter den Nägeln brennt. Einmal die alte Geschichte mit dem Ungleichgewicht in Sachen Bewerbungen. Sehen wir es doch mal so: Der Bewerber muss etliches über sich ergehen lassen. Diskriminierung in Reinform, aber es wird einfach eine hübsche Decke drüber geworfen, die all den Wahnsinn legitimiert, der im Rahmen einer Bewerbung statt findet.

Der Bewerber muss Fristen achten, nach DIN Form genormte Lebensläufe und Anschreiben verschicken, er muss endlos dumme und unverschämte Fragen im Bewerbungsgespräch über sich ergehen lassen. Im Härtefall wird noch Blut abgezapft, angeblich ist das „total berechtigt“ und soll nur helfen zum Beispiel Zuckerkranke richtig in Schichten einzuteilen. So ein Mist. Aber wir machen ja alles mit. Denn wir wollen ja Arbeit. Wir geben etliche von Euros für teure Bewerbungsmappen und das richtige Papier aus. Wir kaufen die hübschesten Umschläge und extra dickes Papier für das Deckblatt. Wir lassen uns an die hundert Euro für genormte Bewerbungsfotos abknöpfen – dabei wissen wir alle längst, dass die Auswahl über Optik mehr als nur diskriminierend sind. Außerdem kommt in diesem Zusammenhang immer wieder der Vergleich mit anderen Ländern auf den Tisch. Warum geht es zum Beispiel, dass man sich in Schweden ganz ohne Bild bewirbt? Warum geht es in den USA? Warum geht es fast auf der ganzen Welt, nur in diesem verrückten Deutschland nicht? Kann keiner sagen. Aber hier ist ja selbst das Blutabnehmen „erlaubt“. Schrecklich. In Schweden kann man sogar zur Not ein Bild schicken, dass einem beim Angeln im Fjord zeigt und das ist kein Grund, einen aus dem Stapel zu werfen.

In Amerika sind abwechslungsreiche Lebensläufe kein Problem, in Amerika ist jeder Neuanfang ein bejubeltes Ding. Die Amerikaner finden es quasi super, wenn man verschiedene Sachen gemacht hat. Es ist dort kein Manko, nur zwei Jahre irgendwo gewesen zu sein. Ist man in Deutschland „Nur drei Jahre“ bei einer Firma und dann einmal „Nur zwei“ ist man gleich unfähig. Arbeitete man zwischendurch Jahrelang als Selbstständig, kann man sich anhören „Sie sind nicht teamfähig“. Das ist doch grausam. Was soll das?

Der Bewerber muss sich also komplett nackig machen. Der potentielle Arbeitgeber durchleuchtet einen, pardon, bis auf die Unterhose. Man wird in Einzelteile zergoogelt und findet man nur etwas im Internet, was nicht ganz der Nase des gerade googelnden Personalers passt, ist man raus. Ist doch egal, ob man irgendwas gut kann. Man hat irgendwo ein Bild geposted, auf dem man seine Katze küsst oder, oh Gott, die Bilder einer Weihnachtsfeier unter Freunden. Widerlich! Dieser Mensch hat ein Privatleben! Er lebt und atmet und erfreut sich am Dasein! So jemanden kann man für Arbeit ja nicht gebrauchen.

Und vergessen wir bitte nicht den Papier und Zertifikat und Zeugnisswahn in Deutschen Landen! Hier muss man alles nachweisen, bis zur Grundschule am besten. Total Banane. Hat jemand zehn Jahre seinen Job gut gemacht, aber „Nix gelernt“, ergo „Kein Studium“, ist er „Ungelernte Kraft“. Das soll mir mal bitte jemand logisch erklären, wer sich diesen Mist ausgedacht hat. Talent und Neigungen interessieren hier doch überhaupt nicht. Hauptsache man legt einen Stapel Papier vor. Hübsch genormt und die Zeugnisse mit fiesen Schlüsseln hinter den Wörtern. Schrecklich.

Im Gegenzug benehmen sich die potentiellen Arbeitgeber schrecklich. Sie beantworten Bewerbungen gar nicht, schicken die teuren Mappen mit den noch viel teureren Fotos nie zurück, Absagen sind schlampig und selbst mündliche Zusagen sind keinen Pfifferling mehr werd. Es gibt nichts mehr, an das man sich halten kann. Keinen Messwert. Galt früher noch ein Gespräch, welches über eine Stunde ging, als „Fuß in der Tür“, hat es heute keinen Wert mehr. Worte sind nur Schall und Rauch. „Ich rufe Sie Montag an“. Dann sitzt man Montags da und wartet und wartet und wartet. Natürlich ruft niemand an. Und Niemand meldet sich auch am Dienstag. Schreibt man dann eine Mail und bezieht sich auf die Aussagen im Gespräch bekommt man prompt eine Mail, in der einem mitgeteilt wird „Alles anders“. Das ist doch fürchterlich. Wann verstehen die Arbeitgeber oder Personaler endlich, dass hinter einem Mensch, der Arbeit sucht, ein fühlendes Wesen steckt? Ein Mensch mit Idealen, Talenten, Wünschen und Hoffnungen?

Warum muss sich der Bewerber so nackt machen und die Gegenseite hält sich an keine Regeln?

Ein gutes Beispiel für „Schlimme Erfahrung“ ist auch der Text aus dem Blog von Mo Jour. In ihrem Blog „Büro für besondere Maßnahmen“ erzählt sie die aufreibende und traurige Geschichte ihrer persönlichen Arbeitssuche. Sie erzählt von dem grausamen Spiel der Arbeitgeber mit der Hoffnung der Menschen auf Arbeit und sie zeigt anhand von einigen Beispielen die Unzuverlässigkeit der Gegenseite auf. Hier einige Auszüge:

damals hatte ich sogar eine mündliche zusage für eine der drei neu zu besetzenden stellen erhalten. wochen später lag dann doch wieder nur der ungeliebte große umschlag mit nichtssagender standardabsage im briefkasten. haha – reingefallen! auf mündliche absprachen kann man sich doch heutzutage nicht mehr verlassen, du dummerchen!

diesmal waren außer mir nur zwei andere kandidatInnen eingeladen. die derzeitige stelleninhaberin ist eine bekannte von mir. sie wird zum jahresende die stadt verlassen, hatte mir den tipp gegeben, mich zu bewerben und mich sogar ihren vorgesetzten empfohlen – da hatte ich mir realistische chancen ausgerechnet.

in den schönsten farben hatte ich mir ausgemalt, wie schön das sein könnte, nach all den jahren wieder finanziell unabhängig zu sein und nicht mehr zu diesem blöden hartz-amt zu müssen. wenn zwar auch weiterhin sparsam, so doch selbst über mein geld entscheiden zu können!“

es gab nicht eine einzige frage, in der eindeutig nach für die zu besetzende stelle notwendigen qualifikationen gefragt wurde.

statt dessen spielten sie mit mir spekulatives stehgreiftheater:

„stellen Sie sich vor, Sie kommen an ihrem ersten arbeitstag hierher und niemand ist da. die ganze hoschschule ist leer. wie kommen Sie an die informationen, die Sie brauchen, um Ihre arbeit zu erledigen?“ wie bereits gesagt, man hatte mir weder mitgeteilt, was denn meine arbeit eigentlich sei – noch wie die aufgaben unter den insgesamt drei fakultätssekretärinnen aufgeteilt sind.

ich sagte nicht, dass ich wohl kaum ins gebäude reingekommen wäre, wenn nicht einmal der hausmeister da wäre. ich habe auch nicht gesagt, dass ich mich dann erst mal hinsetze und in meinem eigenen kalender nachschaue, ob ich mich vielleicht im datum geirrt haben könnte und aus versehen an einem sonntag gekommen bin. erst recht nicht habe ich gesagt, dass ich mir dann erst mal nen kaffee kochen, ne halbe stunde warte, ob noch jemand kommt und – wenn das nicht der fall sei, stinkesauer wieder heimgehen würde. unausgesprochen blieb auch, dass ich es für ausgesprochen unkollegial hielte, mich an meinem ersten arbeitstag ohne einarbeitung so dermaßen auflaufen zu lassen. für mich wäre das ein kündigungsgrund.

„was tun Sie, wenn einer der professoren Sie unangemessen laut und ungerecht vor anderen herunterputzt und niederbrüllt?“ – „wie gehen Sie damit um, wenn eine professorin merkt, dass Sie gerne texten und Ihnen immer öfter solche aufgaben überlässt? zusätzlich?“ – „was machen Sie, wenn dann auch die kollegin merkt, dass Sie das gut machen und neidisch wird, weil Sie bei den professoren so gut dastehen?“

solcherlei fragen ließen mich vermuten, dass es sich bei der ganzen abteilung in der tat um einen ziemlich unkollegialen haufen durchsetzungsunfähiger profilneurotiker und pädagogisch wertloser choleriker handelt. insgesamt hatte ich den eindruck, dass hier nicht eine sekretärin gesucht wurde, sondern eine konfliktmanagerin und mediatorin, die den kommunikationsstau gegen größte widerstände wieder in fluss bringen soll.

„…. und wenn die kollegin Ihnen dann auch noch textaufgaben zuschustert, weil Sie weiß, dass Sie das gut können und sie selbst macht es nicht so gerne?“ – „…. und wenn Sie so viel texten, was ja keine klassische sekretariatsaufgabe wäre – würden Sie dann nicht mehr geld haben wollen?!“ – ja wie jetzt?! ziehen die mir geld ab, wenn ich mal zwei stunden mit niederqualifiziertem fotokopieren zubringen muss?!

„…. es wird niemand mehr da sein, der Sie einarbeiten kann, wenn Sie im januar hier anfangen. wären Sie bereit, im monat vorher ’sich einzubringen‘ (ohne bezahlung versteht sich!) und sich das wichtigste zeigen zu lassen?“

ja. gegen jede überzeugung, dass einarbeitung zur arbeitszeit gehört: ich wäre dazu bereit gewesen, als diese frage im bewerbungsgespräch gestellt wurde. ich wollte die stelle. ich wollte arbeiten.

Die ganze Geschichte könnt ihr unter http://mojour.blogspot.com/2009/11/besondere-manahmen-vii-gehe-zuruck-auf.html#comment-form lesen.

Die Fragen sind ein gutes Beispiel dafür, was man über sich ergehen lassen muss, um Arbeit zu bekommen. Es wird überhaupt nicht mehr Jobrelevant gefragt. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an ein Bewerbungsgespräch vor gut sechs Monaten.

Der Abteilungsleiter dort sagte mir knallhart ins Gesicht, eigentlich habe man mich nur eingeladen, weil ich diese „Schillernden“ Blogs im Internet habe. Da wollte man sich doch mal so jemanden in Echt angucken. Aber eigentlich käme ich gar nicht in Frage und sowieso, wenn ich für ihn arbeiten würde, müsse ich meine privaten Schreibereien sowieso einstellen. Würde er mir dann verbieten. Das war auch ein Schlag ins Gesicht. „Wir haben Sie eingeladen, weil wir sie mal angucken wollten“. Hahaha.

Alles in allem ist alles gerade an allen Fronten wieder fürchterlich. Weihnachten steht vor der Tür, die Geldbörse ist leer, der Stellenmarkt gibt nichts her, was mich und meine Passsion fordert. Das Jahr 2009 neigt sich dem Ende zu, ich habe über 170 Bewerbungen geschrieben und komme nicht zum Punkt. Ich habe über 15 Bewerbungsgespräche geführt und war dreimal Haarscharf an der Anstellung dran. Dann hat aber irgendwem in der Personalabteilung meine Nase nicht gepasst, meine Augenfarbe und die Tatsache das ich selbstständig denken kann.

Es bleibt nur eines: Zu hoffen, dass es 2010 besser wird.

©Rose

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17 Kommentare zu “Wir machen uns nackig. Für jeden Job der Welt. Und die Arbeitgeber schicken sich nicht einmal an, Rückruftermine einzuhalten.

  1. Das ist bei mir auch allzuoft passiert: Mündliche Zusage und dann schriftliche Absage.
    Also, ich würde rot werden. Aber offensichtlich ist Unehrlichkeit ein begehrte Schlüsselqualifikation. Vielleicht sollte man das generell in Bewerbungsschreiben setzen.

  2. roselieberose! na, das ist ja mal ein echter ichschreibmir-allenfrust-vonderseele-text geworden. vielleicht sollten wir ja nicht länger bewerbungen schreiben, sondern die gute alte absageagentur wiederbeleben (www.absageagentur.de) – ungefähr so: „leider kann ich die stelle bei Ihnen nicht antreten, weil sie mich nur aus neugierde einladen, um endlich mal eine wirklich kluge und kreative frau persönlich kennenzulernen. arbeitgeber mit so wenig menschenkenntnis und einem derart suboptimalen eq kommen für mich in frage …“

  3. Wenn 170 Bewerbungen geschrieben wurden, bleibt für mich jetzt die Frage, ob nicht evtl. eine Selbstständigkeit möglich ist.
    Das hat doch der Hippie-Arbeitgeber aus einem der Vorgänger-Threads letztlich ja auch gemacht und alle anderen Arbeitgeber auch irgendwann einmal.
    Zumindest nachdenken würde ich mal darüber. Ob man dann wirklich zu diesem Schluß kommt, ist eine andere Frage. Es ist eben eine Option.

  4. „Wenn 170 Bewerbungen geschrieben wurden…“

    …frage ich mich, ob nicht an den Bewerbungen etwas faul ist. Sorry, klingt hart, aber ich würde mal etwas an der Strategie ändern. Vielleicht hilft das mehr, als solche Blogs zu schreiben.

    • Das sind immer die dollsten Tipps. Nee, die Bewerbungsunterlagen sind inzwischen sogar „gecoached“ worden, die Unterlagen werden auch immer gelobt. Das ist nicht das Problem. Es ist ja auch nicht das Problem, dass ich zu wenig Bewerbungsgespräche habe. Es rastet halt nur nicht ein. Und mal so ganz nebenbei: 170 Bewerbungen in neun Monaten sind noch gar nichts. Da geht noch mehr, so wurde uns mitgeteilt. Ich habe inzwischen auch zwei Bewerbungstrainings gehabt und mache gerade ein Coaching. Daher kann ich zu Deinem Tipp nur sagen: Da bin ich schon längst dreimal drauf gekommen. Sonst würde ich ja nicht über die absurden Zustände „diesen Blog“ schreiben. Der Übrigens, wenn man zur Schreibenden Zunft gehört, schon hilft. Und wenn er nur das geistige Getriebe in Schwung hält. Hart klingt daran nichts, an Deinem Tipp. Wie gesagt, die Unterlagen sind super, das Foto war teuer, die Formatierung ist nach Norm, zehn Jahre Berufserfahrung, alles da. Ich bin ja kein Einsteiger. Das ist ja der Gag. Ich muss das hier anscheinend immer wieder betonen.

      Das der Bewerbermarkt seltsame Wege geht, dass haben wir uns ja nicht im Rausch der Absurdität selbst ausgedacht. Ich habe – ich betone es noch einmal – bis Oktober letzten Jahres nie Probleme gehabt, einen Job zu bekommen. Ich habe zehn Jahre Job für Job gemacht. Aber plötzlich hat irgendeiner auf den Panik Knopf gedrückt. Und seitdem sind alle raderdoll. Pfffft.

      Fuck you world, sag ich da da gerade nur.

  5. Ach ja und woran liegt es dann, dass ich wegen des letzten möglichen Jobs, zwar drei Gespräche mit dem Unternehmen hatte? Einmal eine Stunde, einmal zweieinhalb Stunden und dann noch einmal? Da würde mich auch mal wieder die Fernanalyse sehr interessieren. Wahrscheinlich hatte ich beim dritten Gespräch die falschen Socken an. Muss ich mal ändern.

    Anstatt solche Blogs zu schreiben.

  6. das thema mit den fotos hatte ich vor kurzen mit einer kollegin ausdiskutiert und wie beide kamen zu dem schluß: nichts ist schlimmer als fancy fotos, am besten noch in natürlicher partyumgebung oder windzerzaust am strand.
    ich hatte diese bewerbungen stapelweise, und alle suggerierten mir persönlich dass diese bewerber nicht die richtigen sind, was sich dann auch in den gesprächen herausstellte.
    natürlich ist die bildersache oberflächlich, aber wenn es um einen job mit kontakt zum kunden geht ist nun mal wichtig, dass die person sich mit sich selbst ein bisschen mühe gibt.
    wer ein bild mitschickt und sich dafür vielleicht auch noch schnell die haare kämmt hat einfach bessere chancen. man sollte sich natürlich so zeigen wie man in dem späteren job aussehen würde. bei uns gibt’s weder windmaschinen im laden noch eine tanzfläche, also will ich auch nicht sehen wie die leute in der disko oder am strand aussehen. und was nützt ein super angler?

    hast du dir schon mal überlegt dass die leute vorher google nutzen, dann auf diesen blog stoßen und gleich abgeschreckt sind? keine lust haben hier zitiert zu werden und dich lieber gleich gar nicht in betracht ziehen?

    • Da haben wir es wieder. Böses Mädchen. Schreibst einfach einen Blog und erzählst die Wahrheit. Mein lieber Rene, es liegt auf der Hand, dass das Deutsche Bewerbungsverfahren diskriminierend ist. Ich habe keine Lust schon wieder die Vergleiche mit Europäischen Nachbarn zu ziehen. Natürlich soll man sich mit einem anständigen Bild bewerben, dass ist mir klar. Es geht mir aber darum, dass viele aussortiert werden, nach Merkmalen die unter Diskriminierung fallen.

      Außerdem ist es eine Schande, dass man angeblich nicht unter seinem „echten“ Namen publizieren darf, obwohl man eigentlich als Autorin bzw. in der PR-Branche arbeitet. Das ist schon etwas bescheuert, oder?

      Erzähl das mal einem Journalisten, der seinen Job noch einigermaßen ernst nimmt. Alles klar.

      Verlogenes Getue. Ich sage nicht, dass jeder Personaler so denkt, aber Du zeigst ja gerade wieder, wie spießig die Riege der Personaler in diesem Land ist. Pah.

      Außerdem sind wir zu zweit. Danke für die Aufmerksamkeit.

      Ich lass mir doch von Euch Anzugpinguinen nicht diktieren, was ich zu denken und zu sagen habe. Oder mir gar das Schreiben verbieten lasse. Ihr spinnt doch.

      Und natürlich weiß ich das die Leute google nutzen. Und die finden noch allerhand anderes. Ich schreibe schließlich seit zehn Jahren, habe schon einige Veröffentlichungne (Artikel, Bücher). Also, was willst Du mir damit sagen? Dass es absolut unerhört ist, wenn ein Arbeitgeber rausfindet, das ich seit zehn Jahren erfolgreich blogge?? Das ich mal nen Preis für meine Schreibe bekommen habe? Das ich mal auf Lesereise war? Das ich Interviews in großen Zeitschriften gebe?

      Anscheinden kann ich doch mit Medien und Internet ganz gut umgehen, wenn ich das im kleinen schaffe, oder?

      Viel Spaß noch beim aussortieren von Bewerbungen. Weil jemand die Haare nicht so gekämmt hat, wie Du das gerne hättest.

      • zum einen erstmal danke für den ‚anzugpinguin‘, ich fühle mich jedoch nicht angesprochen da es auf mich nicht zutrifft.

        ich hatte absichtlich meinen namen nicht mit meinem BLOG verlinkt, nun scheint es aber doch nötig zu sein um dir auch mal ein bild von mir zu geben. auch mein leben ist in keinsterweise geradlinig verlaufen, und ich habe wie alle anderen auch lernen müssen absagen zu verkraften. das kratzt natürlich am selbstbewußtsein. was ich dir, oder euch, aber wirklich ankreide ist die selbstherrlichkeit die an den tag gelegt wird. ihr spielt die rolle der unverstandenen seelchen ziemlich gut, drückt hier im blog auf die tränendrüse statt die energie darauf zu verwenden das ruder rumzureißen. du hast doch erkannt womit man scheinbar einen job bekommt: gute bilder und einen mappe voll mit eigentlich unwichtigen bescheinigungen!

        „…Ich schreibe schließlich seit zehn Jahren, habe schon einige Veröffentlichungne (Artikel, Bücher)…“

        warum muss überhaupt jemand google nutzen, legst du dies nicht alles offen in deinen bewerbungen? sind das nicht die eigentlich besten startmöglichkeiten?

        ich wollte dich nicht angreifen, mir geht nur gejammere auf die nerven. alle jammern über oberflächlichkeit und darüber ständig verkannt zu werden. das ist doch nicht erst seit gestern so und du/ihr seid nicht die einzigen denen es so geht!

      • meinst du etwa, so eine mappe haben wir nicht? und sind hunderte von bewerbungen keine energie? und natürlich stehen die stationen alle in meinem lebenslauf drin. und wir jammern nicht rum. wir kotzen uns hier aus über bescheuerte zustände. und zum letzten punkt: klar, lege ich das alles offen. ich bin doch nicht von gestern.

  7. dann liegts vielleicht letztenendes doch an der hier transportierten ‚wir-wissen-was-wirklich-geht-und-ihr-seid-alle-doof‘-einstellung.
    eure ehrlichkeit in allen ehren, aber soviel selbstherrlichkeit würde ich mir auch nicht antun.

    • Ich sehe bei uns keine Selbstherrlichkeit. Faszinierend, was in unsere Zeilen immer hinein- oder herausgelesen wird. Ich würde es nicht als überhebliche „Wir wissen was geht“-Haltung bezeichnen, eher als „Wir sehen, was bei uns und mit uns gerade passiert“.
      Simone

    • Ich habe mal noch so eine Frage: Was ist denn bitte „Dann tut doch etwas“. Ist dieses Blogprojekt (vor allem, wenn man wie Simone und ich als Autoren und in der PR-Branche Tätigkeiten suchen) denn „nichts tun?“. Was ist denn bitte das Kern to-do eines Schreiberlings? Ähm, schreiben?

      Ich finde die Vorwürfe von „Selbstherrlichkeit“ über „Jammerei“ bis hin zu „Macht doch mal was, anstatt hier einfach frech hunderte von Texten zu schreiben“. Ja, der Herr, machen wir doch. Wir bewerben uns wie fleißige Bienchen und nochmal für Dich, für hinter die Ohren zu Schreiben: Speziell bei mir geht es nicht darum, den Berufseinstieg zu schaffen. Aber das kann ich selber schon nicht mehr hören.

      Du findest also, wir jammern hier rum und tun nix. Finde ich super. Du hast also von Medienkampagnen genauso wenig Ahnung wie davon, was man alles so macht, wenn man als freie Autorin oder in der PR-Branche tätig ist. Das wir hier einige Tools aus der PR gezielt anwenden, ist Dir wohl noch nicht aufgegangen. Oder? Und Du wirfst uns also vor, wir machen nix? Obwol wir hier seit Monaten an einer Plattform arbeiten? Ich weiß ja nicht was in Deiner Welt „Nichts“ ist.

      Und wo kommen wir eigentlich hin, wenn man als Autor nicht mehr schreiben kann, was man will, weil man Angst haben soll, dann keine Jobs mehr zu bekommen?

      Das ist ziemlich krank.

      Rose

      • ihr lieben ‚mädchen‘ 😉 ! – lasst euch mal nicht kirre machen von irgendwelchen feindseligen (… nein ich schreibe jetzt nicht: „testosterongesteuerten durchschnittspimmelträgern mit hängeeiern“, nein das schreibe ich nicht! ich schreibe lieber: personalbeauftragten, schreibe ich jetzt mal, genau:) …. ähem ‚personalbeauftragten‘, die es im leben inhaltlich zu nix gebracht haben und so tun als wären sie gott, weil ihr job ihnen zufällig die möglichkeit gibt, über die zukunft anderer menschen zu entscheiden und das wiederum gibt ihnen genau die sorte von lächerlichem machtgefühl, das ihr unterentwickeltes ego dringend braucht, damit der eigene selbstwert nicht vollends bis unter die kniekehlen rutscht.

        ich finde, ihr zwei beiden macht hier gute arbeit, und eine sehr wichtige dazu. Ich zitiere mal rosa luxemburg: »Wie Lassalle sagte, ist und bleibt die revolutionärste Tat, immer ›das laut zu sagen, was ist‹.«

        Lasalle wörtlich liest sich übrigens so: „Alle große politische Aktion besteht im Aussprechen dessen, was ist, und beginnt damit. Alle politische Kleingeisterei besteht in dem Verschweigen und Bemänteln dessen, was ist.”

        und schon konfuzius wusste: „wer die wahrheit sagt, braucht ein schnelles pferd“.

        macht also bitte unbedingt weiter so. lasst euch nicht einschüchtern, und bitte bleibt so wunderbar geradeaus.

        und dann wünsche ich euch natürlich doch, dass sich eure berufliche/persönliche situation alsbald zum von euch gewünschten hin verändert – was dann auch der einzige grund wäre, den ich gelten ließe, wenn ihr hier weniger/anderes schreibt.

        eure privaten erlebnisse sind sehr politisch. weil wir viele sind. vergesst das nicht!

        chapeau für euren mut, für ehrlichkeit und offenheit!
        eure mo jour

      • Bei so viel Unterstützung und Lob kann man ja nur hinten um fallen vor lauter Freude. 1000 Dank, meine Liebe.

        Rose

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