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Los, schreib endlich was in diesen Blog rein, Rose!

 

Ich bin total die faule Tante. Ja, ich gebe es zu. Ich habe nix geschrieben seit dem Desaster mit der Love Parade. Ja, der Ofen war aus. Das Gehirn leer und ich so auf Null Bock Schiene. Muss ja wohl auch mal sein. Manchmal geht eben gar nix mehr. Gar, gar, gar nix mehr.

Schnell eine Geschichte über blöde Bürokratie und so:

Was habe ich zu berichten? Seltsames passiert. Zum Beispiel ist neulich ein Bekannter von mir aus seiner Krankenkasse gefolgen. Weil er studiert und dann plötzlich zu viel verdiente. Da dachte sich die Kasse: Ja, aber sie haben irgendwie zu wenig bezahlt, finden wir. Wir schmeißen sie mal raus. Also stand er plötzlich ohne Versicherung da, dabei hätte doch die Versicherung den Jungen Mann einfach auf  “zahlt seine Versicherung jetzt selber, weil er verdient” umstellen können. Er ist ja schließlich Student und das ist ja ganz oft total normal, wenn die Studenten zum Beispiel aus der Familienversicherung rausfliegen, weil sie sich auf jenseits der 25 zubewegen. Aber nein, die Geschichte geht noch wirr weiter. Weil die KV den jungen Mann rauswarf dachte sich dann auch die Universität: Ein nicht krankenversicherter Student ist kein Student mehr, hinfort mit ihm. Ist doch total egal, dass er sich gerade mittem im Vordiplom befindet. Wir exmatrikulieren den aus dem Stand heraus. Nun kämpft er seit Wochen um die Wiederaufnahme an der Uni und die Krankenkasse gebärdet sich wie Irre. Vordiplom hin oder her, er stellt nun fest: Exmatrikulieren geht total easy. Wie Briefmarken kaufen. Aber jetzt wieder immatrikuliert werden stellt die Universität vor schwere Probleme. Hoch wie eine Wand ist die Bürokratie und die Zeit galoppiert dahin wie ein besoffenes Pony im Zirkus.

Bisher gibt es in dem Fall keine Einigung. Mich macht ja so Behördenschwachsinn immer latent sauer. Da will ich was werfen.

Schnell ein Blick über den Blogzaun:

Am Ende habe ich noch hier so was total lustiges gefunden. Endlich pöbelt mal noch jemand anderes mit Bravur im Internet rum.  Ich bin entzückt und denke mir: Hach, der Sascha Lobo ist doch eigentlich ganz putzig lustig. Let the Shitstorm roll. Es ist irgendwie eine Antwort auf eine Antwort die auf eine Frage bezüglich des Buches gestellt wurde. Und wie es so hübsch eskaliert. Yeah, ich bin wirklich verliebt in die eine oder andere Formulierung von Lobo. Zack, bumm, auf die Fresse. Am besten finde ich u.a. “willst du mich verarschen, du erlebnisschrottblogger?”. Total geiles Tennis.

Ich werde das Buch von Lobo übrigens nicht lesen, nee, will ich nicht. Nur so am Rande. Was mir aber am Ende als Frage im Gesicht hängen bleibt: Was zum Teufel hat Lobo für Hobbies, dass er 10.000 Euro netto im Monat braucht? Ich will auch ein Reitpony oder Cricket lernen. Ich sollte schnell ein Buch schreiben. Über den Wahnsinn der Neuzeit oder so.

Boah, Internet I love you!

Lest mal rein, ist very funny, da kann man auf den Spielfilm um 20.15 verzichten.

 

©Rose

Eva Herman. Wann wird diese Frau endlich entmündigt?

Wir zählen gerade mal tag zwei nach dem Unglück und Frau Eva Herman legt nach. Ja, sie legt einfach nach. Ich bin Fassungslos. Entmündigt diese Frau! Was aber nich viel schlimmer ist, dass es eine Menge Leute gibt, die sich denken “Ja, stimmt, die hat ja recht”. Verfolgt man die Kommentare bei vielen großen Zeitungen, wird einem schlecht. So wünscht einer, dem nächsten CSD ähnliches. Und total super ist auch ein Kommentar bei der SZ. Da wird so argumentiert: Nur weil wir wegen der Krise so eine fürchterliche Masse an jungen Menschen ohne Arbeit haben, konnten die da überhaupt sinnbefreit rumhängen anstatt zu arbeit. Ähm, war es nicht an einem Samstag? Am frühen Abend? Hallo? Kann mal einer das Spießbürgertum zurückpfeifen? Das sind Menschen wegen eklatanter Sicherheitsmängel ums Leben gekommen. Was wäre denn, wenn so eine Sache zB. auf einem dieser Public Viewing Events passiert wäre? Na, das wäre ja dann ganz anders. Jetzt, da bei der Love Parade sind ja nur diese Spaßsüchtigen jungen Menschen, die sowieso total blöde, bescheuert und gefangen im Wertefverfall das Land ramponieren. Pfui. Pfui.

Aber es geht weiter. Auf BILD findet man immer schlimmere Bilder. Muss das sein? Fürchterlich. Immer mehr Wut und Unverständnis mischt sich. I moag nimma. Und nun ergiesst sich die Herdmutter Eva Herman erneut. Das ist wirklich unter aller Sau.

Neueste Meldung: OB Sauerland kündigt für 16h eine Stellungsnahme mit. Warten wir mal ab.

Außerdem: 511 Verletzte, 19 Tote, 1 Person noch in Lebensgefahr.

Frau Herman, noch was zu sagen? So Gottes Strafe? Sonst noch wer? Alle ab ins Arbeitslager oder sowas? Ich bin bereit. Ich schieße zurück.

Die Guido Knoppsche Seite der Eva Herman.

(Ja, wir wissen, der hat mit dem Verlag nichts zu tun, es geht hier um die Aufmerksamkeitshaschende, unerträgliche  Art und Weise, wie auch Guido Knopp sie anwendet, wenn er reisserisch, ekelig und Publikumsheischend a la “Hitlers Autos, Hitlers Frauen, Hitlers Hunde”  die Verbrechen der Nazis auf ZDF aufkocht)

Herrschaften, jetzt ist es aber genug. Nicht nur, dass diese depperten Veranstalter samt Politclowns der Stadt Duisburg heute morgen um 12Uhr eine mehr als fragwürdige “Pressekonferenz” gegeben haben, nein, total ungefragte Personen geben jetzt ihren Senf zur Katastrophe ab. Ganz vorne in der ersten Reihe galoppiert uns Wannabe-Erfolgsromanautorin-Eva-Braun-Hermans. Man bekommt, pardon, das kalte Kotzen.

Die geschasste Tagesschautante schreibt in einem Artikel einfach menschenunwürdig (hier Link über das Google Cache, Original ist inzwischen angeblich gelöscht) über die Ereignisse in Duisburg. Auf der Internetseite ihres eigenen (falsch, doch nicht) Verlages, KOPP, geht die olle Hermanns auf Gefechtstation. Alleine die Überschrift “Sex- und Drogenorgie Loveparade: Zahlreiche Tote bei Sodom und Gomorrha in Duisburg” lässt einen würgen. Wir wollen hier jetzt nicht großartig zitieren, weil es einer schlimmsten, ekeligsten und dümmsten Texten ever ist. Frau Hermans, sie sollten jetzt echt mal aufpassen. Das geht mal sogar nicht.

Inzwischen macht die Nummer natürlich die Runde. Auch Stefan Niggemeier schreibt darüber. Und er beendet seinen Text schlicht und einfach. “Ich werde sie dafür verachten”. Für diesen dummen und unanständigen Text, wie er schreibt. Aber auch auf anderen Blogs ist der Text längst angekommen. Oder halt auch beim guten alten Gezwitschere wird gesungen, was das Zeug hält. Jetzt ziehen u.a. die Berliner Morgenpost auch nach. Glückwunsch, Frau Herman. Ganz großes Kino. Last but not least, die taz. Mit dem grandiosen Satz: “Der Bundespräsident und Gott. Darunter macht es Herrman eben nicht”

Noch nicht genug? Mehr?Kleine Kostprobe? Würgen inklusive? Gerne. Bitte. Da:

“Dieses »friedliche Fest fröhlicher junger Menschen« ist in Wahrheit eine riesige Drogen-, Alkohol- und Sexorgie, geplant, genehmigt und zum Teil finanziert von der Stadt Duisburg und NRW. Als handele es sich um eine Kultur-Veranstaltung auf höchstem Niveau, waren Politik und Medien, allen voran der öffentlich-rechtliche WDR, schon im Vorfeld um eine lückenlose Berichterstattung bemüht. Schließlich ist das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt 2010 geworden. Und die größte Tanzparty der Welt, die Loveparade, ist einer der absoluten Höhepunkte des Jahres! Stolz heißt es in den Vorankündigungen: »Die maximale Tongesamtleistung auf dem Gelände beträgt 750 000 Watt. Es handelt sich um eins der größten Beschallungssysteme, das je in Europa zum Einsatz kam.«

Doch was ist das in Wahrheit für eine »Kulturveranstaltung«? Wer sich die Bilder der Loveparades aus den zurückliegenden Jahren ansieht, glaubt, in der Verfilmung der letzten Tage gelandet zu sein, wie sie in der Bibel beschrieben werden. Viele der Partygäste wirken auch in diesem Jahr bereits lange vor dem Unglück wie ferngesteuert. Betrunken oder vollgekifft, mit glasigen Blicken, wiegen sich die dünn bekleideten Körper in rhythmischem Zucken wie in Trance”.

HIER der Bildbeweis (Bitte anklicken und dann größer machen). Und die ernüchternde Tatsache, es geht noch schlimmer als BILD Zeitung. Glückwunsch, Frau Herman!

Setzen, sechs.

Ich bin irritiert. Jetzt ist der Text wieder “da”. Der Server war auch teilweise überlastet, aber auch in anderen Blogs wird von der Löschung berichtet. Hier der Link zur “Originalseite”. Ist doch nocht zu erreichen. Seltsam.

EDIT: Heute, am 26. April ist der Originaltext erneut nicht zu “klicken”. Entweder ist der Service des Servers wieder down, oder man hat es nun doch gelöscht

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Blogroll zum Thema (mal eben so die ersten rausgegriffen)


Eva Herman lebt noch! Und ein schöner Post zum gefakten BILD Foto:

ficko magazin

Mit einem fröhlichen “Sieg Heil” gegen Soddom und Gomorrah

Generelle Blogsport

Der Herman Vergleich mit Sodom und Gomorrah

Blasphemieblog

Herman vermutet Gott hinter Massenpanik

Stefan Niggemeier

Eva Hermann meint, es sei Gottes Rache

Evolutionäre Humanisten

Ist Gott an den Toten der Love Parade schuld?

Sienceblogs.de

Der Gipfel der Geschmacklosigkeit: Eva Hermann sag: Ihr seid doch selber schuld

Politblogger

Göttliche Rache?

Esowatch

Offener Brief an Frau Herman

live.de

Schöner Text mit nettem Satz “[14:45] Hamari[TAOK]: naja, vermutlich war sie sauer weil sie eine von SEINEN Autobahnen gesperrt haben”

Hamari Blog

© Rose

Loveparade | Deathparade: Tanz auf den Toten – Duisburg fails!

Geschätzte 1,4 bis 2 Millionen Menschen versammelten sich um zu wummernden Bassgebummse mit Hilfe von lustigen Pillchen das Tanzbein zu schwingen. Alles lief nach Plan. Das Hirn war aus. Der Beat war an. Doch aus einem Fußgängerstau in einem Bahnhofstunnel wurde eine Massenpanik. Und die für mindestens 15 Menschen zum Todesurteil.Das alleine ist schon schlimm genug. Tragisch. Schrecklich. Unnötig.

Was diesem scheiß Unglück aber noch die Krone des schlechten Geschmacks ist die Tatsache, das die Party weiterging. Aus angeblicher Angst vor weiteren Panikschüben wurde stur das Programm durchgezogen. Bumm! Bumm! Bumm! Es wurden keine Informationen preisgegeben und nicht einmal die Musik leiser gemacht. Stoisches Ignorieren als Ersatz für einen nicht vorhanden Krisenplan.

Duisburg hätte sich ein Beispiel an Bochum nehmen sollen. Die haben aus Befürchtungen, nicht die Sicherheit gewährleisten zu können, die Ausrichtung der Parade abgelehnt. Aber Duisburg stellt ein Gelände das für 350.000 zur Ausrichtung bereit und ignoriert dabei geflissentlich, dass man mit mehr als einer Mio Partywütiger rechnen muss. Aber selbst bei wesentlich weniger Leuten ist die tatsache, dass es nur einen(!) fucking Zugang gibt ein organisatorisches Desaster. Aber das wurde in Kauf genommen.

Die Verantwortlichen beweisen fehlenden Weitblick, beziehungsweise stellen Konsumgeilheit über Sicherheit der Partycrowd. Same Difference. 6 Männer und 9 Frauen habt ihr auf den Gewissen. Und der Preis für die pietätloseste Partyorganisation ist euch alleine dafür sicher, dass die Party nicht nur weiterging, sondern noch weiter aufgedreht wurde. Duisburg you fail. Fail big time.

In Gedenken an die, die nun nicht mehr auf der Erde feiern können. Man kann für euch nur hoffen, dass Faithless mit den Titel Recht und ihr dort, wo ihr jetzt seit eine gute Party habt.

Faithless – God Is A DJ
Hochgeladen von djoik. – Entdecke weitere Musik Videos.

@Nicolas

Aus der Mottenkiste

Neulich habe ich dieses amüsante Teil über ein Posting bei Facebook entdeckt. Es stammt von zwei Künstlern, die mir doch im im laufe der Zeit sehr an Herz gewachsen sind. Cybersissy und Babyjane. Ja, das sind zwei der wilden Kreativen, für die ich mal einige Jahre gearbeitet habe. Mein Gott, ist Madonnas Arsch alt.

Thema: Älterwerden. Machen wir auch. Jeden Tag.

Unveröffentlichtes aus der Feder von Lange und Jakobs. Ursprünglich auch für die Scroll Edition. Aber nicht “gelaufen”. Ach, wir laben uns weiter im medialen Nuttendasein und verteilen Kusshände.

Die Sache mit dem „Älterwerden“ Als ich noch klein war, so neun oder zehn, da feierte meine Tante ihren 30. Geburtstag. Es war eine schnöde Veranstaltung in einer noch viel schnöderen Einliegerwohnung irgendwo im Sauerland. Es regnete natürlich und ich erinnere mich noch vage an den Nippes in der Wohnung der Tante. Sie war halt fürchterlich alt. 30. Dreißig. Igitt. Und so sah sie da auch aus. Schaue ich mir Bilder von Leuten an, die heute 30 sind und Leuten die Ende der Achtziger 30 waren, dann sind das verschiedene Welten. Damals, als ich Kind war, dachte ich, wenn man 30 ist, ist alles vorbei. Vielleicht lag es auch daran, dass alle Tanten, die mit 30 irgendwelchen Nippes sammelten, rasch das nächste Level bestritten: Das eigene Haus.

Nun bin ich selber 30. Und es war eigentlich nicht schlimm. Nicht die Woche davor. Nicht die Woche danach. Also, nicht wirklich. Am schlimmsten waren eigentlich die nervigen Fragen der anderen. „Ist es schlimm?“ und „Wie geht es Dir jetzt?“ bis hin zum total doofen „Jetzt gehörst Du auch endlich dazu“. Ja, wozu denn bitte?

Ich bin jetzt also 30. Ich sammel’ zwar auch irgendwelchen Mist, aber weder Kühe noch Leuchttürme. Ich trage keine Dauerwelle wie die Tante damals und sowieso habe ich das leichte Gefühl heute ist man mit 30 gar nicht dazu verpflichtet, so alt zu sein, wie meine Tante es damals war. Oder vielleicht doch. Ich weiß es einfach nicht.

Was muss man mit 30 so alles auf die Kette bekommen haben? Ich habe keinen Bausparvertrag mehr, habe ich mit Mitte 20 für Unsinn ausgegeben. Ich habe immer noch keinen Führerschein, ich denke, man braucht so was nicht. Ich bin auch ohne Führerschein bis Taiwan und zurück gekommen, alles gar kein Problem. Fliegen wie S-Bahn fahren und so weiter. Sollte ich nicht vielleicht so einen Ordner haben, in dem ordentlich sortiert meine Bescheide der Rentenversicherung abgeheftet sind? Nein, habe ich immer noch nicht. Ich habe es kurz vor dem Tag der Tage mal geschafft, mich von Altlasten zu trennen und wichtige Dokumente auf einen Haufen zu legen. Das ging in etwa so: Müll, Müll, Müll, wichtig. Als es daran ging, den ganzen Kram chronologisch zu sortieren, habe ich einen kleine Krisenanfall bekommen und mich damit abgelenkt, mir meine „Mein kleines Pony“ Sammlung anzuschauen. Es sind exakt drei Ponies, die ich vor einigen Jahren einmal in Maastricht in einem Spielzeugladen erworben hatte. Da war ich so 27 oder so. Soviel dazu.

Vier Wochen vor meinem 30. fand ich mich übrigens auf einem Flohmarkt wieder und kaufte Kinderhörspiele zurück, die ich im ersten Anflug von Kapitalismus und Marktwirtschaft im Alter von etwa zehn Jahren selbst einmal verkauft hatte.

Älter werden. Wie ist das nun also? Ging es mir schlecht? Nein, nicht wirklich. Ich hatte zwar eine kurze Krise von knapp acht Stunden, in denen ich allen mitteilte, ich sei fünf Jahre alt und würde bitte gerne ein Pony zum Geburtstag haben wollen. Als ich dann am morgen des 30. Geburtstages wach wurde, war überhaupt nichts passiert. Es war in etwa wie an meinem 18. Geburtstag. Da ist auch nix passiert. Ich saß damals mit ein paar Hip Hop Freunde auf meinem Zimmer und es gab einen Kasten Bier. Großartig. Gähn. Nun also 30. Und nichts ist passiert. Die Rentenbescheide liegen nun in einer Kiste. Daneben liegen die Ponys aus Plastik aus den Niederlanden. Und die stehen jetzt in einem Haus. Ja, das ist vielleicht das Einzige, was sich geändert hat: Wir wohnen jetzt in einem Haus mit Garten und ich spiele etwas “Erwachsen sein”. Ob ich es nun endlich bin, weiß ich immer noch nicht.

Wie meinte mein Arzt eine Woche bevor der Tag kam, an dem ich angeblich die Verwandlung meines Lebens erfahren sollte? Mit 30 geht erst alles richtig los. Zum guten Ende fällt mir nur noch ein, dass ich gestern in irgendeinem Fernsehinformationsmagazin hörte, dass Europäische Frauen sowieso mindestens 90, wenn nicht gar 100 Jahre alt werden. Heutzutage. Herjee, dachte ich, zwischen all den Gedanken über das Älter werden, da habe ich ja noch so zwischen 40 und 60 Jahren vor mir. Daher, kein Grund zur Panik. Das Alter kommt mit dem Alter und tut nicht weh. Vielleicht merkt man es erst hinterher. Oder alle 25 Jahre. Eines hat sich verändert, mit diesem magischen 30. Geburtstag: Ich nehm’ Altersangaben nun nicht mehr so ernst. Egal ob 20 oder 30 oder 40, Hauptsache ich bekommt irgendwann dieses Pony. In echt.

©Rose Jakobs


Die große Vier klopft an – Soll ich aufmachen? Nächstes Jahr ist es soweit, die große Vier drängelt sich in die erste Reihe um den nächsten Abschnitt meines Lebens zu dominieren. Erstaunlicherweise fängt mein Umfeld an, mich deswegen verrückt zu machen. Wie es mir gehen würde? Ob ich Angst davor hätte? Warum sollte ich Angst haben. Ich werde ein Jahr älter. So wie jedes Jahr. Das habe ich schon oft unbeschadet überstanden. Von einigen alkoholgeschwängerten Katereskapaden abgesehen. 
Doch je mehr mein Freundes- und Bekanntenkreis um mich herum stellvertretend die große Flatter bekommt, fange ich mich an zu fragen: Muss ich dann eigentlich erwachsen werden? Und wenn ja, was heißt das für mich? Was heißt es 40 zu sein? Gibt es überhaupt noch die klassische Einteilung in verschiedene Altersgruppen?
Ich für meinen Teil kann das nicht festlegen. Ich kann nur sagen, ich fühle mich nicht alt. Und wenn ich so die gesellschaftlichen Altersattribute Revue passieren lasse, lebe ich auch nicht alt. Ich gehe immer noch gerne auf die Piste. Hänge in versifften Kneipen rum. Und vernichte mit halb so alten Gleichgesinnten Hopfenkaltschalen. Ich habe niemals eine Lebensversicherung besessen und glaube immer noch das „The Ramones“ die einzig wahren Götter sind. Ist das 40? Sicher nicht. Oder hat sich da was getan? 
Oft, wenn ich andere in meinem Alter kennen lerne, passiert es mir sehr häufig, dass ich mich dabei ertappe, die als sehr, sehr alt zu empfinden. Wie sie mit ihrem MaxiCosi beladen sämtliche Basic-Filialen leer kaufen und sich mit anderen ihren Schlages gegenseitig selbstbeweihräuchern. Ich kann mich denen einfach nicht zugehörig fühlen. Ich habe auch schon zehn Jahre jüngere kennen gelernt, die mir noch älter vorkamen. So kontrolliert. So überheblich korrekt. So… so langweilig. Es geht also immer so und so. Wie bei fast allem im Leben.
Ich glaube das Alter ist einfach immer relativer geworden. Nicht das Zahlenlabel, das in unseren Ausweisen wie in Stein gemeisselt versucht, uns in eine Gruppe zu zwängen gibt heutzutage den Ausschlag. Es ist viel mehr das Innenleben. Die Einstellung. Das Auftreten. Oder neudeutsch die „Attitude“. Nicht das Alter bestimmt, wie als man ist. Sondern man selbst hat es in der Hand, von der Gesellschaft als alt abgestempelt zu werden oder eben nicht. 
Wer jetzt aber der Meinung ist, die Hose bis in die Kniekehlen zu ziehen, „Linkin Park“ auf dem MP3-Player zu haben, und grellbunte Shirts von Huschi&Muschi zu tragen reicht, um als jung durchzugehen, der irrt nicht nur gewaltig, sondern fährt mit sehr heißen Kufen auf einer sehr dünnen Eisschicht über den kleinen See der großen Peinlichkeiten. Man muss es sein, fühlen, leben. Und man darf sich nichts vorschreiben lassen. Ich lasse mir auch nicht vorschreiben, dass ich mich nicht auch in klassischer Spießertradition über die lauten Nachbarn aufregen kann. Oder über die Kids, die einem im Weg stehen. Genauso wenig lasse ich mir das Recht nehmen an einem schon um 21 Uhr im Bett zu liegen und in die Glotze zu starren. Ist das alt? Ist es alt, dass ich kein Geheimnis daraus mache, in meinem Kerl und meinem Köter die absolute Definition von zu Hause und Familie gefunden zu haben? Dass ich es toll finde, wenn die Wohnung aufgeräumt, die Rechnungen bezahlt sind und ich mich selbst vor kurzen mit einem iMac beschenkt habe. Vielleicht ist es nicht mehr der große laute Punk von vor 20 Jahren, aber es ist immer noch verdammt guter Rock. Und deswegen habe ich auch kein Problem damit, der großen Vier die Tür zu öffnen. Ich hoffe nur, sie hat Bier dabei.

©Nicolas D. Lange

Wir sind in der Hitzewelle gefangen. Daher hier was aus der Mottenkiste von vor drei Wochen.

Darf man nicht mehr sagen. Darf man nicht mehr machen.

Da ist diese Sache mit den Tabus. Dinge die man nicht mehr machen oder sagen darf. Beides. Es geht manchmal ganz einfach los. Da sitzt man in gemütlicher Runde am Tisch, irgendeiner sagt „Sozialer Brennpunkt“ und ein weitere Rundenbeisitzer erhebt mit gehobener Hand Einspruch. So erst neulich geschehen. Die Runde lernte, Sozialer Brennpunkt heißt jetzt „Wohnviertel mit besonderem Erneuerungsbedarf“. Tusch. Ja, so ist das. Ist das nur hier so? Wir saßen weiterhin in der Runde und jemand weiteres sagte, er habe bitter erfahren müssen, das man „Lebensraum“ nur noch im Bezug auf Pflanzen und Tiere sagen darf. Aber nicht mehr mit Menschen. Die Nazis sind schuld. Okay, bis 1980 geborene sollten das wissen, aber wenn man das nicht weiß, dann ist man kurz unten durch. Sagt man nicht mehr. Da sogar mit mehr Grund als beim sozialen Brennpunkt. Steckt ja Geschichte hinter. Apropos Geschichte. Mit Geschichte ist es immer Tabubehaftet. Speziell als Deutscher. Ganz schwer. Bestimme Witze sind hier Tabu, die sich aber unter New Yorker Mitgliedern der jüdischen Gemeinde höchster Beliebtheit erfreuen. Dieses Fass stechen wir es gar nicht an, auf dem Ritt durch unsere Tabulandschaft Deutschland. Tabu ist auch, so eben entbundenen Fraune, die sich gehen lassen, zu sagen, sie lassen sich gehen. Geht gar nicht. Kommt man für Teufels Küche.

Wieder ein anderes neulich, wieder ein anderes Tabu. Es kommt einher mit der echten öffentlich geäusserten freien Meinung. Ganz schwierig. Echte, total echte, ehrliche Meinung. Vorsichtig damit! Das ist nicht gerne gesehen. Man muss eine unsichtbare Schutzweste um’s Gemüt wickeln, um hier durch die Stammtischwälder zu wandern. Vorsicht. Achtung, Achtung Baby.

Tabubrecher vor dem Herren ist den einen gerne Herr Thilo Sarrazin. Er bricht momentan in der Art eines flotten Tennismachtes Reihenweise die Lieblingstabus der Deutschen: Ausländer, HartzIV und Beamte. Da ist das Volk geteilter Meinung. Der eine sagt: Er hat ja nicht unrecht. Der andere sagt: geht gar nich. Da sind wir wieder, beim Deutschen Tabu reigen. Und er geht noch weiter.

Man darf gegenüber Freunden mit Kindern nicht sagen, dass man voerst keine Kinder plant. Das wird gerne überhört. Hat man zufälligerweise Haustiere, werden eine, diese immer „als gute Übung“ ausgelegt. Man kommt gar nicht zu Wort. Ist man doch fast vorm durchdrehen und schreit: Ich will aber erstmal nach Hawaii, einen Hund und vielleicht mindestens 35 werden, bevor ich das ernsthaft plane. Ist nicht erlaubt. Sage niemals Freunden mit Neugeborenen, du willst nicht. Schäme Dich. Man darf auch nicht sagen, man ist genervt von Kindern. Also, ja, es ist ein Kreuz mit dem was man sagen darf und was man nicht sagen darf. Auf zum nächsten Tabu der Deutschen. Dem Nationalstolz. Heikles Thema, heiß wie ein Waffeleisen. Ich bin quasi ein Nationalstolzalbino. Ich habe den einfach nicht. Keine Ahnung wieso. Aber gerade jetzt, während des Weltweitenvuvuzueleafußballraves ist das ein ganz beliebtes Thema. Sei stolz auf Dein Land, es gewinnt im Fußball. Hä? Es ist ein Tabu mit doppeltem Boden. Es ist ein Tabu für die ohne Nationalstolz und ebenso eines für  die, die ihn haben, ihn nicht zu haben. Wir reden hier in diesme Kontext der Einfachheit nur über den gesunden Nationalstolz. Grundsätlich ein Problem in diesen Breitengraden. Da klopft die gute alte Geschichte wieder an die Tür, wie bereits im Intro erwähnt. Alles mit Geschichte ist in diesem Land ein Tabu.

Loben. Habe ich auch bei meiner persönlichen Umfrage zum Thema Tabu gesagt bekommen. Loben ist total Tabu in Deutschland. Wird nicht gemacht. Ist fürchterlich undeutsch. Ja,ja, jetzt wo ich drüber nachdenke, ist was dran. Wir galoppieren schnell im Text weiter und klatschen dem Leser schnell Stichwortartig noch ein paar fancy Tabus um die Ohren: Ehrlichkeit, so richtig echte. Voll schlimm. Aus der Stadt auziehen und „ruhiger“ werden ist unter thirtysomethings im heißen wechsel der Renner und das Tabu schlechthin. Fluchen. Richtig echtes Fluchen ist ganz schlimm. Sag bloß nicht „Du Penner!“. Das darf man nicht. Oder inmitten hitziger Debatten über die aktuelle Lähmung der regierenden Parteien leicht ironisch anmerken, wo denn die RAF sei, wenn man sie mal wieder braucht. Die RAF ist hier beliebig mit der Antifa zu ersetzen. Das macht nicht viel aus. Schrecklich seltsam ist da alles.

An diesen fünf Gruppen von Menschen und Themen klebt also ein verbaler Brandzünder.  Migranten, Hartz-IV-Empfängern, Frauen, Schwulen und Juden.

Einige Tabus liegen leider Gottes auf der Hand – zum Beispiel die, mit Geschichte. Das hat man ja neulich anhand der Inneren Reichsparteitagsdebatte merken können. Eigentlich ein linker Spontispruch, verzerrt an falscher Stelle. Gleich hat der Kittel gebrannt. Schrecklich, nichts darf man mehr sagen heutzutage.

©Rose

Nichts darf man mehr sagen heutzutage? EINSPRUCH! Ich weigere mich diese dogmatische Herrschaft des Tabus ohne Widerworte zu akzeptieren. Und dabei ist es mir egal, aus welchen historischen, sozialen oder ethischen kleinen Löchern diese Tabus gekrochen sind. Ich lasse mir nicht den Mund verbieten. Ich sage, was ich will.
Und ich nehme mir dieses Recht nicht deshalb heraus, weil ich zu einer der von meiner Vorschreiberin genannten Brandzünder-Menschen/Themen-Gruppen gehöre. Bestimmt nicht. Sonst müsste ich im Umkehrschluss jedem, der einen Schwulenwitz macht abgrundtief verachten oder zumindest mit dem moralischem Zeigefinger ins Auge pieken. Und da habe ich echt besseres zu tun. Nein, ich nehme mir das Recht heraus, weil ich es schlichtweg für falsch halte. Zensur hatte noch nie etwas Gutes. Auch wenn Sie unter einem hübsch zusammen geklöppeltem Quilt aus Moral, Ethik und falscher Rücksichtnahme verdeckt wird. Zensur bleibt Zensur. Auch in bunter Verpackung. 
Ich will damit nicht sagen, dass man jetzt losziehen soll und auf Biegen und Brechen und ohne Rücksicht auf Verluste Alles Jedem an den Kopf knallen soll, kann und darf. Man muss, man sollte es immer der entsprechenden Situation anpassen. Mit wem spricht man, in welchem Umfeld und zu welchem Anlass. Man darf nur eben aus gesellschaftlich geschwängerter , prophylaktischer Rücksicht nicht komplett die Sprache verlieren.
Bestes Beispiel ist wohl des Deutschen Leid-Thema Nummer Eins: die dunkle Vergangenheit. Sitzt man mit einer netten alten Dame, jüdischen Glaubens zusammen, die einen geliebten Angehörigen unter den Schergen des Nationalsozialismus verloren hat, wird wohl jeder wissen, dass dies nicht der Moment ist Juden-, Nazi-, oder KZ-Witze zu machen. Aber dennoch kann man auch hier einen inneren Reichparteitag feiern. Und sei es nur wegen Fußball. Man darf sich nicht zur Geißel einer unnötigen Übervorsicht machen lassen. Man kann es nicht jedem Recht machen. Und man muss es auch nicht. Wo soll das denn auch hinführen? Sicher wird man in Gesprächen immer wieder an Themen gelangen, die verbal etwas glitschiger sind. Aber soll man diese Themen deswegen weiträumig umschiffen?
Der einzig wahre Weg auf dem frisch gebohnerten Parkett der politischen Korrektheit nicht eine stilvolle Bruchlandung hinzulegen, wäre in letzter Konsequenz sich den Mund zu tackern zu lassen. Frei nach dem Motto, wenn keiner was sagt, kann auch keiner verletzt werden. Aber mal ehrlich, wo kommen wir denn da hin? Lieber geht man mal einen Schritt zu weit, hängt sich verbal vielleicht etwas zu weit aus dem Fenster, als ungehört zu verstummen. Sollte man dabei unabsichtlich wirklich jemanden verletzen hat man immer noch die Möglichkeit, wie auch Verpflichtung, für seine Tat einzustehen und sich entsprechend zu entschuldigen, zumindest aber zu erklären. Wichtig ist dabei, dass es eben nicht um absichtliches Verletzen geht, das hat nichts mehr mit freier Meinungsäußerung zu tun. Außer man zofft sich so richtig mit allem Bumms und Fallera.  Da gelten eh andere Regeln.
Aber manchmal muss man sogar mal Tabus brechen. Um neue Wege zu öffnen. Um sich Gehör zu verschaffen. Um wachzurütteln. Man sollte aber dennoch immer versuchen ein gesundes – und dabei liegt die Betonung auf gesundes – Maß an Pietät walten zu lassen. Das versteht sich bei jedem denkenden Menschen von selbst. Sollte es zumindest.
Aber solange man es gesellschaftlich zulässt, dass Worte mit einer negativen Hülle behaftet werden, so wird die Auswahl an wertfreien, politisch korrekten und ethisch akzeptablen Worten mehr und mehr auf das Niveau eines Hauptschulabbrechers aus Überzeugung herunterfallen. Denn es passiert immer wieder etwas Negatives, was mit bestimmten Worten in Verbindung gebracht wird, die dann auf dem Index stehen.
Ich werde auch ganz sicher nicht anfangen „Prostituierte neuerdings Frauen mit Penetrationshintergrund“ zu nennen. Nee, echt nicht. Und wer in meiner Gegenwart Schwulenwitze macht, muss damit rechnen, dass ich noch viel Bessere davon auf Lager habe. Man darf halt alles nicht so eng sehen.

©Nicolas

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