Krise. Ja jetzt doch. Zu Ende. Fängt erst an. Wird besser. Geht erst richtig los. Was denn jetzt bitte?

Randnotiz. Let’s go. Herrschaften, könnten Sie sich bitte alle nun mal einig werden? Gerade schickt der Spiegel Online wieder eine positive Meldung über den Äther. Deutsche Industrie hat mehr Aufträge. Alles super. Krise ist jetzt bald vorbei.

Vorgestern hieß es noch, Krise kommt jetzt erst richtig. Ist noch gar nicht richtig losgegangen. Arbeitsmarkt wird einbrechen, Bundesagentur für Arbeit wird unter dem Andrang der 1 Million Arbeitslosen mehr ab Herbst zusammenbrechen. Davon ganz abgesehen, dass die Agentur für Arbeit ja angeblich gegen Ende diesen Jahres pleite ist. Da wundert auch die Meldung, die BA habe nun für 2010 sage und schreibe mal eben 170.000 neue Computer bestellt. Das ist irgendwie komisch. Wenn man „Pleite“ ist, kann man doch eigentlich nix einkaufen. Aber egal. Die brauchen die angeblich.  Auch hierzu wird man bei Spiegel Online fündig.

Guckst Du hier:http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,640030,00.html

Aber das halt nur wirklich am Rande – es macht einen stutzig, wenn man aus persönlicher Erfahrung weiß, wie es bei der Agentur für Arbeit läuft. Dann brauchen die nicht neue Computer, sondern kompetentes Personal. Aber man versteht ja gerade die Welt sowieso nicht mehr.

Krise ja nein, zu Ende, vielleicht doch nicht, ach jetzt doch, mal überlegen, alles wird schlimmer, senkt die Löhne, mehr Aufträge, aber Kündigungen und her mit mehr Abwrackprämie, die Autoindustrie stirbt uns sonst unterm Hintern weg.

Apropos Agentur für Arbeit: Gestern lief eine interessante Doku auf ZDF. Der Grat zwischen zwischen den Menschen die mit Hartz IV leben und eigentlich arbeiten wollen, aber nichts finden und den Menschen die nicht wollen, nicht suchen wurde beleuchtet. Die Überlastung der ARGE wurde anhand des Beispiels der ARGE Berlin-Neukölln dargestellt. Ich war schon wirklich fassungslos, das die Menschen dort schon zwei Stunden vor Öffnungszeiten anstehen, um dran zu kommen. Am Berliner Sozialgericht arbeiten inzwischen 55 Richter in 30 Minuten Takt an Klagen gegen Hartz IV. Jeder Zweite bekommt recht. Das fand ich erschütternd. Erschütternd waren aber auch die Beispiele derer, die nicht wollen. Erschütternd war auch das Interview mit zwei ARGE-Mitarbeitern. Diese sprachen – natürlich mit nachgesprochener Stimme – über die Misstände. Das vieles nicht läuft, man kann sich um die Menschen gar nicht richtig kümmern und viele Mitarbeitern der ARGE gingen mit den Menschen wie mit Nummern. Die Menschlichkeit ginge verloren. Die eine sagte, sie habe mal aufs Grundgesetz geschworen, die Würde des Menschen sei unantastbar. Aber wenn sie an die Hunderte von Fällen denken würde, mit denen so unmenschlich umgegangen würde, dann würde sie sich schämen. Man könnte sich bei 300 Personen gar nicht um den Einzelnen kümmern. Das sei so schade. Es herrsche Falschinformation. Viele Fehler entstehen aus Falschinformation. Gefördet würde nur wenig. Schade. Intressanter Beitrag. Könnt Ihr auch gucken hier: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/30/0,1872,7611838,00.html

Ein Zwischenmoment vor einer Wahl. Hysterie an falschen Orten. Schweigen und verstecken aus Angst. German Angst ist anscheinend wieder mehr als En Vogue. Dabei wollen viele doch einfach nur eines: Arbeit, ein gutes Auskommen, ein angenehmes Leben.

Aber bei all diesen Meldungen ob jetzt Krise ja oder nein, oder doch, oder vielleicht, wird man ja total Meschugge. Dann prescht Steinmeier nun mit Vollbeschäftigungsplänen bis 2020 vor und fährt laut seiner Internetseite auch noch Leute nach dem Feiern in Klubs nach Hause. Am besten mal selber schauen und Meinung bilden: http://www.steinmeier-wird-kanzler.de/

Da stehen einem die Haare zu Berge, man will es gerne alles glauben, Krise vorbei, Vollbeschäftigung. Aber dann sieht man zu später Stunde Reportagen die den Titel „Das Leben ist Hartz“ tragen und am nächsten Morgen schreibt der Spiegel, Krise doch vorbei.  Montags wurde alles Schlimmer. Donnerstag ist doch alles wieder halb so schlimm.  Morgen ist Freitag, dann holen wir die Badehose raus. Bevor wir alle verrückt werden, fahren wir an einen See und tauchen unseren Kopf unter Wasser. Abkühlung. Für Geist und Seele. Und Montag, dann geht es weiter.

Mal sehen womit.

Krise. Oder Nicht. Wer weiß das schon.

®Rose

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3 Kommentare zu “Krise. Ja jetzt doch. Zu Ende. Fängt erst an. Wird besser. Geht erst richtig los. Was denn jetzt bitte?

  1. Es ist immer eine Frage der Deutung. Obama sagt: „Der Abbau der Arbeitsplätze verlangsamt sich.“ Das heißt nichts anderes, als dass weiterhin die Zahl der Arbeitsplätze sinkt. Also Abschwung.
    Obama interpretiert dies aber als das genaue Gegenteil.
    In Deutschland ähnlich. Wenn gegenüber den Vormonaten, die so schlecht waren wie nie seit Statistikerhebung, die Exporte nun minimal steigen -denn sinken konnten sie ja gar nicht mehr- so wird dies als „Ende der Rezession“ (Guttenberg) mißinterpretiert. Mit Zahlen kann man viel machen.
    Ähnlich die Arbeitslosenzahlen. Folgende Menschen werden nicht als arbeitslos gezählt, obwohl sie es sind:
    ABM-Teilnehmer; 1-Euro-Jobber; Umschüler; solche, die eine private Arbeitsvermittlung in Anspruch nehmen; alle über 58jährige; krank gemeldete Arbeitslose usw. usf.
    Ganz abgesehen von denen, die sich aus Mangel an Perspektive gar nicht mehr arbeitslos melden.
    Die wirkliche Arbeitslosenzahl dürfte inzwischen in den Sommermonaten bei über 5 Millionen, in den Wintermonaten bei 6, 5 Millionen liegen.
    Achso, die Kurzarbeiter habe ich noch vergessen. Die sind natürlich auch nicht arbeitslos. Natürlich nicht.

  2. Pingback: Hört Hört. Wir sind “on air” « Gesellschaft ist kein Trost

  3. Ich würde meine Energie nicht damit verschwenden, ob denn nun die Krise vorbei sei oder nicht, sondern mir überlegen, was ich in Zeiten der Inflation oder Hyperinflation zu tun gedenke. Der normale Bürger hat von unserem Geldsystem ja keine bis fast gar keine Ahnung, nämlich dass unser ach so tolles Wachstum nur durch Schulden generiert wird, die uns jetzt Stück für Stück gepflegt um die Ohren fliegen. Das kann man mit einem Erdbeben vergleichen, das hier und da zeitversetzt immer wieder zum Ausbruch kommt und das leider jetzt erst richtig anfängt. Da war alles vorherige bisher ein laues Lüftchen.
    Des Weiteren denkt jeder am liebsten nur in höchstens 2 Wochen-Zyklen, daher kann man auch die meisten von uns relativ ruhig stellen mit der Ansicht, dass jetzt zack zack alles ganz schnell vorbei wäre und wir nun einfach weiter machen können. Mitnichten, meine Lieben!
    Diese Krise ist eine systemische und wird alle 60-80 Jahre immer wieder auftreten. Schon vor Monaten bis Jahren haben die Banken massenweise billiges Geld in den Kreislauf gepumpt, das überhaupt nicht gedeckt ist. Und diese Verschuldung hat sich exponential bis zum heutigen Tag erhöht und wer sich den Vergleich mit 1929 anschaut, kann den Börsenkurs geradezu 1:1 kopieren. Übrigens gab es auch damals Euphorie kurze Zeit nach dem Börsencrash, dass es auf einmal wieder aufwärts ging. Dann kam erst richtig das dicke Ende, das uns ab September 2009 ins Haus steht. So etwas dauert seine paar Jährchen und kann nicht mit positiven Gedanken wegfabuliert werden, da solche Systemkrisen unvermeidlich sind und zyklisch auftreten.
    Jetzt kommt es erst einmal zu Massenentlassungen, die den Konsum ein paar Monate später einbrechen lassen. Insolvenzen werden sich verschärfen. Übrigens wisst ihr, dass wir längst in einer Deflation stecken? Die Preise gehen runter, die Leute warten, bis sie kaufen und genau das verursacht den Teufelskreis.
    Wir könnten gar nicht alle Schulden bedienen, die jetzt mit Abfuckprämien und Konjunkturpaketen getilgt werden müssen. Also heißt es weiter Schulden machen und was macht ein Schuldner, wenn er am Ende die Zeche zahlen muss und kein Geld hat? Er ist bankrott.
    Für solche Momente gibt es dann den ungeliebten Resetknopf in unserem System, wenn´s richtig unangenehm wird. Alles wird auf Anfang gesetzt, jeder kriegt nen bestimmten Betrag in die Hand und das Monopoly geht von vorn los. So etwas kann lange dauern und bis dahin kann es richtig ungemütlich werden, auf jeden Fall habt ihr jetzt erstmal nen Überblick, dass ihr euch mit der Realität mal anfreunden solltet. Unsere Omas und Opas haben 1929 bis 1931 und 1948 auch überlebt.

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