So ein Tag im Leben ohne Arbeit aber mit dem Wunsch nach Arbeit ist nicht immer eine leichte Klamotte. Man steht ziemlich früh auf – man will ja nicht aus dem Rhythmus kommen. Man will ja nicht verwahrlosen. Man will ja quasi aus dem Stand heraus direkt besser morgen als übermorgen einen Job annehmen, alles kein Problem. Wir sind eigentlich die, die dauerhaft am Start knien aber der Startschuss kommt nicht. Oder wir sind Opfer lächerlicher Fehlstarts. Man beginnt also früh den Tag, schaut nach Stellen, schreibt Bewerbungen und endet dann irgendwann in der ersten Leere des Tages. Manchmal hilft dann nur Sozialporno a la “Deutschland Deine Teenies” um sich zu beweisen, dass man hoch qualifiziert, total kreativ, wie ein Wal auf einer Sandbank gelandet ist. Hoffentlich kommt bald Greenpeace und schubst einen ins Meer zurück.
Nebenbei kämpfe ich einen lustigen Kampf mit der ARGE. Inzwischen bin ich vom Arbeitsamt beim bösen Hartz IV gelandet. Das ist ein ganz anderes Kaliber. Durch eine glückliche Fügung landete ich bei der ARGE Köln Porz und dort tobt der Kampf der sozialen Meute. Da haben die Mitarbeiter Sicherheitsknöpfe unterm Tisch und ich habe jedes Mal etwas Angst wenn ich dahin muss.
Bevor ich meine Ausbildung zur PR – Referentin mit Hilfe des Arbeitsamtes machte, hatte ich einen super netten Sachbearbeiter, der mir bei allem half. Er erstattete mir die Fahrtkosten zu Gesprächen, er gab mir Gutscheine für Arbeitgeber mit, er bot mir ein Darlehen für einen Führerschein ein, er erstattete mir meine Bewerbungkosten.
Jetzt ist alles anders. Frau Müller-Lüdenscheid ist jetzt am Drücker. Plötzlich wechselte also meine Betreuung und seitdem geht nix mehr. Bewerbungskosten übernehmen? Gibt es nicht. Schreibe ich ihr eine Woche vor einem Bewerbungsgespräch, ich habe ein Gespräch und hätte gerne den Formbogen für die Erstattung der Kosten, dann kommt zwei Wochen später ein Anruf. “Ja, sie haben mir das ja vor einer Woche geschickt und da war ich halt nicht da und die Vertretung hat nicht geklappt, also auf jeden Fall geht das so nicht”. Früher reichte die Meldung “Gespräch” beim Amt, dann erhielt man einen Bogen welcher der eventuelle Arbeitgeber gegenzeichnen musste, nach dem Gespräch. Dann bekam man das Geld vom Amt zurück. Es ist schon schlimm genug, nach einem Bewerbungsgespräch einen seitenlangen Antrag der Bundesagentur für Arbeit über den Tisch zu schieben und zu sagen “Hier, können se mal?”. Frau Müller-Lüdenscheid sagt jetzt geht so nicht mehr. Sie will nun schriftlich per Briefpost vorher die Ansage des Gesprächpartners das nix übernommen wird. Ich war ganz perplex. Briefpost. Ich versuchte ihr zu erklären, dass vieles per Anruf läuft und dann vielleicht noch einmal per E-Mail. Nein, geht aber nicht anders. Entweder schriftliche Erklärung des Arbeitgebers per BRIEFPOST oder keine Kohle. Ich habe dann gesagt, ich verzichte dann in vielen Fällen auf das Geld. Frau Müller-Lüdenscheid ist sowieso ganz super. Die hat keine Lust. Ich weiß nicht, ob sie keine Lust auf mich hat, oder auf ihren Job. Keine Frage, es gibt sicher schöneres als 300 Fälle bei der ARGE Porz zu betreuen. Seltsam ist aber, seitdem ich Frau Müller- Lüdenscheid habe, habe ich nur Pflichen. Keine Rechte.
Briefpost. Ich habe ihr mal versucht zu erklären, wie lange das dann dauert und das es nicht geht. Sie will das aber so. Briefpost. “Hallo, sie haben mich ja heute per E-Mail zum Vorstellungsgespräch eingeladen, ich brauche das schriftlich per POST”. Dann dauert es mindestens zwei Werktage bis das bei mir ist, dann nochmal einen bis Frau Müller-Lüdenscheid den hat. Und die braucht dann noch mal eine Woche um das Formular zu schicken. Da ist das Gespräch längst gelaufen. Das versteht Frau Müller-Lüdenscheid nicht. Sie versteht auch nicht, dass Arbeitgeber sogar manchmal einfach Dienstags anrufen, das man Donnerstags kommen soll. Oder gar noch am selben Tag. Da soll mal noch einer per Briefpost was hin und her jagen. Das ist absolut unrealistisch und eine Ansicht von anno dazumal.
Nun die Pflichten. Ich darf die Stadt nicht mehr verlassen, hat sie mir neulich mal gesagt. Wenn, dann mit abmelden. Hab ich dann auch mal gemacht, als ich ne Woche aufs Land zu meinen Eltern bin. Per E-Mail, wir leben schließlich in 2009. Da rief sie dann an. Das geht so aber nicht. Das geht nur persönlich. Weil E-Mail schreiben kann man ja von überall. Und anrufen auch. Ich frage sie dann, ob ich dann vorbeikommen soll wenn ich wieder da bin. Nee, da sei sie nicht da. Ich sollte die Kollegen dann anrufen. Das geht zwar auch von überall, aber egal. An jenem Tag ging niemand ans Telefon und Frau Müller Lüdenscheid war erst Tage später wieder da, ich hatte ihr aber vorsorglich ein Protokoll meiner 230 Anrufversuche bei der ARGE übermittelt.
Dann wollte ich die Übernahme der Bewerbungen, die per Post gehen. Hat sie mir auch verweigert. Geht einfach nicht. Ist einfach nicht. Dann habe ich sie darauf festgenagelt, was mit weiteren Bildungmaßnahmen ist, da die Bundesregierung ja damit in der Öffentlichkeit hausiere. Während der Krise mehr Bildung damit hinterher alle schischi schön auf dem neuesten Stand sind. Gibt es auch nicht. Kein Geld da. Alles gestoppt.Im Übrigen zum Thema Bewerbungskosten: Jeder andere bekommt fünf Euro pro Bewerbung. Ich bekomme nix. Weil Frau Müller-Lüdenscheid keine Lust hat.
Ich habe Frau Müller-Lüdenscheid dann mal gesagt, dass es doch ziemlich blöde ist mich dazu zu zwingen, den ganzen lieben Tag nur zu Hause zu sitzen. Mich in Bewerbungen eher zu blockieren als zu fördern. Mir kein Praktikum, keine gemeinnützige Arbeit oder weitere Bildung zu genehmigen. Im Gegenzug aber eine Quote von 15 Bewerbungen zu fordern. Bei der aktuellen Situation. Zur Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt. So heißt das bei denen. Das ist ihr aber alles egal. Sie hat ihre eigenen Regeln. Erlaubt die ARGE in Essen einer Kollegin zum Beispiel ein Praktikum, damit die den Fängen des Alltages entfliehen kann, dann sagt Frau Müller-Lüdenscheid mir, dass sei nicht möglich. Ebenso mit den Bewerberkosten und anderen Dingen. Wie zum Beispiel dem Gutschein für Lohnnebenkostenübernahme. Den Fördercheck, wie sie ihn auf dem Amt nennen. Ich kenne vier Leute, die den bekommen haben, ich hatte den sogar selber schon mal. Aber das war vor der Ausbildung und währenddessen ist der abgelaufen. Jetzt wollte ich einen neuen. Nee, sagte Frau Müller-Lüdenscheid, den gibt es nicht. Den bekommt man nur, wenn der Arbeitgeber einen einarbeiten muss und dafür eine Kraft für mindestens ein halbes Jahr zur Seite stellen muss. Und dass muss der dann schriftlich beweisen.Das war mir völlig neu.
Das Sachbearbeiter vom Amt auch nett sein können, weiß ich durch andere. Ich habe Freunde, die in ähnlicher Situation verweilen, die bekommen die Fahrten ohne wenn und aber bezahlt. Es gibt sogar Glückspilze da hat die ARGE sogar die Bahncard übernommen um generell die Fahrtkosten zu reduzieren. Habe ich Frau Müller-Lüdenscheid auch gesagt. Da hat sie mich als Lügnerin hingestellt. Das war auch sehr, sehr schön.
Ich habe also von der ARGE, außer Überprüfungen meines Wohnstandards durch Sozialfahnder und mehreren Kontenchecks pro Jahr und Abgleiche meiner Sozialdaten und Befragungen meiner Nachbarn, nix zu erwarten. Ich habe in dem 1,5 Jahren außerdem nicht mal ein Stellenangebot über die Agentur für Arbeit erhalten.
Am Mittwoch letzter Woche schrieb ich ihr eine Mail mit einigen Fragen. Gestern klingelt dann das Telefon. “Müller-Lüdenscheid von der ARGE hier, ich war im Urlaub und wollte mal fragen ob sich das schon erledigt hat hier”. Ich so: “Ach, wissen sie, ich habe mich inzwischen selber im Internet informiert”. “Ja tun sie mir doch demnächst einfach den Gefallen und melden sich nicht mehr mit sowas. Wissen Sie, das sind jedes mal zehn bis fünfzehn Minuten Arbeit für mich”.
(c) rose
Frau Müller-Lüdenscheid
ist ein Musterexemplar der böswilligen Aktivierungspolitik.
Einfach ignorieren, dass Leute Rechte haben, aber dafür Pflichten einfordern. Und wie du so schön schreibst: Sie ist von vorne bis hinten im Unrecht.
Sie wäre glatt mal die Mühe einer Beschwerde bei der Leitung wert. …
Juhu, da bin ich abermals entsetzt!
Ich würde da auch mal den Weg einer Beschwerde überlegen. Sowas – sprich in dieser Dreistigkeit – hab ich bisher noch nicht mitbekommen.
Es heißt doch immer: Geht nicht, gibt’s nicht!
Bisher hatte ich noch keine Lust auf eine Beschwerde. Die sind da in dem Amt so verschachtelt, ich wüßte nicht mal an wen ich die schicke. Aber wenn die so weiter macht, dann versuche ich es vielleicht mal.
Mit Erstaunen stelle ich fest dass ich vor etwas mehr als 1 Jahr mit dem Zwilling von Frau Müller-Lüdenscheid zu tun hatte. Den Namen allerdings habe ich verdrängt.
Alles begann als eine Gesetzesänderung kam, die den Hartz IV Empfänger in die Pflicht nimmt zu beweisen das er NICHT eheähnlich lebt.
Schon Monate zuvor hatte ich meine gesamte Einkommens und Wohnsituation stets offengelegt, nie einen Hehl daraus gemacht das ich mit jemandem zusammenlebe, wir allerdings finanziell vollkommen voneinander unabhängig sind. Urplötzlich schneite ein Brief von meiner neuen Sachbearbeiterin ins Haus mit der Aufforderung zu beweisen, dass dies keine eheähnliche Gemeinschaft ist. Sonst würde man mir sofort das Geld streichen. Zu dieser Zeit arbeitete ich bei der Stadt München auf 1€ Job. Auch dieser wäre damit dann verloren (…soviel zum Thema Joberhaltung). Ein Telefonat mit der Bitte, mir zu erklären was man da von mir erwartet wurde von ihr einfach beendet.
Das Ende vom Lied: ich schrieb seitenlange Berichte über Wohnsituation, reichte Kontoauszüge über fast ein Jahr nach, versuchte wochenlang die Dame telefonisch zu erreichen. Umsonst. Man verlangte einen Wohnungstermin. Da ich allerdings arbeitete bestand ich auf einen Termin (auch um eine neutrale Person dazuzuholen. Mein Mißtrauen war nicht unbegründet). Schriftlich sagte die Dame mir eine Terminvereinbarung zu, nur um dann genau 3 Tage danach unangemeldet Mitarbeiter vor der Tür stehen zu haben die mich an der Haustür massivst unter Druck setzten. Da ich aus dem Haus musste wurde nichts aus der Besichtigung und 1 Woche später wurde kein Geld mehr überwiesen. Ohne Kommentar. Der Brief dazu kam 2 Wochen später. Der 1 € Job wurde gekündigt (ich bezog ja keine Leistungen mehr und hatte kein “Anrecht” mehr darauf), ich stand wirklich ohne jeden Cent da. Anwälte mussten eingeschaltet werden usw.
Es fand nie ein direktes Gespräch zwischen mir und meiner Bearbeiterin statt, sie lehnte jeden Kontakt ab.
Letztendlich brachte mich die Arge damit um die Aussicht auf eine Übernahme.
Und ohne Rückhalt meiner Familie hätte sie mich beinahe unter die Brücke gebracht. Welcher Vermieter duldet schon monatelange Mietausetzer weil das Geld nicht mehr kommt?
Sonstige Zuschüsse habe ich nie gesehen, keine Bewerbungskosten usw. Obwohl ich oft hörte dass es mir zustünde.
Es ist beängstigend so von den Launen und Gelüsten von Menschen abhängig zu sein die scheinbar über Menschen walten als wären sie Gott.
hast Dich schon über die Frau Müller-Lüdenscheid bei der Chefetage beschwert? Eine/n “Express”-Reporter/in eingeschaltet? Würde ich mal empfehlen!