Ähm öhm, so war es wirklich bei Axel Springer und dann noch eine Watschn für die Neidblogger. Und ein fetter Gruß an die erschreckend unflexible Leserschaft dort draußen. Traurig, aber wahr.
Da kommt man also nach Hause und alsbald folgt ein kleiner Infarkt. Ich hatte ja mal locker keinen Rechner dabei, weil bei den Axel Springers ja alles rumstand. Ja, ja, vielleicht auch besser so. Sonst hätte ich vielleicht schon in Berlin irgendwas gesprengt. Aber nun mal von ganz vorne.
Es war ein total toller Tag. Punkt. Ich habe tolle Menschen kennengelernt, die vom Verlag waren supernett. Meine Güte, was waren die nett. Ich kann es nicht anders sagen. Wir kamen an und ein Herr reichte uns Champus und ja, nun schreit hier schon der erste Neid- und Meckerblogger aus den Tiefen des Netzes: Kaufen lassen habt ihr Euch, kaufen lassen habt ihr Euch. Ach, ihr Neidblogger: Haltets die Goschn, sonst gibt’s a Watschn. Aber so richtig. Ich zieh Euch die Hand so heftig über Eure kleinen, hellen Wangen (weil ihr ja nie rausgeht, ihr kleinen Nerds), dass ihr noch drei Tage rote Striemen im Gesicht haben werdet. Bildlich genug? Ich finde es einfach fürchterlich. Vor der Aktion wurde nur gemeckert, jetzt ist Aktion durch, wird weiter gemeckert. Egal wie man es macht, man macht es verkehrt. Alles total doof und schlecht. Ja, genau. Dabei waren für mich am Ende andere Sachen eine gute und schöne Erfahrung an diesem Tag – da rückte das Chaos und die Problematik mit dem Layout in den Hintergrund. Dazu ein paar Abschnitte später mehr. Denn das Layout wurde uns schlicht und einfach vorgegeben. Ebenso die Texte, die alle in großen Debatten bemängeln und verreißen: Diese wurden von Redakteuren in einer Themenauswahl erarbeitet, geschrieben und dem ASV schon eine Woche vorher geschickt.
Ich gebe den vergrämten Meckerbloggern der Nation gleich noch etwas Futter: MEINE GÜTE WAS HATTE ICH EINEN TOLLEN TAG MIT TOLLEN LEUTEN! Es war mir ein Fest, die Herren von http://www.czyslansky.net/ kennen zu lernen. Oder die drei Reizenden Menschen von Amy&Pink. Der großartige Bosch war da, den ich seit Jahren lese und indirekt „kenne“. Ach und damit nicht genug. Alle waren supernett. Ich kann es ja einfach immer nur wie ein Mantra wiederholen. Jetzt kurz zum sachlichen Teil, bevor ich mich in endlosen Beschreibungen von Essen verliere.
Thema Layout: Warum sieht die Scroll Edition aus, wie sie aussieht? So kann man in Bloggingen lesen, dass man ja vielleicht nicht diese doofen Blogger, diese talentfreien, nicht zeitbezogenen Schreiber, an das Layout hätte lassen sollen. Nein, hat man ja gar nicht. Die Welt Kompakt Redaktion hatte dieses Layout schon Tage vor unserer Anreise in Berlin fertig. Es war deren Baby, sie wollten das so fahren. Was macht man, wenn man mit einer Mannschaft von 23 Schreibwütigen den dreizehnten Stock stürmt und es wird einem ein fertiges Layout präsentiert? Man macht gar nichts. Was soll man denn da machen? Wir haben uns gedacht: Ja mei’, dann mach mas halt so. Ja, vielleicht waren wir auch gedoped von Schnittchen, Champus und Currywurst. Keine Ahnung. Auch als Schmiechen und Leonhardt uns sagten, dass ein Großteil der Texte schon drin ist, ja mei, was soll es. Es waren 23 Egos im 13. Stock und jeder wollte seine Geschichte drin behalten. Wir einigten uns darauf: Wenn im Laufe des Tages irgendwas total wichtig Schlimmes auf der Welt passiert, werden wir drauf reagieren. Wir einigten uns auch darauf, die Tagesnachrichten schlicht und einfach in Meldungsform zu verarbeiten. Diese Zeitung sollte nämlich niemals eine stinknormale Zeitung sein.
Die Kritik am Layout ist das eine, was mich aber persönlich fürchterlich auf die Palme bringt, ist der nicht vorhandene Respekt der anderen Bloggerhasen aus diesem Internet. Wie die Geier stürzen sie sich auf die Texte, die mit Herzblut von den Beteiligten geschrieben worden sind. Man kann einen Text nicht gut finden, das ist okay. Man setzt sich aber nicht wie ein Aushilfsgurkenkönig auf einen billigen Stuhl und meint, entscheiden zu können, was eine gute oder schlechte Geschichte ist. Ich verfalle in schlimmstes Rüpelverhalten hier gerade. Das ist nicht gut. Ich hatte mir vorgenommen einen tollen Text zu schreiben. Wie nett der Tag war, wie sehr mich das alles gefreut hat. Wie schön es war, die anderen arbeiten zu sehen und mit ihnen zu arbeiten. Wie nett das Essen war. Ja, genau, dieses tolle Essen. Aber ich höre schon die Unkenrufe, das man uns mit billigem Essen gekauft hat. Anstatt sich mal kurz vom Geschrei „Das ist aber gar gar gar keine Zeitung“ zu lösen und sich vielleicht einfach vorzustellen, dass es vielleicht ein Magazin ist. Wie wäre es damit? Keine Phantasie? Schade.
Noch ein paar Sätze zur Nachrichtenlage an diesem denkwürdigen Tag: Es ist in der Welt nichts passiert. Nachrichtentechnisch war es ein ziemlich armer Tag. Ich habe mehrmals dpa und Reuters abgefragt. Ja, so war es. Und es war halt so, dass es nicht so sein sollte. Wir hatten einfach Bock auf was anderes. Natürlich gab es lange Gesichter, als rauskam, die Zeitung ist fertig. Aber mal ganz ehrlich: Hatte ich mir was anderes gedacht? Nein. Aber wir haben dann halt die Texte drin gelassen, die jeder schon geschrieben hatte. Wir hätten alles neu machen können. Aber ja, wir doofen vom ASV mit Schnittchen betäubten Blogger haben dann einfach das gemacht, was am naheliegensten war: Die Geschichten blieben so stehen, wie sie waren. Aus den langen Gesichtern wurden im Laufe des Tages auch wieder fröhliche. Wir tobten um die Tische. Frank Schmiechen nahm sich zum Beispiel für mich die Zeit und arbeitete mit mir meine Texte durch und ich habe mich sehr darüber gefreut, wie er sich über den einen oder anderen Satz sichtlich freute. Das ist eine schöne Sache, zu sehen, dass jemand schmunzelt, wenn er den Text liest, an den man Herzblut verloren hat. That’s it.
Scheiße. Ich würde so gerne einfach fröhlich dahertippen, aber bekomme gleich sicher einfach einen schlichten Infarkt. Vielleicht überlege ich mir jetzt einfach, wo ich ein neues Planschbecken herbekomme. Weil meine kleine Stinkekatze Cleopätra meines zerstört hatte, während ich im Schnittchenrausch einen tollen Tag mit großartigen Bloggern und Redakteuren beim Axel Springer Verlag hatte. Es war absolut richtig dort mitzumachen. Vorurteile widerlegen zu lassen, durch echtes Erleben ist einfach das Beste. Punkt. Das hier ist rein emotional gesteuert. Sachlich kann ich nur hinzufügen: Natürlich könnten wir Schmiechen und seinem Team eine RICHTIGE Zeitung stricken. Aber vielleicht bräuchten wir dann zwei, drei Tage. Wir haben darüber am Tag danach gesprochen, Tim Cole (von http://www.czyslansky.net/), und ich. Vielleicht noch mit ein paar guten Bloggern mehr, in Form eines Projektes über drei Tage. Einen Tag als Schreibakademie. Und dann zwei Tage hart durch ziehen. Eine richtige Zeitung machen. Würden wir schaffen. Also, ruft uns an. Wir Bloggerblagen sind bereit. Und auch wenn das Format allen das Lesen vielleicht wirklich schwer gemacht hat: Nicht vergessen, da hat immer einer in eine Geschichte etwas investiert. Zeit, Liebe, Gedanken. Respektiert das. Ihr Neidblogger da draußen.
Ich möchte mich ganz ehrlich am Ende ganz herzlich bei Frank Schmiechen, Mathias Leonhardt und Barbara Brandstetter bedanken. Ganz, ganz doppelt dolle grüße ich hier an dieser Stelle das Volontärenteam, „Team sechs“, die an unserem ersten Tag beim ASV ihren letzten hatten. Es war toll mit Euch zusammen zu arbeiten. Merci.
Wenn ich ein neues Planschbecken habe und meinen Kopf da rein gesteckt habe, dann schreib ich hier noch eine Hommage an das tolle Essen und sowieso. Am Ende serviere ich noch eine nette Geschichte, die mir Schmiechen über den Dänischen Hauskellner schenkte. Der reizende, nette Herr, ist im 40. Jahr beim ASV. Und er sagt zu allen „Du“. Auch zu Helmut Kohl und Gorbatschow. Und alleine für diese kleine Anekdote und das Kompliment „Du bist irgendwie wie Bernd das Brot, Rose“ hat sich meine Reise nach Berlin gelohnt. Am Ende nach Hause zu kommen und so blöde Texte von nicht anwesenden Bloggern (die natürlich alles besser wissen, besser können, das Internet besser kennen, die Leser besser kennen und auch mit Kritik am besten können etc.) zu lesen und heulenden Stammleser, die sich aufregen, 70 Cent „für so einen Scheiß“ ausgegeben zu haben, macht es einem schwer, bei 37 Grad sachlich zu bleiben. Ja, so ist es. Und dann darf man nicht mal in der Künstlerseele gekränkt sein. Nein, man soll das bitte alles gefälligst schlucken. „Du kannst ja gar nicht mit Kritik umgehen“. Wenn Kritik vernünftig formuliert wäre, sicher eher. Aber es gibt einen ganz großen Unterschied zwischen „Blind draufhauen“ und „Konstruktiver Kritik“.
Als Schlusslicht noch ein Gruß an die Langweiler von Kress und Horizont: Ach ja, stimmt, ihr hattet diesen langweiligen Formatjournalismus ja auch erfunden und habt das Patent drauf. Behaltet es doch. Wenn Euch das so glücklich macht. Es ist eigentlich nicht verwunderlich, hat irgendjemand wirklich geglaubt, es sagt auch nur einer voller Inbrunst: Das ist aber eine tolle Sache. Tolle Texte, tolle Chance. Nein, es wird sich aufgehängt an diesem Layout. Blind wird geschossen, keiner fragt sich, wie und warum das wohl alles so war. Und all die Versuche zu erklären, wie es wirklich gelaufen ist und das wir es auch nicht toll fanden, dass uns das Layout so präsentiert wurde, werden einfach ignoriert. Ja, ich wünsche mir ginge es wie Sebastian v. Bomhard schreibt: Ich war jetzt einen Tag bei Springer, ich bin jetzt immun gegen Kritik.
Bei allem Theater welches nun im Web 2.0 wegen der Nummer tobt: Es ist immer großartig nette Menschen zu treffen, mit man etwas gemeinsam hat. Und das ist so gewesen. Daher hat sich dieser Tag für mich gelohnt. Menschlich. Wenn das keinem was wert ist, weiß ich auch nicht mehr weiter. Wie arm, wenn man sich nicht über neue, nette Menschen freuen kann. Das ist doch eine schöne Sache. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten. Obwohl nicht alles perfekt lief, obwohl alles nicht so lief wie manch einer sich erträumte, war es ein netter Tag. Ob mit oder ohne Schnittchen. Und es war vielleicht auch wichtig zu lernen, dass auch beim Axel Springer Verlag ein paar echt nette Menschen arbeiten. Wie zum Beispiel die Volontäre aus Team 6. Und so weiter. Aber wenn man die aktuelle Debatte sieht, scheint das ja alles total egal zu sein. Reizwort springer, alles total schlecht und ja, ausgenutzt haben sie uns und so weiter. Am Ende macht einen das wirklich traurig und wütend. An nichts wird ein gutes Haar gelassen. Das ganze hat einen fürchterlich typisch deutschen Beigeschmack. Meckern bis der Arzt kommt.
Der größte Graben ist zwischen den Bloggern selber. Nicht zwischen Print und online. Und dann liest man zum Finale Abokundenkommentare, die Heldenhaft davon berichten, wie sie vom Aboservice des ASV 70 Cent zurückgefordert haben. Wie schade das alles ist. Es war nur ein Experiment und alle flippen total aus. Immer draufhauen und es mit dem Mantel namens „Konstruktive Kritik“ verkleiden. Dabei ist es nicht mehr als ein hämischer Text. Applaus!
Am Ende ist es wirklich traurig, wie unflexibel und konservativ viele Leser der Welt Kompakt zu sein scheinen. Schade. Letztendlich ist es aber auch so, dass es einigen gefallen hat. Leider ist es immer so, dass meckernde Unken irgendwie Plakativer sind. Das findet Gehör. Alles doof, alles schlecht, haben die total danebengemeiert die Nummer, die haben die Blogger vorgeführt und so weiter. Und dann soll man sich benehmen wie ein menschlicher Eisschrank und so tun, als würde einen das nicht berühren. Hallo? Man hat immerhin mit den Leuten an diesem Ding gearbeitet, auch wenn es etwas anders gelaufen ist, als geplant. Es wurde dennoch darin investiert. Und das könnte man mal etwas respektieren. Aber das kann der Blogger im Schützengraben irgendwie nicht. Und das ist das traurige daran. Der Graben. Zwischen den Bloggern. Zum Finale dann einfachheitshalber behaupten, Blogs sind tot. In einem Blog der für ein paar tausender verscherbelt worden ist. Da wo ich herkomme, ist das ziemlich unreal. Was ist eigentlich schlimmer? Auf einem Blog zu schreiben der für viel Geld verscherbelt worden ist, oder einen Tag für Springer? Ich weiß es am Ende nicht mehr. Ich weiß gar nichts mehr. Vielleicht mache ich einfach das Internet kaputt morgen. Mal abwarten. All die gehässigen Kommentare. So schade.
Da will man Vorgärten umgraben. Jawohl.

Ps.: Die Bildergeschichte folgt alsbald!
Link zu debattierten Geschichte die lange Version von „Die Dörfer“.