Seltsam. Die Sache mit dem Stellenmarkt. Und den Bewerbungen.

Wieder so ein Tag – man steht auf und das erste was man macht: Stellen suchen. Wir haben nun also fast Mitte Juli und nischte passiert mehr auf dem Stellenmarkt. Seit dem 25. Mai gibt es eigentlich keine neuen Stellenangebote mehr, die für mich in Frage kommen.

Davon sowieso einmal abgesehen, dass ich mich bei einem Teil sowieso nicht bewerben kann, weil ich deren Traumanforderungen von ähm Studium mit 1,0 Abschluss, vierundzwanzig Auslandpraktika, Führerschein und fünfhundert Jahren Berufserfahrung nicht erfülle. Jetzt also die große Runde Stillstand. Jobbörse für Jobbörse ist jetzt abgegrast. Es ist halb elf, drei Stunden erfolglose Suche. Nix dabei. Nur wieder so ein paar Sachen, bei denen ich mich sowieso schon beworben habe. Die wollten mich aber nicht. Da passte meine Qualifikation nicht. Aber das hat natürlich nichts mit der Bewertung meiner Person zu tun. Wirklich nicht.

Ach, es ist ein Kreuz. Manche Stellenbörsen lassen ja ahnen, wie oft dort eine Bewerbung eingegangen ist – sieht man anhand eines Counters das bereits über 400 Leute die Anzeige geklickt haben, kann man von mal mindestens 200 Bewerbungen ausgehen. Eine Agentur habe ich ganz besonders im Auge. Die suchen komischerweise alle acht Wochen mit dem gleichen Profil. Anscheinend sind alle Leute die sich dort bewerben der guten Dame die die Auswahl trifft, nicht gut genug. Ist nur seltsam – als Unternehmen würde ich mir doch mal Gedanken machen, wenn ich alle zwei Monate die gleiche Stelle ausschreibe und niemanden finde.

Der Kampf um Arbeit war in Deutschland sowieso schon immer ein Kampf mit vielen Papieren. Papier ist gedulig. Wer hat die meisten Zeugnisse und die meisten Praktika. Das ist doch lächerlich. Ich habe in meinem Leben inzwischen insgesamt fünf Praktika von sechs Monaten gemacht – geholfen hat es mir nicht. Am Ende wurde sogar ein Strick draus. Egal wie man es macht, es scheint immer verkehrt zu sein.

Nun also große Nullrunde im Sachen Stellen. Was soll man da tun? Was sagt man dem lieben Arbeitsamt? Wie soll man seine Quote zur sogenannten „Eingliederung auf dem ersten Arbeitsmarkt“ halten? Keine Ahnung.

Aber es geht sowieso nicht mit rechten Dingen zu. Eine Bekannte macht in Personalvermittlung und die sagt, momentan ist die Hölle los. Die deutschen Chefs wollen Menschen mit Lust zur Selbstaufgabe. Am besten sechzig Stunden arbeiten, Familie kann da ja schon ein Hindernis sein. Ledige Menschen ohne Freunde, die nur noch arbeiten wollen, natürlich für so wenig Geld wie möglich. Dabei am besten mit Abitur, einer Ausbildung, einem Studium obendrauf. Nicht zu vergessen: Berufserfahrung und zu allem bereit.

Neulich sagte sie mir, Frauen würden sowieso nur nach Leuten schauen, die Ihnen nicht gefährlich werden. Männer wollen was zum anschauen, im ersten Durchlauf ist die Qualifikation egal. Darum haben die nun einen Tussi Ordner. Wenn einer was in der Art fodert, nehmen sie und ihre Kollegen den Tussi Ordner in die Hand.  Manch ein Arbeitgeber fordere das ganz offen.  Mit den Worten „Ich habe zu Hause schon genug Altersheim“ habe manch Chef in den Fünfzigern schon die Blondine mit Knackarsch bestellt.  Kein Märchen.

Hört man solche Geschichten, fragt man sich, wo soll das alles hinführen?

Deutschland, du bist ein Opfer deiner selbst.

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In die gleiche Kerbe kann ich auch schlagen. Ich stehe auf und mache mich an die Arbeit (höhöhöhö). Suchmaschinen anschmeissen. Ich gebe mal, ganz unverblümt und hoffnungsvoll, Volontariat in die Suchleiste ein. Ausgespuckt werden die merkwürdigsten Sachen. PR-Manager. Journalist mit Berufserfahrung. Fachreferent für Architektur. Und so weiter und so fort. Manche Suchmaschinen haben dann als ersten Eintrag die schönen „gesponserten jobs“.  Was ist denn das?

Ich suche mich  jedenfalls so durch sieben Suchmaschinen und Portale. Mein allmorgendliches Ritual. Mittlerweile bin ich reif für Wetten, dass… Ich kann, nach Alphabet geordnet, wie die menschlichen gelben Seiten, Namen und Standort deutscher PR-Agenturen runterrasseln. Und die leidige Suche seit Monaten führt dazu, dass ich auch einige Angebote schon auswendig mitsprechen kann, weil die üblichen Verdächtigen alle 4 Wochen ihre ewig bestehenden Ausschreibung posten. Ich sollte die als Liste zusammenfassen und an eine Kirchenmauer schlagen!

Meine Güte ist der Markt tot. Toter als tot. Was soll man machen? Initiativbewerbungen sind ja auch immer so eine Sache. Viele wollen die nicht haben, dann landen die Mülleimer. Die Anruferei vorher macht’s auch nicht besser. Wenn man Glück hat, bekommt man ein „Schicken Sie uns das mal zu“ als Anwort. Und dann hört man ewig nix.

Ich träume mir mein Erfolgszenario zurecht. Stellenangebot gesehen. Passt wie der sprichwörtliche Arsch auf den Eimer. Ich schreibe eine schöne Bewerbung. Zwei Tage später: ein Anruf. Eine Einladung zum Gespräch. Ein interessantes Gespräch. Beim Abschied direkt die Zusage. So einfach kann es sein.

Man wird ja noch träumen dürfen

© rose und simone

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Ein Kommentar zu “Seltsam. Die Sache mit dem Stellenmarkt. Und den Bewerbungen.

  1. „Manch ein Arbeitgeber fordere das ganz offen. Mit den Worten “Ich habe zu Hause schon genug Altersheim” habe manch Chef in den Fünfzigern schon die Blondine mit Knackarsch bestellt.“

    Das ist zu hart für mich. Als Kerl mach ich dann wohl am besten auf Brüno…

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